Nachmachen und weitersagen 100 Tipps, mit denen sich der Alltag nachhaltiger gestalten lässt

Es ist gar nicht so schwer, eine nachhaltigere Lebensweise in den Alltag zu integrieren. Egal, ob in der Küche, in der Freizeit oder auf Reisen - mit kleinen Veränderungen lässt sich schon was bewirken.
Lesedauer: 9 Min
Zur Merkliste
100 Tipps, mit denen sich der Alltag nachhaltiger gestalten lässt
Von André Fesser

Hätte die Erde einen Wunsch frei, würde sie vermutlich den Menschen auf den Mond schießen wollen. Was die letzten Generationen mit dem Planeten angestellt haben, lässt sich in absehbarer Zeit kaum noch reparieren. Sofern der Mensch beabsichtigt, auch künftig noch mit und von der Erde zu leben, führt an einer nachhaltigeren Lebensweise aller kein Weg vorbei. Das Gute ist: Diesen Weg zu beschreiten, ist ganz leicht. Kinderleicht sogar. Und das lässt sich hundertfach belegen.

Eine nachhaltige Lebensweise, das haben unsere Beiträge der vergangenen Wochen gezeigt, ist kein Großprojekt, kein neues Kapitel, das man in seinem Leben aufschlagen muss. Ganz im Gegenteil: Der Nachhaltigkeitsgedanke lässt sich ganz einfach in den Alltag integrieren. Ein Beispiel, das zum Beginn des neuen Schuljahres passt: Fast jedes Kind ist in der Lage, mit dem Fahrrad zur Schule oder zum Sportverein zu fahren und damit auf das Elterntaxi zu verzichten, das es bis vor die Tür bringt. Man muss ihm nur mal den Weg zeigen und Vertrauen haben.

Lesen Sie auch

Sowieso ist die Mobilität des einzelnen ein guter Ansatzpunkt für mehr Nachhaltigkeit. Weniger Autofahrten, dafür mehr Strecken mit dem Fahrrad oder mit Bus und Straßenbahn wären schon ein Fortschritt. Wer dann doch auf das Auto angewiesen ist, bildet vielleicht eine Fahrgemeinschaft oder versucht es mit Carsharing, sofern die Kommune oder die Nachbarschaft schon so weit sind, so etwas anzubieten und mitzumachen. Wichtig ist, dass man dabei spritsparende Modelle nutzt.

Für längere Strecken bietet sich die Nutzung der Bahn an, die in der CO2-Bilanz immer besser abschneidet als das Flugzeug. Sowieso lassen sich viele Flugreisen einsparen, wie die Corona-Krise gezeigt hat. Urlaub zu Hause oder in der Nähe des Wohnortes kann sowohl erhellend als auch erholsam sein. Wer dann doch mal fliegen muss, kann mit einer CO2-Kompensation bei einem entsprechenden Anbieter einen Beitrag zur Wiedergutmachung leisten. Das kann man übrigens auch nach einer Kreuzfahrt machen, an der ansonsten so gut wie gar nichts nachhaltig ist. Reisen ist aber nicht tabu: Gleich mehrere Reiseanbieter haben Angebote, die die Einhaltung gewisser Umwelt- und Sozialstandards garantieren. Aber natürlich zählt überall: Auch in der Fremde sollte man sich so umweltfreundlich verhalten wie zu Hause.

Geschirrspüler komplett befüllen

Wobei man auch dort ganz prächtig nachhaltig durch den Alltag kommen kann. Wenn die Kinder, die vorhin mit dem Fahrrad zur Schule gefahren sind, am Nachmittag wieder nach Hause kommen und ihre wiederverwendbare Pausenbrotbox in den Geschirrspüler stellen, weil der bei kompletter Befüllung effizienter ist als die Handabwäsche, sehen sie dort schon Vaters Thermobecher, mit dem er sich oftmals morgens beim Bäcker einen Kaffee holt. Zum Durstlöschen gibt es in dieser Familie dann ein Glas Leitungswasser oder zwei, bevor Vater den vegetarischen Auflauf mit saisonalem Gemüse aus der Region in den nicht vorgeheizten Backofen schiebt. Er nutzt die Umluftfunktion, versteht sich, weil sie weniger Strom verbraucht als Ober- und Unterhitze.

