Wandern im Einklang mit den Jahreszeiten

Von Eisheiligen und Siebenschläfern

Unterwegs auf dem Bauernregelweg in Altenmarkt-Zauchensee
11.11.2020, 18:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Eva Keller
Von Eisheiligen und Siebenschläfern

Bei der Wanderung blickt man auch auf kleinen und großen Bärenstaffel sowie auf die Steinfeldspitze.

Altenmark-Zauchensee Tourismus

Altenmarkt. „Die Geranien kommen bei uns erst nach den Eisheiligen auf den Balkon“, sagt Martin Steffner, der den Bauernregelweg vor einigen Jahren initiiert hat. Denn: „Servaz und Sophie müssen vorüber sein, will der Bauer vor Nachtfrost sicher sein.“ Das besagt jedenfalls die Regel zu den Eisheiligen, die oft Mitte Mai noch einmal für einen Temperatursturz sorgen – „ganz egal, wie schön der Mai bis dahin war“, betont der Altenmarkter Bio-Landwirt.

Bereits als Kind hat Steffner die wichtigsten Bauernregeln verinnerlicht und richtet sich auch heute noch nach ihnen. Der 53-Jährige lebt mit seiner Familie auf dem österreichischen Bio-Bauernhof Habersattgut auf dem Schwemmberg, an dem der Bauernregelweg selbstverständlich auch vorbeiführt.

Wenn Schäfchenwolken ziehen

Als Steffner damals die Idee für den Erlebnisweg entwickelte, sollte es eigentlich nur ein kleiner Rundweg für die Gäste seines Hofes werden. Doch Altenmarkt-Zauchensee Tourismus war von der Idee begeistert und baute den Weg gleich auf fünf Kilometer aus.
22 Infotafeln aus Holz und mit liebevoll gestalteten Metallsymbolen eines heimischen Künstlers verziert, führen die Besucher durchs Bauernjahr und vorbei an volkstümlichen Wetterweisheiten. Einige beziehen sich ganz allgemein auf Monate oder Wetterphänomene wie Föhn, Blitz und Donner – so zum Beispiel der Spruch „Wenn Schäfchenwolken am Himmel steh’n, kann man ohne Schirm spazieren geh’n“. Andere lehnen sich an Lostage wie Maria Lichtmess oder dem Siebenschläfer-Tag, die sich am Heiligen-Kalender der christlichen Kirche orientieren.

Was sich reimt, ist wahr?

Die Bauernregeln entstammen einer Zeit, in der es zwar noch keine Meteorologen gab, die Observierung des Wetters dennoch überlebensnotwendig war. Die langfristigen Wetterbeobachtungen und die daraus abgeleitete Prognosen und Verhaltenstipps einmal in humorige Reimform gegossen, waren sie leicht zu merken und zu wiederholen.

Dass die Bauernweisheiten meist einen wahren Kern haben, erfahren Spaziergänger auf der zweieinhalbstündigen Runde durch den Wald, der sich immer wieder lichtet und die Aussicht auf Altenmarkt und Zauchensee freigibt. So verrät etwa die Infotafel über tieffliegende Schwalben, die ja vermeintlich Regenwetter ankündigen, dass der Tiefflug eigentlich ihrem Appetit auf Fliegen zu verdanken ist. Denn diese bleiben bei hoher Luftfeuchtigkeit und starkem Wind – typischen Phänomenen, bevor der Regen einsetzt – näher an der Erde; und die Vögel jagen ihnen lediglich hinterher. Die eigentlichen Wetterindikatoren sind in diesem Fall also die Insekten.

Bei einer Führung auf dem Bauernregelweg erfahren die Teilnehmer auch, welche Kräuter am Wegesrand wachsen.

Bei einer Führung auf dem Bauernregelweg erfahren die Teilnehmer auch, welche Kräuter am Wegesrand wachsen.

Foto: Altenmark-Zauchensee Tourismus

Tieren begegnet der aufmerksame Wanderer auf dem Bauernregelweg sowieso immer wieder. Mal zwitschert ein Vöglein von den Baumwipfeln, mal springt ein flinkes Eichhörnchen von Ast zu Ast. Wer genau hinschaut, entdeckt den lebendigen Mikrokosmos im Wald. Vor allem Kinder freuen sich über Entdeckungen wie Ameisenstraßen oder Schmetterlingskokons. Während große Geschwister und Eltern sich an den Schautafeln informieren oder auch einmal auf einer Waldliege entspannen, erleben die kleinen Waldentdecker ihr grünes Wunder beim Spiel in der Natur.

Urlauber, die noch mehr über Altenmarkt-Zauchensees Natur und Geschichte erfahren wollen, haben die Wahl zwischen verschiedenen, geführten Wanderungen. Angeboten werden die Touren zwischen Juni und September, die Teilnahme ist kostenlos. Dienstags geht’s auf Kräuterspaziergang, mittwochs zur Almwanderung in die Radstädter Tauern.

Ideal für Familien ist neben dem (gelände-)kinderwagentauglichen Mondpfad auch der Bauernregelweg – dank geringer Steigung und abwechslungsreicher Stationen zum Innehalten. Die Jüngsten schauen und staunen in der Babytrage, die Größeren schaffen den Weg ganz allein. Zwischendurch kehren die Wetter-Wanderer auf der Reitlehenalm oder auf dem Habersattgut ein, das mit Streichelzoo und Spielplatz der Kinderfavorit ist.

Von Knecht und Magd

Apropos „Wahrheitsgehalt“: Bei so mancher Bauernregel ist der – allerdings eher erwachsene – Wanderer aufgerufen, selbst darüber zu entscheiden, ob sie stimmt oder nicht. So auch bei der Weisheit, mit der der Erlebnisweg endet: „Fehlt der Knecht am Morgen ständig, ist die Magd nachts zu lebendig.“

Weitere Informationen

Weitere Infos zum Bauernregelweg gibt es bei Altenmarkt-Zauchensee Tourismus, Sportplatzstraße 6, A-5541 Altenmarkt-Zauchensee, telefonisch unter 00 43 / 64 52 / 55 11, per E-Mail unter info@altenmarkt-zauchensee.at sowie im Internet: www.altenmarkt-zauchensee.at.

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