Blicke gehen Richtung Bürgerschaftswahl Zwei Bremer Abgeordnete in Brüssel

Bremen. Bremen ist nach der EU-Wahl am Sonntag mit zwei Abgeordneten in Brüssel vertreten – mit Joachim Schuster (SPD) und Helga Trüpel (Grüne). Trotz Erfolg richteten sich die Blicke am Abend bereits auf die Wahl zur Bremischen Bürgerschaft.
26.05.2014, 00:00
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Zwei Bremer Abgeordnete in Brüssel
Von Wigbert Gerling

Nach der Wahl ist vor der Wahl: Trotz Partystimmung bei der SPD, die am Sonntag in Bremen bei der Europawahl im Vergleich zu 2009 zulegte, richteten sich die Blicke bereits auf den 10. Mai 2015. Dann wird die Bremische Bürgerschaft gewählt – und ab sofort nehmen die Vorbereitungen richtig Fahrt auf. Die Bilanz der EU-Wahl: Bremen ist mit zwei Abgeordneten in Brüssel vertreten – mit Joachim Schuster (SPD) und Helga Trüpel (Grüne).

Freud‘ und Leid lagen am Sonntag nahe beieinander, als die Wahlstrategen der Parteien und Bremer Prominenz aus der Politik die Prognosen vor den Fernsehern verfolgten. Und es gab auch Gemütslagen, die zwischen den beiden Polen von Glück und Unglück lagen.

Viel Applaus gab es bei der SPD, die zur Europawahl-Party ins „Kwadrat“ an der Wilhelm-Kaisen-Brücke eingeladen hatte, am Ende auf 34,4 Prozent kam und damit ein Plus von rund fünf Prozent verbuchte. Joachim Schuster hatte es geschafft – er zieht in das EU-Parlament ein und trifft dort künftig auf die Kollegin Helga Trüpel (Grüne) aus der Hansestadt.

Im „Kwadrat“ wurde unter Sozialdemokraten auch schon über die Bürgerschaftswahl im Mai 2015 gesprochen. „Die Kandidatenaufstellung läuft bereits an,“ erklärte der SPD-Landesgeschäftsführer Roland Pahl. Ein weiteres Thema am Abend: Die mögliche Verlängerung der Legislaturperiode in Bremen von vier auf fünf Jahre. Pahl: „Wenn sie kommt, dann am besten 2019 – bei uns würde dann parallel zur EU-Wahl abgestimmt.“ Dies könne die Wahlbeteiligung begünstigen.

Am anderen Ende der Stimmungsskala Sonntagabend: die FDP. Sie hatte, so hieß es schon vorab, gar nicht erst zu einer Wahlparty in die Zentrale an der Sandstraße eingeladen. Im Laufe des Abends gab es Sonntag ein öffentliches Lebenszeichen als Reaktion auf die Aussicht, mit 3,3 Prozent nun im Vergleich zu 2009 mit rund einem Drittel der Stimmen zufrieden sein zu müssen. Landeschef Hauke Hilz machte keinen Hehl daraus, dass er enttäuscht ist: „Natürlich haben wir uns mehr erhofft. Aber das Ergebnis führt uns deutlich vor Augen, dass ein Neuanfang nicht von heute auf morgen geht.“

Gemischte Gefühle gab es bei CDU und Linken. Die Kandidatin der Linken, Sofia Leonidakis, hatte mit Listenplatz neun keine schlechten Chancen, aber mit den ersten Prognosen ab 18 Uhr schwanden die Hoffnungen. Für einen Wechsel nach Brüssel rechte es nicht. Gleichwohl war gute Stimmung im „Dete“ an der Lahnstraße, wo die Partei zur Wahlparty eingeladen hatte. 9,6 Prozent in Bremen – darauf wurde in der Neustadt angestoßen.

Bei der CDU, die in ihrer Zentrale am Wall feierte, war die Laune bei vielen eher durchwachsen. Die 22,4 Prozent für Bremen wurden als Dämpfer interpretiert. Aber bald wurde nicht vorrangig über das Bremer Ergebnis gesprochen, sondern über den Bundestrend, den die CSU zu Lasten der CDU beeinträchtigt habe.

Entspannter als bei den Grünen hätte eine Wahlparty nicht beginnen können. Kurz vor 18 Uhr sonnten sie sich auf der Laderampe des Speichers XI in der Überseestadt. Drinnen, im Café der Blauen Karawane, waren die Stühle noch verwaist. Der einzige, der den Hochrechnungen entgegenzufiebern schien, war der Bremer Politologe Lothar Probst – im Fernsehsender Phoenix. Selbst die ersten Hochrechnungen lösten nur mäßigen Applaus aus.

Mit dem Listenplatz sieben für Helga Trüpel war für die Bremer Grünen von Anfang an recht klar, dass ihre Kandidatin noch eine dritte Legislaturperiode im Europaparlament sitzen wird. Rund elf Prozent ergatterte die Partei nach Hochrechnungen im Bund und damit wohl elf Sitze. In ihrer Ansprache lobte Trüpel den Wahlkampf: „Keine Partei in Bremen hat so viele Veranstaltungen gemacht wie wir.“ Mit grünen Kernthemen wie Energie, Öko-Landwirtschaft und Finanzmarkt-Regulierung habe man deutlich gemacht, dass die Partei in Europa gebraucht werde. Über das Ergebnis erfreut zeigte sich auch der grüne Umweltsenator Joachim Lohse. Parteikollegin und Finanzsenatorin Karoline Linnert nannte es „ermutigend“. Auch hier war die Bürgerschaftswahl 2015 ein Thema. Dem grünen Parteichef Ralph Saxe behagt das zwar nicht, aber er bestätigt: „In den Köpfen ist sie schon drin – es werden erste Vorarbeiten für das Programm gemacht.“

Rund 30 Gäste hatten sich bei der Wahlparty der Alternative für Deutschland (AfD) im Hotel Radisson Blu in der Böttcherstraße versammelt. Jubel habe es zwar nicht gegeben, als sich der Einzug der AfD ins Europaparlament abzeichnete, aber große Zufriedenheit, sagte ein Parteimitglied. Im Wahlkampf hatte die AfD auch in Bremen Gegenwind bekommen: Plakate seien systematisch beschädigt und Mitglieder bedroht worden, sagte Vorstandssprecher Christian Schäfer. Mit Sicht auf die Bürgerschaftswahl sei das Ziel aber dennoch erreicht worden: Im Land wurde die Fünf-Prozent-Marke mit 5,8 geknackt.

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