Solche Gemüsegerichte sind die Regel in dieser Familie, weil sie sich fleischarm ernährt. Wenn Fleisch, dann bio, das gilt auch für Fisch, bei dem die Eltern darauf achten, dass sie Fischarten verzehren, deren Fang ökologisch verträglich sind. Der Lütten schmeckt's nicht immer, am liebsten hätten sie zum Nachtisch noch eine Scheibe Knäckebrot mit Nuss-Nugat-Creme. Aber immerhin mit einer, die ohne Palmöl auskommt. Mutter gönnt sich nach dem Essen lieber einen Kaffee aus der Maschine mit Metallfilter. Die Kapselmaschine hat sie sowieso nicht ersetzt, als sie kaputtging – die Dinger produzieren einfach zu viel Müll.

Lesen Sie auch

Nach dem Essen wäscht die Familie die großen Teile, die nicht in die Maschine passen, gemeinsam ab – mit selbst gemachtem Spülmittel. Das hat sie jetzt einfach mal ausprobiert, auch Waschmittel und Deo will sie noch mal selbst machen. Einen Versuch ist es wert. Der Abwasch ist schnell erledigt, dank der wassersparenden Armatur geht dabei auch nicht so viel Wasser drauf.

Denn auch Wassersparen ist nachhaltig. Daher hat Mutter ihre geliebten Badewannengänge reduziert und duscht jetzt öfter. Mit einem Stück Seife anstatt mit Duschgel in der Plastikflasche, und nicht mehr so heiß, denn auch das spart Energie. Auch ihren Bruder, der ab und zu zu Besuch kommt, hat sie schon vom Wassersparen überzeugt: Seitdem dreht er beim Zähneputzen den Hahn ab. Verwunderlich, dass sie ihm das erst sagen musste.

Zeitlose Mode ist länger tragbar

Diesen Nachmittag hat die ganze Familie frei. Mutter und Tochter gehen in ihre Schlafzimmer, um die Kleiderschränke auszumisten. Einiges passt nicht mehr, die Stücke wollen sie auf dem Flohmarkt oder im Second-Hand-Markt verkaufen. Anderes wollen sie tauschen oder verschenken, damit es weitergenutzt werden kann. Das geht vor allem deshalb gut, weil sie zeitlose Mode kaufen, die man länger tragen kann. Was kaputt geht, wird repariert, und wenn dann doch mal ein neues Stück her muss, achtet die Familie darauf, dass sie Kleidung aus Naturfasern kauft, die ein Label für fairen Handel trägt.

Reparieren kann man übrigens auch andere Gegenstände. Viel Ahnung von Technik hat der Vater nicht. Geht das alte Küchenradio oder der Toaster mal kaputt, wendet er sich an das Recyclingcafé, dort sitzen Leute, da damit umgehen können. Dort hat er übrigens auch jemanden kennengelernt, der ihm zeigen will, wie man alte Möbel aufpeppen kann, anstatt sie auf den Sperrmüll zu werfen. Auch in anderen Bereichen ist sich die Familie einig, die Geräte so lange wie möglich nutzen zu wollen: Handys und Laptops sind auch noch nach ein paar Jahren gut. Bei Neuanschaffungen von Haushaltsgeräten achten die Vier auf Energieeffizienz. Zumal sich auch das Sparen von Ökostrom auf den Geldbeutel auswirkt. Auch bei der Umstellung auf LED-Beleuchtung macht sich das bemerkbar. Und würden sie jetzt noch alle das Licht ausmachen, wenn sie einen Raum verlassen, sparten sie gleich noch mehr.

Lesen Sie auch

Einen Teil ihres Stroms bezieht die Familie aber sowieso über die Solaranlage auf dem eigenen Dach. Aber auch wenn die Sonne kostenlos liefert, ist das Energiesparen zu Vaters Hobby geworden. Der Fernseher zum Beispiel wird jeden Abend komplett aus- und nicht nur auf Standby gestellt. Die Waschmaschine schmeißt er nur noch voll beladen an, die Kleidung wird zudem nur noch bei niedrigen Temperaturen gewaschen. Und ein Trockner kommt ihm sowieso nicht ins Haus. Sonne und Wind trocknen die Wäsche genauso gut.

