Telekommunikation Apps fürs Auto - und das Telefon wird zum Kopiloten

Hamburg (dpa/tmn) - Es gibt noch Menschen, die denken bei einem Handy vor allem ans Telefonieren. Aktuelle Smartphones allerdings bieten mit den kurz «Apps» genannten Zusatzprogrammen aber weit mehr Möglichkeiten - und die werden zunehmend auch für Autofahrer interessant.
20.07.2010, 10:03
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Hamburg (dpa/tmn) - Es gibt noch Menschen, die denken bei einem Handy vor allem ans Telefonieren. Aktuelle Smartphones allerdings bieten mit den kurz «Apps» genannten Zusatzprogrammen aber weit mehr Möglichkeiten - und die werden zunehmend auch für Autofahrer interessant.

Die Geräte - von Apples iPhone bis zum Blackberry - mausern sich beispielsweise zum begehrten Kopiloten. Denn zu der Unmenge verfügbarer Applikationen für derartige Geräte zählen nicht nur Werbefilmchen oder kleine Computerspiele. Es gibt außerdem tausende praktischer Dienstprogramme, die das Autofahren entspannter, unterhaltsamer und zum Teil sogar sicherer machen.

Eine der umfangreichsten automobilen Rubriken ist die Navigation. Denn der Bildschirm der meist mit eigenem GPS-Sensor bestückten Telefone eignet sich auch für Kartendarstellungen. Entsprechende Programme mit kompletter Datenbank gibt es für weniger als 100 Euro. Und wer nur bestimmte Routen benötigt und auch nur dafür zahlen will, kann die nötige Basis-Software teilweise umsonst herunterladen.

Die Navigation kann auch zu Sonderzielen führen: So hat die 1a-Vereinigung von Werkstätten ein spezielles App entwickelt, das bei einer Panne den Weg zu einem der rund 1500 Mitgliedsbetriebe in Deutschland oder Österreich weist. «Dieser Werkstattfinder zeigt nicht nur Namen und Adressen an», sagt Pressesprecher André Preiß in Hamburg. »Der Autofahrer kann sich zudem ans Ziel navigieren lassen und mit einem Fingertipp eine Telefonverbindung aufbauen, um seine Ankunft anzukündigen.»

Eine interessante Ergänzung gibt es beim Navigationsprogramm «ADAC Maps». Denn der Automobilclub hat nach eigenen Angaben auch eine Verkehrsfluss-Anzeige integriert, in die anonymisierte Daten von derzeit rund 60 000 Berufsfahrern einfließen. Ebenfalls Informationen zu Staus und Behinderungen findet man kostenlos bei «Trafficdroyd», das kostenlos auf sogenannte Android-Handys geladen werden kann.

Viel Unterstützung auf den Telefonen gibt es für notorische Schnellfahrer: Programme wie das kostenlose «RadAlert» von Autovermieter Sixt für das iPhone oder «Trapster» für Android-Geräte informieren über alle Blitzampeln und Radarfallen, die von den Nutzern gemeldet werden. Wer trotzdem hineinrauscht, kann auf kostenlosen Bußgeldrechnern schon mal die Strafe kalkulieren oder sich auf die entsprechenden Punkte vorbereiten.

Außerdem lassen sich mit einer virtuellen Parkscheibe auf dem Display Strafzettel umgehen - wenn das Telefon tatsächlich im Auto bleibt. Und wer künftig Fehler vermeiden will, der greift zu einer Reihe von Trainingsprogrammen, mit denen die Verkehrsregeln gepaukt und die Führerscheinprüfung vorbereitet werden können.

Auch wenn es zum Unfall kommt, können Apps nützlich sein: So bieten manche Programme wichtige Ratschläge für die Erste Hilfe, andere unterstützen bei der Aufnahme des Schadens und wieder andere organisieren den Austausch der Versicherungsdaten.

Noch enger am Auto sind Apps wie das «Power Meter» der BMW M GmbH oder das «V-Cockpit GPS», die als Erweiterung des Bordcomputers Zusatzinformationen anzeigen. So ermitteln sie zum Beispiel mit Hilfe des GPS-Senders im Gerät die exakte Geschwindigkeit, erstellen Strecken- und Höhenprofile oder stoppen Zwischenzeiten.

Dient das Telefon bei diesen Anwendungen nur als Ergänzung zum Auto, wird Apples iPhone bei Smart erstmals sogar zum Teil des Fahrzeugs, erklärt Daimler-Entwickler Christopher Carde: Wer für 240 Euro plus Montage eine entsprechende Halterung einbauen lässt und dann für 9,99 Euro die Applikation herunterlädt, hat damit nicht nur eine Freisprechanlage und Zugriff auf seine Musikdatenbank. Das Telefon fungiert dann auch als Navigationssystem und hilft dem Smart-Fahrer mit der Speicherung der letzten Position, überall seinen geparkten Wagen wieder zu finden. Für die Großserienhersteller mit ihrem vergleichsweise langen Entwicklungsvorlauf mag das bereits eine reife Leistung sein. Doch die Studenten an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim haben noch ganz andere Pläne: Wo andere Autos noch ein Lenkrad haben, steuern sie ihr Forschungsauto «Elmar» kurzerhand mit dem Telefon.

Grundsätzlich sollte übrigens niemand Apps bedenkenlos während der Fahrt nutzen. «Für den Einsatz des Handys im Auto gilt eine eiserne Regel: Nur mit der richtigen Halterung und Freisprecheinrichtung, sonst ist die Verkehrssicherheit gefährdet», mahnt Hans-Georg Marmit von der Sachverständigen-Organisation KÜS in Losheim am See. Der Experte rät zu einem kurzen Stopp am Straßenrand, wenn es um die Nutzung umfangreicherer Informationen geht, die ablenken könnten.

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