Zweiter Impfstoff Der Weg für Moderna ist frei

Schon in wenigen Tagen soll in der EU ein zweiter Impfstoff gegen Corona eingesetzt werden. Und die Produktion des ersten Präparats soll mit einer neuen Fabrik massiv erhöht werden. Trotzdem braucht es Geduld.
06.01.2021, 21:15
Lesedauer: 3 Min
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Der Weg für Moderna ist frei
Von Detlef Drewes

Brüssel. Bald gibt es einen zweiten verfügbaren Impfstoff gegen das Coronavirus: Die Europäische Arzneimittel-Behörde (EMA) in Amsterdam hat am Mittwoch das Produkt des US-Herstellers Moderna zur Zulassung empfohlen. Die EU-Kommission wollte diese Freigabe spätestens bis zu diesem Donnerstag amtlich machen. Kommt jetzt Schwung in die langsam angelaufene Impf-Kampagne in Deutschland und Europa? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Kommen die Impfungen jetzt besser in Gang?

Die EU hat sich von dem Moderna-Impfstoff insgesamt 160 Millionen Dosen gesichert. Das ist etwa halb so viel wie von dem Produkt aus dem Hause Biontech/Pfizer. Die ersten Lieferungen sollen ab Monatsende in den Mitgliedstaaten verfügbar sein.

Warum wurde nur so wenig bestellt?

Der Impfstoff von Moderna ist einer der teuersten auf dem Markt. Jede Dosis kostet umgerechnet rund 14,70 (andere sprechen von 15,50) Euro, das Biontech/Pfizer-Vakzin schlägt mit zwölf Euro zu Buche. Das Produkt von Astrazeneca liegt bei 1,87 Euro.

Wie viel wurde denn bisher insgesamt eingekauft?

Die EU hat zunächst 200 Millionen Dosen bei Biontech/Pfizer bestellt und eine Option auf weitere 100 Millionen abgegeben. Diese wurde inzwischen in eine feste Bestellung umgewandelt. Seit einigen Tagen wird über weitere 300 Millionen Dosen bis Ende des Jahres verhandelt. Das macht dann 600 Millionen. Von Moderna hatte die Union 160 Millionen bestellt, 400 Millionen bei Astrazeneca, 400 Millionen bei Johnson & Johnson sowie 405 Millionen bei dem deutschen Unternehmen Curevac. Beim französischen Hersteller Sanofi wurden ebenfalls 400 Millionen Dosen geordert. Das ergibt rund 2,4 Milliarden Dosen – weitaus mehr als für zwei Schutzimpfungen für 455 Millionen EU-Bürger nötig sind. Die Union wollte diese Überzahl, um später auch Impfstoffe an Entwicklungsländer weiterleiten zu können.

Wer hat diese Bestellungen aufgegeben? Allein die EU-Kommission?

Nein, die Behörde hat bei allen Verhandlungen die Mitgliedstaaten beteiligt und erst nach deren Zustimmung zu Preis und Bestellmenge die Verträge unterschrieben.

Welche Rolle haben die Kosten bei den Bestellungen gespielt?

Ursprünglich standen 2,7 Milliarden Euro zur Verfügung. Zu der Zeit, als man sich auf ­exakte Bestellmengen verständigen musste, gab es tatsächlich eine heftige Diskussion über die Preise. Denn die Befürchtungen waren groß, Geld für Stoffe auszugeben, die sich später als unwirksam oder unsicher herausstellen würden.

Hat Deutschland zusätzlich geordert?

Ja. Schon im Herbst gab es eine Vereinbarung mit Biontech über zusätzliche 30 (oder sogar 50) Millionen Dosen für die Bundesrepublik. Das führt gerade innerhalb der EU zu Verärgerung, weil Berlin damit aus den Absprachen ausgeschert ist. Zwar sieht die Impfstrategie der Gemeinschaft vor, dass jedes EU-Land eigene Bestellungen tätigen kann, aber erst nach dem Start der Impf-Kampagne.

Die vereinbarten Mengen werden ja derzeit nur schrittweise geliefert. Wie wirkt sich das auf die Anteile der Staaten aus?

Nach Angaben der EU-Kommission wird die von einem Hersteller gelieferte Menge anteilig auf die Mitgliedsländer umgelegt – es soll niemand mehr oder weniger bekommen als ihm laut europäischer Vereinbarung zusteht.

Warum hat die EU für die Verhandlungen mit US-Herstellern so viel Zeit gebraucht?

Biontech ist zwar ein deutsches Unternehmen, für den Vertrieb aber ist der US-Partner Pfizer zuständig. Und der weigerte sich (ebenso wie Moderna) lange, die Bedingung der Europäer zu akzeptieren, für das eigene Produkt zu haften.

Man könnte die Impfungen wohl beschleunigen, wenn aus jeder Dosis nicht fünf, sondern sechs Pikse möglich wären. Warum ist das so schwierig?

Tatsächlich ist dafür eine Genehmigung der EMA notwendig, die eigentlich schon am Mittwoch erwartet wurde. Sobald diese da ist, können bis zu 20 Prozent mehr Menschen geimpft werden. Experten rieten den Bundesländern, bereits die dafür notwendigen Feindosierungsspritzen (0,09 Cent pro Stück) zu bestellen. Sie sind offenbar gut verfügbar.

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