Arme Länder besonders belastet

Wirbelstürme, Hochwasser, Hitzewellen, Dürren, Waldbrände oder Winterstürme – extreme Wetterereignisse sind in den vergangenen Jahrzehnten heftiger und häufiger geworden. Taifun „Haiyan“, der Tausende Philippiner das Leben kostete, sei vermutlich nicht nur der stärkste Tropensturm gewesen, der seit Beginn der Beobachtungen auf Land traf, sondern gebe auch einen Ausblick auf die Zukunft, meint Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.
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Arme Länder besonders belastet
Von Jörn Seidel

Wirbelstürme, Hochwasser, Hitzewellen, Dürren, Waldbrände oder Winterstürme – extreme Wetterereignisse sind in den vergangenen Jahrzehnten heftiger und häufiger geworden. Taifun „Haiyan“, der Tausende Philippiner das Leben kostete, sei vermutlich nicht nur der stärkste Tropensturm gewesen, der seit Beginn der Beobachtungen auf Land traf, sondern gebe auch einen Ausblick auf die Zukunft, meint Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Berechnungen ließen eine weitere Verstärkung solch extremer Stürme erwarten.

„Die globale Erwärmung verschlimmert zudem die Folgen: etwa extreme Regenfälle, die ein Tropensturm mit sich bringt und die zu Überschwemmungen und Erdrutschen führen. Denn die Verdunstungsraten und der Wassergehalt der Luft steigen in einem wärmeren Klima an“, sagt der Forscher. Hinzu kämen mehr Sturmfluten an den Küsten, weil der Meeresspiegel infolge der globalen Erwärmung steige.

Die Weltorganisation für Meteorologie der Vereinten Nationen schreibt in ihrem in der vergangenen Woche veröffentlichten Bericht über das Klima im Jahr 2013, dass der globale Meeresspiegel einen neuen Rekordwert erreicht hat. Zurzeit steige er jährlich doppelt so stark wie noch im 20. Jahrhundert. Gleichzeitig erlitten in diesem Jahr große Gebiete Indiens, Pakistans und Chinas überdurchschnittliche Niederschläge. Die Monsunzeit begann besonders früh und führte in der Region der indisch-nepalesischen Grenze zu den schlimmsten Überschwemmungen und Verwüstungen der vergangenen fünf Dekaden. Andernorts litten Menschen unter extremer Dürre, wie etwa in Neuseeland, im Nordosten Brasiliens sowie im Süden und Westen der USA. Angola und Namibia wurden von einer der verheerendsten Trockenzeiten der vergangenen 30 Jahre erfasst.

Die diesjährigen Überschwemmungen in Deutschland, Polen, Tschechien, Österreich und der Schweiz waren laut des UNBerichts so heftig und ausgedehnt wie seit mindestens 1950 nicht mehr. Das nächste Hochwasser wird bereits erwartet: Eine Studie, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung in Auftrag gab, kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Schäden durch Flussüberschwemmungen und Sturzfluten bis Ende des Jahrhunderts verdoppeln oder sogar verdreifachen werden. Dies gelte für alle untersuchten Flussläufe an Elbe, Donau, Rhein, Ems und Weser. Im Osten der Republik rechnen die Forscher zudem mit heftigeren Sommergewittern; im Westen, darunter Teile Niedersachsens, erwarten sie stärkere Winterstürme.

Wetterkatastrophen werden zwar überall auf der Welt zunehmen. Leidtragende seien aber vor allem arme Länder. Darauf weist die Bonner Umweltorganisation Germanwatch in ihrem kürzlich veröffentlichten „Globalen Klimarisiko-Index 2014“ hin, der auf Daten des Rückversicherers Munich Re basiert. „Zwar erleiden Industriestaaten, allen voran die USA, durch Wetterextreme große ökonomische Schäden. Misst man die Verluste jedoch am Bruttoinlandsprodukt und die Todesopfer an der Bevölkerungszahl, trifft es arme Entwicklungsländer besonders hart – und das, obwohl sie für den Klimawandel am wenigsten verantwortlich sind“, sagt Sönke Kreft. Der aus dem Landkreis Osterholz stammende Koautor des Berichts befindet sich zurzeit in Warschau, um die UN-Klimakonferenz zu begleiten. Seine Forderung: Die Staaten sollten das Ziel, die für die Erderwärmung verantwortlichen Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent zu reduzieren, nicht aus dem Blick verlieren.

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