Spielerisches Verhalten bereitet auf den Ernst des Lebens vor Auch Tiere haben Spaß

Berlin. Nahrung und Schlaf sind lebensnotwendig. Wichtig scheint aber auch Spaß zu sein, wie eine Sonderausgabe des Fachjournals „Current Biology“ deutlich macht.
13.01.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von ANNETT STEIN

Nahrung und Schlaf sind lebensnotwendig. Wichtig scheint aber auch Spaß zu sein, wie eine Sonderausgabe des Fachjournals „Current Biology“ deutlich macht. Wohl am besten bekannt sei die Spielfreude von Hunden, schreibt Chefredakteur Geoffrey North. Amüsieren könnten sich jedoch auch sehr viel einfachere Lebewesen. Spaß und Spiel ermöglichten es Tieren, in relativer Sicherheit Fähigkeiten zu erwerben und verbessern, erklärt Richard Byrne von der Universität St Andrews. Für junge Steinböcke sei es zwar riskant, aus Spaß über steile Berghänge zu toben – für die spätere Flucht vor Räubern aber sei dies eine gute Schule.

Auch für das soziale Miteinander sind Spiel und Spaß wichtig. Wenn junge männliche Paviane raufen, trainieren sie zugleich für den Kampf um sozialen Status in der Gruppe. Weiblicher Nachwuchs hingegen spielt lieber mit dem Nachwuchs hochrangiger Weibchen, der zum idealen – weil ebenfalls hochrangigen – Verbündeten heranwächst.

Zumindest beim Menschen spielt ein weiterer Faktor eine Rolle: die Kreativität. Das Spielen aus Spaß erweitere das mentale Repertoire und ermögliche Konzepte und Verknüpfungen, die es unter realen Bedingungen nicht gebe, erklärt Byrne. Eine wichtige Voraussetzung dafür, etwas lustig zu finden, sei in vielen Fällen, sich in andere hineinversetzen zu können. Dies gelte beim Erzählen eines Witzes, aber auch bei Neckereien. Paviane seien zum Beispiel dabei beobachtet worden, wie sie Kühe ärgerten, indem sie an ihren Schwänzen zögen. „Necken macht uns Spaß, weil wir erfassen, wie sich das Opfer fühlt.“ Auch junge Elefanten foppen nach den Worten des Wissenschaftlers gern andere Tiere wie Schakale, Gnus oder auch Reiher.

Als wahre Frohnaturen würden vom Menschen oft Delfine empfunden, in deren Gesicht ein ewiges – von den Tieren unbeeinflusstes – Lächeln stehe, schreibt Vincent Janik von der Universität St Andrews in seinem Beitrag. Auch die Schwimmsprints und Luftsprünge von Delfinen sähen nach viel Spaß aus. Tatsächlich aber finde häufig ein ernster Kampf statt. Der Sprung beim Sprint diene dann dem schnellen Luftholen oder manchmal auch dazu, dem Gegner einen Schlag mit der Fluke zu verpassen. Bei anderen Verhaltensweisen könne es sich eher um Spiel handeln, so etwa beim Surfen auf den Bugwellen vorbeifahrender Schiffe. Denkbar seien aber auch andere Erklärungen – etwa die Selbstdarstellung als fitter Geschlechtspartner, erläutert Janik.

Spielspaß sei lange nur intelligenten Säugetieren wie Affen, Hunden, Elefanten, Ottern oder Bären und einigen Vögeln wie Papageien und Krähen zugeschrieben worden, erklärt Gordon Burghardt von der University of Tennessee in Knoxville. Spielerisch wirke aber auch das Verhalten von Fischen, zum Beispiel beim Überspringen von Hindernissen und beim Schlagen gegen einen Ball. Auch bei Fröschen sei ein als Spiel zu deutendes Verhalten beobachtet worden, schreibt Burghardt. Die sozial lebenden Goldbaumsteiger (Dendrobates auratus) lieferten sich gern – und offensichtlich zweckfrei – kurze Kämpfe. Andere Frösche seien dabei beobachtet worden, wie sie auf den ausströmenden Luftblasen am Boden ihres Aquariums geritten seien.

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