Mutters Hobby hingegen ist der Garten geworden. Seit sie einen Teil der Rasenfläche zur Blumenwiese gemacht hat, muss sie nicht mehr so viel mähen. Den Schottergarten im Vorgarten hat sie wieder umgebaut und somit einen Lebensraum für Insekten geschaffen. Hinter dem Haus sind ein Vogelhaus und eine Futterstation entstanden. Ein Insektenhotel soll helfen, Nützlinge anzulocken, die die Blattläuse auf ihren Pflanzen bekämpfen. Auf diese Weise erspart sie der Natur Insektizide. Auch Unkrautvernichter sind bei ihr tabu.

Ein Mietacker für eigenes Bio-Gemüse

Stattdessen will sie im Herbst noch einen Reisighaufen anlegen und unter ihren heimischen Sträuchern ein Igelhaus bauen. Vielleicht zieht ja dort dann gleich jemand ein. In der anderen Ecke befindet sich schon der Komposthaufen, auf dem ein Großteil der pflanzlichen Küchenabfälle landet. Für einen Gemüsegarten ist leider kein Platz mehr, aber die Familie hat sich in der Gegend einen Mietacker zugelegt. Auf 40 Quadratmetern baut sie eigenes Bio-Gemüse an. Und die Kinder lernen dabei auch gleich, dass Kartoffeln nicht an Bäumen wachsen.

Schade nur, dass der Acker nicht alles hergibt, was die Familie benötigt. Für vieles muss sie dann eben doch in den Supermarkt gehen. Allerdings hat sie sich angewöhnt, vorher genau zu überlegen, was sie braucht, um nachher nicht so viel wegwerfen oder zum Foodsharing-Kühlschrank im Ort geben zu müssen. In der Gemüseecke verzichtet die Familie auf Plastiktüten, weil sie ihre eigenen Netze mitgebracht hat. Den Joghurt kauft der Junior jetzt im Pfandglas, das sich zurückgeben lässt, und auch die Getränke kommen ausschließlich aus Mehrwegflaschen. Das Waschmittel gibt es nur noch im Nachfüllpack. Und wenn sich der Junge beim Bäcker später noch ein Milchbrötchen holt, faltet er die Tüte danach zusammen, denn auch sie lässt sich schließlich wiederverwenden.

Lesen Sie auch

Seine Schwester holt sich in der Eisdiele derweil noch ein Eis. Allerdings nimmt sie es in der Waffel und nicht im beschichteten Becher. Aber verdammt, jetzt haben sie doch noch was vergessen! Mutter muss noch mal zurück in den Supermarkt, um Kaffee zu holen. Den fair gehandelten, bitte! Das machen zwar nicht viele so, aber Mutter weiß, dass sie die Dinge nur beeinflussen kann, wenn sie ihre Macht als Verbraucherin auch ausspielt.

Vor dem Abendessen kommt die Familie wieder in der Küche zusammen. Der Aufwand ist überschaubar: Auf dem Kochfeld wärmen sich die vier einfach noch mal die Suppe vom Vortag auf. Der Deckel bleibt dabei natürlich auf dem Topf. Junior backt sich zur Suppe noch ein Brötchen auf. Auf dem Toaster geht das energiesparender als im Backofen. Mutter macht sich einen Tee und erhitzt das Wasser im Wasserkocher und nicht im Topf.

Waschbares Wischtuch statt Küchenrolle

Nach dem Essen ist von der Suppe immer noch was übrig. Bevor sie sie in den Kühlschrank stellt, lässt Mutter sie noch abkühlen. Ach, Mist, beim Umkippen geht was daneben! Der Sohn will zur Küchenrolle greifen, doch seine Schwester hält ihm das waschbare Wischtuch unter die Nase und grinst ihn frech an. Den Müll vom Abendessen trennen die vier, das machen sie aber schon immer so. Den Umgang mit gefährlichen Stoffen versuchen sie zu vermeiden. Geht das mal nicht, landen die Reste bei der Schadstoffsammelstelle. Und am Wochenende bringen sie das Altglas in den Sammelcontainer.

