Studie mit Ratten zeigt, wie Mütter ihren Nachwuchs prägen

Ängste werden weitergegeben

Ann Arbor. Traumatisierte Mütter können eigene Ängste an ihren neugeborenen Nachwuchs weitergeben. Dies betonen Jacek Debiec und Regina Marie Sullivan von der University of Michigan in Ann Arbor in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften unter Berufung auf Versuche mit Ratten.
05.08.2014, 00:00
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste

Traumatisierte Mütter können eigene Ängste an ihren neugeborenen Nachwuchs weitergeben. Dies betonen Jacek Debiec und Regina Marie Sullivan von der University of Michigan in Ann Arbor in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften unter Berufung auf Versuche mit Ratten. Bei Versuchen mit diesen Säugetieren gehen Experten davon aus, dass die Erkenntnisse auf den Menschen übertragbar sind. Die Studie könne erklären, wie Ängste auch bei Menschen über Generationen weitergereicht werden könnten, erläutern die Wissenschaftler. Schon der Duft des Angstschweißes der Mutter genüge, um beim Nachwuchs dauerhafte Furcht auszulösen.

Die Ratten machten die Erfahrung, dass ein bestimmter Geruch mit einem unangenehmen Erlebnis verbunden war. Nachdem sie Nachwuchs zur Welt gebracht hatten, gaben sie die Abneigung gegen diesen Geruch an die Jungtiere weiter. Diese zeigten die gleiche Abneigung, obwohl sie selbst keine schlechten Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Geruch gemacht hatten. Ein weiterer Versuch machte deutlich, dass für die Entwicklung einer Abneigung nicht einmal die Anwesenheit der Mutter nötig ist. Es genügte, dass die Forscher den Geruch des mütterlichen Angstschweißes in den Käfig der Neugeborenen leiteten und ihn mit dem Geruch verbanden, der bei den Müttern Furcht ausgelöst hatte.

Hirnuntersuchungen zeigten bei den jungen Ratten eine verstärkte Aktivierung der Amygdala, eines Gebiets, das für die Verarbeitung von Emotionen wichtig ist. Es spielt eine entscheidende Rolle beim Auftreten von Angstgefühlen.

Jacek Debiec ist ein Psychiater, der Kinder und Mütter mit Angststörungen behandelt. Auch Menschen können nach seinen Worten eigene Traumata oder Phobien an den Nachwuchs weiterreichen. „Unsere Studie zeigt, dass kleine Kinder schon sehr früh im Leben von mütterlichen Angstbekundungen lernen können“, sagt der Wissenschaftler. „Bevor sie eigene Erfahrungen sammeln können, eignen sie sich die Erfahrungen ihrer Mütter an.“ Am wichtigsten sei, dass die von der Mutter übertragenen Erinnerungen anders als manche andere Erinnerung langlebig seien.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+