Vorstellung: BMW CE 04 Der ist ja E ganz anders

Wer elektrisch unterwegs sein will, dabei aber einen Großroller statt ein Auto sucht – der landet zwangsläufig beim BMW CE 04. Der ist nicht nur wegen seines futuristischen Designs eine ziemlich coole Sache.
19.02.2022, 06:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Ralf Bielefeldt/AMPNET

Schüchterne Menschen sollten lieber einen großen Bogen um den BMW CE 04 machen. Denn dieser extravagante Maxiscooter zieht die Blicke auf sich wie ein Magnet und löst bei Passanten stets dieselbe Reaktion aus: So geht E-Mobilität also auch? Wow. Handy raus, Foto machen.

BMW-Designchef Edgar Heinrich überrascht die Aufmerksamkeit, die der Großroller einfängt, so gar nicht. Denn die kühne Formgebung – 2017 als BMW Concept Link erstmals vorgestellt – sorgte auch hausintern für einige Diskussionen. „Durch den Wegfall der Verbrennungstechnik ist ganz viel möglich – so viel Freiraum beim Design, wie ihn die E-Mobilität bietet, hatten wir die letzten 50, 60 Jahre nicht. Das kann man mögen oder auch nicht“, sagt er.

Fest steht: Traditionelle Formen und Funktionen haben sich hier überlebt. Eine sehr flache, scheinbar schwebende Sitzbank, ein seitlich aufklappendes Staufach, ein frei stehendes Hinterrad, kein Durchstieg hinter dem Beinschild – das bricht mit nahezu allen Roller-Konventionen.

Der Radstand misst 1675 Millimeter, 30 Zentimeter mehr als etwa bei der Vespa GT  300 und gut acht Zentimeter mehr als beim Vorgänger BMW C  Evolution. Flach, lang und schmal steht der CE 04 auf der Straße. Wettbewerber kennt er genau genommen gar nicht: Noch ist BMW der einzige Hersteller mit so einem elektrischen Maxiscooter. Der japanische Konkurrent Yamaha will das demnächst ändern.

Aber nun los. Gestartet wird per Keyless-System, der Fahrzeugschlüssel kann in der Jackentasche bleiben. Auf Tastendruck erwacht das Splitscreen-fähige TFT-Display (10,25 Zoll) zum Leben – rechts kann man sich die Routenführung anzeigen lassen oder allerlei Fahrtinfos, links Geschwindigkeit und Energiefluss. Zentrales Bedienelement ist der Multi-Controller links am Lenker. BMW-Fahrer kennen das Dreh-Gedrücke durchs Menü – Neukunden werden wenig Mühe haben, das Funktionsprinzip zu begreifen.

Zum Starten muss der linke Handbremshebel gezogen werden, nur dann sorgt der Startschieber rechts dafür, dass im Display das Zauberwort „Ready“ grün aufleuchtet. Und dann: kein Kuppeln, kein Schalten, einfach und nahezu lautlos ab durch die Mitte mit Riemenantrieb.

2,6  Sekunden vergehen von null bis auf Stadttempo 50 km/h, die 100er-Marke ist nach 9,1  Sekunden erreicht, maximal sind 120  km/h drin. Die Fahrleistungen sind knackig für ein urbanes E-Vehikel – vor allem im aufpreispflichtigen Dynamic-Modus katapultiert einen der CE  04 derart vorwärts, dass einem ständig ein „Huuiii“ über die Lippen kommt. Muntere Spurwechsel mag das schmale Gefährt sehr; der lange Radstand macht es zum handlichen Gleiter.

Drei Fahrmodi gehören zur Serienausstattung: Rain, Road und Eco. Letzterer rekuperiert besonders stark und macht das Bremsen nahezu überflüssig; E-Autofahrer kennen das als One-Pedal-Driving. Je nach Modus variiert die Reichweite der 8,9 kWh großen Batterie: Bis zu 130 Kilometer sollen möglich sein. Tatsächlich bot unser CE  04 nach 65 beherzt gefahrenen Kilometern noch 54  Kilometer Restreichweite. Wer viel nachts fährt, sollte über das Dynamik-Paket (380 Euro) nachdenken: Es beinhaltet neben dem vierten Fahrmodus und Kurven-ABS auch adaptives Kurven- und ein spezielles Tagfahrlicht. In das nach rechts öffnende Staufach passt ein Jet- oder Visorhelm, für einen Integralhelm ist die Öffnung aber zu klein.

Alternativ zur offenen Version mit maximal 31 kW (42 PS) gibt es den CE 04 auch als leistungsreduzierten L3e-Leichtkraftroller mit kleinerem Akku und 11 kW (15 PS) Nenndauerleistung – dafür reicht dann Führerscheinklasse A1.

Der flache Hochvoltspeicher aus BMW-eigener Fertigung befindet sich – analog zu den meisten E-Autos – unten im Fahrzeugboden, vom tiefen Schwerpunkt profitiert das Handling des Großrollers. Knapp viereinhalb Stunden dauert die vollständige Ladung per Haushaltssteckdose. Kommt das optionale Schnellladegerät (850 Euro) mit 6,9 kW statt 2,3 KW Ladeleistung ins Spiel, dauert es an der entsprechenden Stromquelle gute 50 Minuten, bis der Akku von 20 auf 80 Prozent gefüllt ist.

In diesen Wochen stromert der CE  04 zu den Händlern, bei 11.990  Euro geht es los. Der Vorgänger war gut 3000 Euro teurer und wog 44 Kilogramm mehr. Die E-Mobilität macht Fortschritte – auch auf zwei Rädern.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+