Dann trifft sich die Familie noch mal am Esstisch und schmiedet ein paar Pläne. Die Heizungsanlage ist alt und ineffizient, sagt Vater, im kommenden Jahr will er sie modernisieren lassen. Dann möchte er auch das Carportdach und die Fassade begrünen und eine Regentonne kaufen, um Wasser für den Garten zu sammeln. Die Ideen dazu und einen Kostenüberschlag schreibt er in den Computer. Den Ausdruck mit Recyclingpapier spart er sich noch, die Speicherung der Pläne im Gerät reicht ja aus. Anschließend stellt er den Computer aus und lässt ihn nicht einfach über Nacht laufen, wie es einige Kollegen in der Firma immer machen.

Lesen Sie auch

Die Kinder, die sich an ihrer Schule in einer Umweltgruppe engagieren, machen es sich derweil auf dem Sofa bequem, um noch ein wenig fernzusehen. Dabei stellen sie fest, dass die Batterien der Fernbedienung leer sind. Zum Glück haben sie noch ein paar Akkus in der Schublade. Die anderen Akkus kommen umgehend ins Ladegerät. Der Sommer ist fast vorüber und es ist kühler geworden. Als die beiden frösteln, gehen sie in ihre Zimmer und ziehen sich eine Sweatjacke an und Omas selbst gestrickte Socken. Für die Heizung ist es im Spätsommer definitiv zu früh.

Eigentlich findet es die Familie gar nicht so schwer, mehr Nachhaltigkeit in ihren Alltag zu integrieren. Man muss es nur wollen, sagt die Tochter, als die Familie am Abend am Gartentisch sitzt, um den Grillabend mit den Nachbarn am Wochenende zu planen. Wenn man ein bisschen nachdenkt, fallen einem bestimmt hundert Kleinigkeiten ein, die man ändern könnte, um die Dinge zu ändern, unkt sie.

Den Fleischanteil reduzieren

94 haben wir ja schon, sagt ihr Bruder grinsend, und schlägt vor, die 100 Nachhaltigkeitstipps voll zu machen, damit er endlich weiter fernsehen kann. Gesagt, getan: Das Einwegplastikgeschirr der Nachbarn wollen die vier beim Grillabend einfach mal ablehnen. Die Vier beschließen außerdem, diesmal mehr Gemüse oder Grillkäse auf den Grill werfen und dafür den Fleischanteil reduzieren. Die Grillkohle soll aus nachhaltiger Waldwirtschaft kommen. Mal sehen, ob es sowas im Supermarkt gibt. Eine Girlande und ein paar Lampions sollen auch noch her. Aber keine Wegwerfware! Vielleicht finden sich noch ein paar Reste vom letzten Fest auf dem Dachboden. Und sonst wird einfach mal selbst gebastelt.

Haben wir's, fragt der Vater? Nicht ganz, rufen die Kinder, denn ein Tipp fehlt noch, damit die hundert voll wird: Ein nachhaltiger Lebenswandel ist wichtig und die Grundlage dafür, dass Mensch und Planet eine Zukunft haben. Damit alle merken, worum es geht, hilft noch dieser letzte Nachhaltigkeitstipp: Nachmachen und weitersagen!

Lesen Sie auch

Zur Sache

Hier gibt es noch mehr davon

Wer sich über Nachhaltigkeit informieren möchte, findet im Netz allerlei Quellen. Die einschlägigen Umweltschutzorganisationen sind gute Anlaufstellen, um sich Anregungen für einen nachhaltigeren Lebenswandel zu holen: www.nabu.de, www.bund.net, www.greenpeace.de könnten weiterhelfen. Unter www.umweltbundesamt.de gibt es einen großen Fundus an Tipps, die im Alltag weiterhelfen können. Online finden sich auch viele Blogger, die sich entschieden haben, nachhaltiger zu leben und von ihren Alltagserfahrungen berichten. Ein Beispiel dafür findet sich unter www.careelite.de.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+