Vorstellung VW T7 Multivan

Mehr Van, weniger Bulli

Die Fangemeinde des VW Bulli ist groß, wird sich aber künftig in zwei Lager teilen: Denn der neue T7 ist nur noch als Großraumlimousine für Freizeit und Familie gedacht. Handwerk und Gewerbe fahren weiter T6.1.
25.09.2021, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter Löschinger/tmn

Volkswagen schickt den Bulli in die siebte Generation – und feiert mit der Premiere zugleich auch Abschied. Nach mehr als 70 Jahren, die seit der Geburtsstunde des legendären Urmodells T1 vergangen sind, verabschiedet sich die Neuauflage vom Einsatz für Handel, Handwerk und Gewerbe. Denn als Lastesel ist der T7 überhaupt nicht mehr vorgesehen – wenn der Neue Mitte November zu den Händlern kommt, richtet er sich als Großraumlimousine Multivan mit verfeinertem Fahrwerk und verbesserter Ausstattung vorrangig an Privatkunden.

Es ist eine durchaus unerwartete Entscheidung, die VW Nutzfahrzeuge (VWN), als eigene Unternehmenssparte zuständig auch für den VW Bus, damit getroffen hat – aber keine wahnwitzige. Denn Gewerbetreibende und Menschen mit viel Platzbedarf werden zwar nicht mit dem T7, aber weiterhin bedient. Für sie wird noch für mindestens drei Jahre der als T6.1 geführte Vorgänger im Programm behalten. Den gibt es als Kastenwagen (Transporter), Personentransporter (Caravelle) sowie als Multivan mit Allradantrieb; zudem wechselt der Campingbus California erst etwa 2024 aufs neue Modell. Dann nämlich bekommt auch der Transporter einen eigenen Nachfolger.

Wer aber den VW Bus im Sinne eines Großraum-Pkw für Freizeit und Familie meint, der bekommt nun den T7 genannten Multivan.

Sein Preis steigt zwar auf mindestens 44.839 Euro. Doch aufgrund der deutlich erweiterten Ausstattung sei der Neue unter dem Strich mehr als zehn Prozent günstiger geworden, rechnet Carsten Intra, Chef von VW Nutzfahrzeuge, gegen.

Und: In der neuen Auflage wird der Multivan zudem noch einmal eine Nummer größer: Als Langversion von 5,17 Metern oder kurz mit 4,97 Metern angeboten, wächst der Radstand um zwölf Zentimeter auf 3,12  Meter. In der Breite legt er um knapp vier Zentimeter zu. Und obwohl die Höhe unter 1,90 Meter schrumpft, bietet er unter dem Strich innen mehr Raum für Passagiere und Gepäck. So beträgt das Kofferraumvolumen 469 Liter bei normaler Bestuhlung – bis hin zu gigantischen 4053 Litern Maximum.

Innen, so verspricht es der Hersteller, wird der Multivan variabler: Die Einzelsitze – schon immer ziemliche Brocken – werden 25 Prozent leichter und lassen sich in neuen Schienen einfacher ausbauen oder drehen. Außerdem wird aus dem, was zuvor mit der schnöden Bezeichnung Klapptisch auskommen musste, nun ein, Achtung, „Multi Tool″. Großspuriger Name hin oder her – es kann über die gesamte Längsachse des Fahrzeugs verschoben und als Tisch oder Mittelablage genutzt werden.

Die Basis für den Multivan ist nunmehr der Modulare Querbaukasten (MQB), auf dem der VW-Konzern auch so kompakte Modelle wie den VW Golf oder Audi A3 aufbaut. Das ermöglicht neben einem neuen Niveau an Fahrkomfort vor allem eine stark modernisierte Ausstattung für Assistenz und Anzeigen, so Intra. Das Cockpit ist künftig digital, das Infotainment online, das Smartphone wird kabellos integriert und vom Head-up-Display bis zur automatischen Abstandsregelung mit Lenkeingriff gibt es alle Fahrhilfen, die auch aus dem Pkw-Programm bekannt sind.

Die Antriebe sind ebenfalls neu – und nicht zuletzt wegen eines reduzierten Luftwiderstands und 200 Kilo weniger Gewicht sollen sie im Mittel einen Liter sparsamer als früher sein. Los geht es zunächst mit zwei Benzinern mit 100  kW/136  PS oder 150  kW/204  PS. Im Frühjahr 2022 folgt ein erster Selbstzünder mit 110 kW/150  PS – einen stärkeren Diesel wird es laut Hersteller wohl erst in fünf Jahren geben.

Die – nach WLTP-Messverfahren – sparsamste Modellvariante wird aber der erste Plug-in-Hybrid im Multivan. Die Kombination aus einem 1,4 Liter großen Benziner und einer E-Maschine kommt auf 160  kW/218  PS Systemleistung und erreicht einen Normverbrauch von rund 1,7  Litern. Später wird es auch eine stärkere Version geben, die mit elektrifizierter Hinterachse dann auch Allradantrieb bietet – ein konventionelles 4Motion-System der Verbrennervarianten ist beim T7 nicht mehr geplant.

Als Plug-in fährt der Multivan mit seiner 13 kWh großen Batterie bis zu 50 Kilometer rein elektrisch, doch ist das nur der erste Schritt, den die neue Bulli-Familie in Richtung E-Mobilität macht, unterstreicht VWN-Chef Intra. Denn als dritter Ableger nach dem weitergebauten T6.1 und dem neuen T7 läuft sich bereits der ID Buzz warm, der ausschließlich mit E-Motor unterwegs sein wird.

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