Draht & Esel „Am liebsten wäre ich vor den Alpen rechts abgebogen“

Theodor Röhm ist im Viertel und umzu als „Radelnder Installateur“ bekannt, der wie seine Angestellten auch alle Termine mit dem Rad erledigt.
30.03.2018, 16:55
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
„Am liebsten wäre ich vor den Alpen rechts abgebogen“
Von Nina Willborn
Das erste Mal auf zwei Rädern

Es ist nicht meine erste Erinnerung, aber die eindrücklichste. Ich war vielleicht neun oder zehn Jahre alt und bekam zu Ostern ein Bonanza-Fahrrad geschenkt. Mit Bananensattel und Rückenlehne, hohem Lenker, kleinen Laufrädern, einer Schaltung auf dem mittleren Querrohr zwischen Sattel und Lenker mit so einer Art Joystick zum Schalten und so weiter. Meine Eltern meinten es gut, aber ich war eher enttäuscht, weil ich eigentlich ein ganz normales Fahrrad haben wollte. Mit diesem Schnickschack-Fahrrad fühlte ich mich nie wirklich wohl.

Das aktuelle Fahrrad

Seit 2008 fahre ich ein Tourenrad mit roter Sonderlackierung, Acht-Gang-Shimano-Nexus-Schaltung, Nabendynamo, hydraulischen Bremsen, unplattbaren Reifen und einem unübersehbaren Werbeschild. Mit ihm kann ich auch unsere Packtaschen und Aluboxen transportieren. Mit dem Fahrrad fahre ich im Sommer auch in den Urlaub. Vor zwei Jahren sind wir in Frankreich an der Loire entlanggeradelt. Ich bin stolz drauf, dass ich meine Frau und meinen Sohn zu diesem Urlaub überreden konnte und sie ihn auch genossen haben.

Die schönste Tour

Nach meinem Zivildienst 1986 hatte ich vier Monate Zeit. Die nutzte ich zu einer Fahrradtour ums westliche Mittelmeer. Am 1. April startete ich vom Schwarzwald aus über Frankreich nach Spanien. Per Fähre fuhr ich nach Ceuta, einer spanischen Enklave in Nordafrika, anschließend durch Marokko. Dann flog ich von Rabat nach Tunis. Nach zwei Wochen in Tunesien fuhr ich wieder per Fähre nach Sizilien und von da aus durch Italien über die Alpen nach Hause. Am liebsten wäre ich vor den Alpen rechts abgebogen und weiter in Richtung Asien gefahren.

Die Vorgängermodelle

Vor meinem roten hatte ich ein blaues Tourenrad. Das hatte ich 1994 in Hannover gekauft. Dort habe ich im Jahr 2000 für die Firma auch ein Dreirad mit Anhänger aus Christiania, Kopenhagen, erstanden.

Der letzte Diebstahl

Als ich in Karlsruhe studierte, habe ich mein Fahrrad mal am alten Stadion auf dem Uni-Gelände abgestellt und es erst ein halbes Jahr später zufällig wiedergefunden. Man muss dazu sagen, dass das Stadion zwei Eingänge hat ... Allerdings wurde mir das Fahrrad dann wenig später wirklich geklaut.

Die Lieblingsstrecke

Im Sommer fahre ich gerne die Blocklandrunde, vorbei an der Müllverbrennungsanlage und zurück über den Kuhgraben, manchmal mit Zwischenstopp an einer der Verpflegungsstellen entlang der Wümme. Ich mag die Strecke als Familienausflug, aber auch alleine, um ein bisschen Sport zu machen.

Die am häufigsten gefahrene Strecke

Die Strecke von meiner Wohnung in der Verdener Straße zum Büro und der Werkstatt in der Weberstraße. Ich fahre sie ungefähr zwei- bis dreimal am Tag.

Der ausgefallenste Fahrradschmuck

Das Werbeschild an meinem Fahrrad erregt häufig Interesse. Viele Leute fragen auch nach und ich erkläre, was ich als radelnder Installateur mache.

Der schlimmste Unfall

Mit Fahrrädern hatte ich noch keine schlimmeren Unfälle. In Bremen bin ich mal in die Straßenbahnschienen geraten oder bei Regen ausgerutscht, aber ohne schlimme Folgen. Den schlimmsten Unfall hatte ich mit meinem Kleinkraftrad mit 16. Ich fuhr bei einer der ersten Fahrten auf einer Straße, auf der ich mich nicht gut auskannte, in einer scharfen Kurve geradeaus auf einen Roller. Das Bild habe ich heute noch vor mir: Ich hing an der Leitplanke und sah meinen rechten Ringfinger, der am zweiten Gelenk fast abgerissen war. Ich hatte Glück im Unglück. Ich lag zwei Wochen im Krankenhaus, der Rollerfahrer war praktisch unverletzt.

Tourenradfahrer sind …

... stolz darauf, dass sie alles mit dem eigenen Körper leisten. Sie fahren gerne lange Strecken. Tourenradfahrer sind vielleicht die überzeugtesten Fahrradfahrer, weil sie in Bezug auf den Umweltschutz noch leidenschaftlicher als andere Radfahrer sind.

Ich fahre gerne Fahrrad, weil …

... es mir Spaß macht. Ich komme schnell voran, es ist umweltfreundlich und gesund. Durchs Radfahren sitze ich nicht mehr oder weniger bewegungslos hinterm Steuer oder auf dem Beifahrersitz. Es tut mir eigentlich immer gut, Fahrrad zu fahren, egal ob bei Sonnenschein, Regen, Schnee oder Kälte. Ungemütlich wird’s für mich nur bei starkem Gegenwind.

Fahrradfahren in Bremen ist …

... einfach, weil es viele ausgebaute Fahrradwege und inzwischen auch immer mehr Fahrradstraßen gibt. Es gibt kaum Steigungen, nur ein bisschen mehr Wind als anderswo. Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit der Fahrradfahrsituation. Was es noch nicht gibt, sind gute Routenplaner für Radfahrer in Bremen. Da könnte noch etwas gemacht werden, denn über das vorhandene Kartenmaterial kann man nicht immer die besten Fahrradstrecken herausfinden. Das geht dann nur über die Er-“fahrung“.

Die Fragen stellte Nina Willborn.

Info

Zur Person

Theodor Röhm

stammt aus Wildberg im Schwarzwald. Der 53-Jährige lebt seit 1994 in Bremen. Im Viertel und umzu ist er als „Radelnder Installateur“ bekannt, der wie seine Angestellten auch alle Termine mit dem Rad erledigt. Röhm ist verheiratet und lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in Peterswerder.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+