Conti-Umfrage Autonutzung bleibt hoch, aber Sorgen um Kosten wachsen

Gerade schien die E-Mobilität durchzustarten. Doch die Inflation verunsichert Autofahrer jetzt wieder - bei fossilen wie elektrischen Antrieben. Was sagt die jüngste Mobilitätsumfrage von Continental zur Gesamtbedeutung des eigenen Fahrzeugs nach der Pandemie?
28.06.2022, 14:03
Lesedauer: 3 Min
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Von dpa

Der Zugriff aufs private Auto bleibt für viele Verbraucher laut einer Analyse des Zulieferers Continental auch nach der Corona-Zeit wichtig - gleichzeitig nehmen die Sorgen zu, sich individuelle Mobilität nicht mehr leisten zu können.

Ursache sind vor allem die gestiegenen Energiekosten. „Vor dem Hintergrund der hohen Preise für Strom, Benzin und Dieselkraftstoff hat für eine knappe Mehrheit der Menschen in Deutschland eine umweltfreundliche Mobilität derzeit keine Priorität“, hieß es zu den Ergebnissen.

Spritpreis von 2,80 Euro für viele nicht mehr bezahlbar

44 Prozent der in der Bundesrepublik Befragten nähmen jedoch auch an, dass „die Zukunft der Mobilität elektrisch sein werde“. Klimaschützer befürchten, das Bewusstsein für den Wechsel auf CO2-arme Technologien könne durch die Folgen des Ukraine-Kriegs ins Abseits gedrängt werden. Für über die Hälfte der Umfrageteilnehmer hierzulande sei ein Spritpreis von 2,80 Euro pro Liter die äußerste Grenze dessen, was noch bezahlbar sei, erklärte Continental. Ab dann seien die Kosten des Autofahrens für viele Menschen generell nicht mehr zu tragen.

Die Anschaffung eines E-Autos sehen 43 Prozent skeptisch. Betrachtet man alle Befragten der Mobilitätsstudie auch in den USA, Frankreich, Norwegen, China und Japan, so geben 62 Prozent an, sich bald wohl noch kein Elektrofahrzeug kaufen zu können. Eine Mehrheit fordert, dass der Staat klimafreundliche Autos stärker fördern muss - parallel dazu jedoch ebenso auf die allgemeine Bezahlbarkeit von Mobilität achtet. Für 73 Prozent ist Letzteres ein zunehmend wichtiges Thema.

Damit zeigt sich ein Dilemma zwischen prinzipieller Bereitschaft zum Umstieg und den finanziellen Möglichkeiten - die Entwicklung der Rohstoffpreise verschärft dies. „Jedem ist klar, dass Transformation im Mobilitätsverhalten gewollt ist“, sagte Conti-Nachhaltigkeitschef Steffen Schwartz-Höfler. Die Bedenken in puncto Finanzierbarkeit seien oft allerdings groß. „Diese Angst muss ernstgenommen werden.“

Mehrheit wünscht sich Förderung umweltfreundlicher Mobilität

Aus der Umfrage geht hervor, dass viele Autofahrer weiter staatliche Unterstützung erwarten, um alternative Antriebe attraktiver zu machen. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hatte kürzlich eine Debatte darüber angestoßen, ob man Kaufprämien auch für reine Stromer abschaffen solle. Über drei Viertel (77 Prozent) äußerten die Ansicht, der Staat müsse sicherstellen, dass „eine umweltfreundliche Mobilität günstiger im Vergleich zu umweltschädlichen Konzepten wird“.

Conti-Technikchef Gilles Mabire sagte, die Autoindustrie müsse darauf achtgeben, durch neue Vernetzungs- oder Assistenztechnologien die Fahrzeuge nicht über Gebühr zu verteuern: „Lösungen zum richtigen Preis sind wichtig.“ Bei manchen Zulieferteilen bleibe die aktuelle Lage vorerst angespannt.

Laut den Umfragedaten sind die meisten Menschen nicht bereit, für Recycling-Material oder mit erneuerbaren Energien hergestellte Kraftstoffe zusätzliches Geld auszugeben. „Die Studien geben uns wieder, dass Umweltverträglichkeit aktuell nicht im Fokus ist, weil das Thema Bezahlbarkeit dies überlagert“, erklärte Schwartz-Höfler.

Privates Auto nach wie vor gefragt

Grundsätzlich spielt der private Wagen in zahlreichen Haushalten indes auch nach der Corona-Krise eine zentrale Rolle. In den akuten Pandemiephasen sei das Auto als „Schutzraum und Rückzugsort“ gesehen worden, sagte der Conti-Manager. 84 Prozent der Befragten wollten das eigene Fahrzeug unverändert oft, 60 Prozent öfter als bisher nutzen.

In Deutschland sagten 70 Prozent, lieber solo oder nur mit Bekannten unterwegs zu sein - mehr noch als in den USA (69 Prozent), aber klar weniger als in Japan (91 Prozent). Den öffentlichen Nahverkehr nutzen nur 22 Prozent der deutschen Befragten mindestens ein Mal pro Woche, unter den betrachteten Ländern ist der Wert nur in den USA geringer (12 Prozent). Vielerorts steigt auch die Nutzung von Fahrrädern.

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