Was Mikroorganismen mit dem Klima zu tun haben Antje Boetius

Die Lebewesen, die Antje Boetius erforscht, sind so winzig, dass sie mit bloßem Auge nicht erkennbar sind. Für die Stoffkreisläufe auf der Erde spielen Bakterien und andere Mikroorganismen gleichwohl eine zentrale Rolle.
10.03.2017, 00:00
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Antje Boetius
Von Jürgen Wendler

Die Lebewesen, die Antje Boetius erforscht, sind so winzig, dass sie mit bloßem Auge nicht erkennbar sind. Für die Stoffkreisläufe auf der Erde spielen Bakterien und andere Mikroorganismen gleichwohl eine zentrale Rolle. Dies zeigt sich nicht zuletzt beim Klima. Gäbe es in der Atmosphäre der Erde keine Treibhausgase wie den Wasserdampf, das Kohlendioxid oder auch das Methan, die verhindern, dass die Wärme vollständig ins Weltall entweicht, so wäre der Blaue Planet ein eiskalter lebensfeindlicher Ort. Gäbe es andererseits keine Mikroorganismen wie Bakterien und Archaeen, sähe die Zusammensetzung der Atmosphäre völlig anders aus. Archaeen bestehen zwar wie Bakterien aus einer Zelle, unterscheiden sich aber unter anderem aufgrund von Bausteinen in ihren Zellwänden grundlegend von ihnen.

Methan wird unter anderem freigesetzt, wenn Mikroorganismen im Verdauungstrakt von Rindern Nahrung zersetzen oder Überreste von Tieren und Pflanzen in Sumpfgebieten abbauen. Besonders große Mengen an Methan sind im Meeresboden zu finden, oft in Gestalt von Gashydraten, das heißt Verbindungen aus Gas und Wasser. Tief im Ozean gibt es winzige Organismen, die sich von Methan ernähren und so dazu beitragen, dass nicht mehr davon in die Atmosphäre gelangt. Antje Boetius, die nicht nur an der Universität Bremen lehrt, sondern auch zu den Mitarbeitern des Bremer Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie und des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts gehört, hat sich mit ihren Erkenntnissen darüber einen Namen gemacht. Bei den von ihr erforschten Kleinstlebewesen handelt es sich um Archaeen, die mit Bakterien Lebensgemeinschaften bilden. Die Bakterien liefern das Sulfat, das die Archaeen zur Verarbeitung des Methans in der sauerstofffreien Umgebung benötigen. Antje Boetius hat diese Lebensgemeinschaften als Erste nachgewiesen. Zuletzt hat sie sich zum Beispiel mit der Frage befasst, welche Rolle abgesunkene Baumstämme für die Ausbreitung von Lebewesen in der Tiefsee spielen. Die Stämme entpuppten sich dabei als dynamische Ökosysteme. Sie bieten vielen Arten eine Nahrungsgrundlage.

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