Schwer Bewaffnete stürmen Redaktion Zwölf Tote bei Anschlag auf Satiremagazin in Paris

In Paris sind zwölf Menschen bei einem Terroranschlag auf eine islamkritische Satirezeitung getötet worden. Die Täter sind auf der Flucht.
07.01.2015, 12:26
Lesedauer: 3 Min
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Bei einem Anschlag in Paris sind mindestens zwölf Menschen getötet worden, sieben wurden verletzt, vier davon schwer. Die Terrorattacke richtete sich gegen die Satirezeitung "Charlie Hebdo", die mit islamkritischen Karikaturen Schlagzeilen machte. Drei Täter hatten am Vormittag mit Kalaschnikows das Feuer eröffnet. Sie sind auf der Flucht.

Bei einem Anschlag auf die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" sind mindestens zwölf Menschen getötet worden. Das teilten die Behörden mit. Die drei Täter sind noch auf der Flucht. Mindestens vier Menschen wurden schwer verletzt. Neben dem Chefredakteur Charb seien die Zeichner Wolinski, Cabu und Tignous getötet worden, teilte die Pariser Staatsanwaltschaft mit. Auch der Leibwächter des Chefredakteurs starb. Die Toten wurden den Angaben zufolge von einem Überlebenden des Anschlags identifiziert.

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Drei schwer bewaffnete Männer hatten am Mittwoch in Paris den Sitz der Zeitung überfallen, die seit Jahren für ihre provokanten Mohammed-Karikaturen bekannt ist. Nach Angaben der Polizei drangen die vermummten Täter mit Kalaschnikows bewaffnet in die Räume der Zeitung ein und feuerten um sich. Der Angriff im elften Arrondissement im Zentrum von Paris ereignete sich gegen 11.30 Uhr. Danach gab es einen Schusswechsel mit den Sicherheitskräften. Bei ihrer Flucht schossen die Angreifer einen Polizisten an und überfuhren später einen Fußgänger. In einem Video ist zu hören, wie die Täter "Allahu Akbar" riefen - "Allah ist groß". Laut französischen Medienberichten sagten die Männer einem Zeugen, sie gehörten zu "Al-Kaida im Jemen". Sie sind

Dieses Bild zeigt die Attentäter

Mit welcher Kaltblütigkeit die Angreifer vorgingen, zeigt ihre Flucht: Während ihrer Fahrt vom elften Arrondissement zwischen dem Platz der Bastille und dem Platz der Republik stiegen sie aus ihrem Auto noch einmal aus und töteten einen Polizisten per Kopfschuss, wie auf einem Video zu sehen ist. In der Nähe der Porte de Pantin in Richtung nordöstlichem Stadtrand überfielen sie einen Autofahrer und überfuhren einen Passanten. Seither verliert sich die Spur. Offenbar konzentriert sich die Suche der Polizei auf die Pariser Vororte.

In den Redaktionsräumen von "Charlie Hebdo", der Satirezeitung, die seit Jahren wegen ihrer provokanten Mohammed-Karikaturen im Visier von Islamisten ist, richteten die Täter ein wahres Blutbad an. Ein Journalist, der in Räumen gegenüber von "Charlie Hebdo" arbeitet, berichtete von fürchterlichen Szenen: "Leichen am Boden, Blutlachen, sehr schwer Verletzte".

Hollande spricht von Terroranschlag - Höchste Warnstufe ausgerufen

Staatspräsident Francois Hollande erklärte, es handele sich ohne Zweifel um die Tat von Terroristen. Die Angreifer sollen Medienberichten zufolge bei ihrem Überfall mehrfach "Allah ist groß" gerufen haben. Augenzeugen berichteten zudem, die Täter hätten "Rache für den Propheten" skandiert. Hollande bezeichnete den Angriff auf die Zeitung als "Terroranschlag". Am Ort des Anschlags sprach er von einer "barbarischen Tat". Die Regierung rief für den Großraum Paris die höchste Warnstufe des Anti-Terror-Plans "Vigipirate" aus. Für Mediengebäude, große Kaufhäuser, Kirchen und den öffentlichen Nahverkehr wurde der Schutz verstärkt. Bereits über Weihnachten waren die Sicherheitsvorkehrungen in Frankreich aus Angst vor Anschlägen verschärft worden.

Bereits 2011 Anschlag auf die Redaktion

Der Dachverband der Muslime in Frankreich sprach laut der Zeitung "Le Monde" von einem "barbarischen Akt" gegen die Demokratie. Der in Frankreich prominente Imam Hassen Chalghoumi erklärte: "Die Barbarei der Angreifer hat nichts mit dem Islam zu tun." Auf Hass könne man nicht mit Gegenhass antworten, sagte der aus Tunesien stammende Geistliche dem TV-Sender BFMTV.

"Charlie Hebdo" hatte in der Vergangenheit mehrfach mit provokanten Mohammed-Karikaturen für Schlagzeilen gesorgt. Bereits im November 2011 war ein Brandanschlag auf die Redaktion verübt worden. Auch damals war ein islamistischer Hintergrund vermutet worden. Es wurde niemand verletzt. "Charlie Hebdo" hatte an dem Tag ein Sonderheft zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien veröffentlicht und sich dazu in „Charia Hebdo“ umbenannt. Als Chefredakteur war "Mohammed" benannt worden. Verletzt wurde bei dem Attentat niemand, aber durch Hitze und Löschwasser entstand beträchtlicher Schaden.

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Die neueste Ausgabe von diesem Mittwoch widmete die Zeitung dem neuen Roman des französischen Skandal-Autors Michel Houellebecq, der darin die Machtübernahme durch einen muslimischen Präsidenten in Frankreich im Jahr 2022 beschreibt. (afp/dpa/wk)

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