Kommentar über Griechenland Zynisches Lob

Nie zuvor haben Geldgeber ein Land mit so hohen Finanzspritzen vor dem Untergang bewahrt. Aber zu viele suggerierten zu lange, dass es sich um Zuwendungen für Bürger handeln würde, meint Detlef Drewes.
04.07.2018, 19:55
Lesedauer: 1 Min
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Zynisches Lob
Von Detlef Drewes

Das Lob für die hellenische Bevölkerung ist angebracht, aber zynisch. Wer mehr als 20 Prozent seines Gehaltes verloren hat und mit einem Fünftel weniger Rente leben muss, hat kein Verständnis für Reformen. Trotzdem stimmt es: Noch nie zuvor haben die Geldgeber ein Land mit Finanzspritzen in Höhe von 274 Milliarden Euro vor dem Untergang bewahrt.

Aber zu viele suggerierten zu lange, dass es sich um Zuwendungen für die Bürger handeln würde. Das war nie der Fall. Athen sollte lediglich seine Rechnungen bei den Geldhäusern derer bezahlen, die auch die Finanzmittel zusammenkratzten. Das ist nicht unsolide, aber es war falsch, einen anderen Eindruck zu erwecken.

Der Vergleich mit den übrigen Staaten, die nur durch Alimente der Rettungsschirme überlebten, zeigt allerdings: Die Hellenen haben sich viel zu lange gegen Reformen gesträubt, sie nur halbherzig akzeptiert und dann ausgebremst. Das hat nicht nur die Geldgeber verärgert, das Signal in Richtung der Finanzmärkte war fatal. Kein Unternehmer lässt sich in einem Land nieder, in dessen bürokratischen Mühlen er jahrelang festhängt.

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