Familienauto aus Frankreich

Charmante SUV-Alternative: Der neue Renault Kangoo im Test

Es muss nicht immer ein SUV sein: Während bei Renault selbst Vans wie Scenic oder Espace mittlerweile aussehen wie Geländewagen, gibt der neue Kangoo den charmanten Familienfreund ohne Allüren - und bietet stattdessen mehr Entspannung.
04.08.2021, 04:11
Lesedauer: 3 Min
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Von dpa

Berlin (dpa-infocom) - Die Zulassungszahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Das SUV ist des Deutschen Liebling. Denn nirgendwo, so scheint es, sind Kinder, Hunde und Gepäck besser aufgehoben als in dieser Fahrzeuggattung. Doch wenn Renault jetzt zu Preisen ab 23.800 Euro den neuen Kangoo verkauft, beweisen die Franzosen, dass es auch ohne SUV geht.

Denn der für den Einsatz an der Familienfront optimierte Kastenwagen bietet bei einer ähnlich erhöhten Sitzposition nicht nur mehr Platz, ein höheres Maß an Variabilität und dank seiner riesigen Schiebetüren den leichteren Einstieg. Sondern anders als einem Geländewagen schlägt ihm auch keine pauschale Klimakritik entgegen. Stattdessen gibt es angesichts des charmanten Designs viel eher mal ein Lächeln.

Immer noch praktisch, aber nicht mehr quadratisch

Für seine Rolle als smarte SUV-Alternative hat Renault den Kangoo in der dritten Generation weiter aufgewertet. Das Nutzfahrzeug steht nun auf einer neuen Plattform, die großzügige Platzverhältnisse schafft. Denn der Kangoo geht um fast 20 Zentimeter in die Länge und wächst in der Breite um zehn Zentimeter. So stehen am Ende 4,49 und 1,92 Meter im Datenblatt. Allerdings ist der Kangoo kein glatter Kasten mehr, sondern erlaubt sich zarte Kurven im Blech und etwas abgeflachte Konturen, was ihn wiederum ein paar Liter Stauraum kostet.

Nicht nur außen nimmt der Kangoo Abschied von der Nüchternheit. Auch innen macht er jetzt etwas her. Wer das gehobene Ausstattungspaket wählt, der schaut auf schmuckes Holzimitat und fasst an Schalter mit einem feinen Chrom-Rähmchen. Dazu gibt es jede Menge neue Technik - von der Touchscreen-Navigation mit Online-Anbindung über LED-Scheinwerfer, einen Autobahn- und Stauassistenten bis hin zu einer Spurverlassenswarnung, die aktiv ins Lenkrad eingreift. Nur die manuelle Handbremse wirkt da ein bisschen antiquiert.

Mit einem kleinen Dank an Daimler

Dass der Wagen so solide auftritt, liegt aber nicht allein am gestiegenen Anspruch der Franzosen. Mitverantwortlich ist auch ein prominenter Partner, der sich diesmal bereits in die Entwicklung eingemischt hat. Denn mit ein paar Monaten Zeitversatz wird es den Kangoo auch wieder bei Mercedes geben. Und zwar diesmal nicht nur als Citan für gewerbliche Kunden, sondern auch als T-Klasse für die Pkw-Fraktion.

Zwar probt der Kangoo bei Abmessungen und Ambiente den Aufstieg, aber in einem Punkt bleibt sich der Kastenwagen treu: Er gibt auch weiterhin den Praktiker, der allen Transportaufgaben gewachsen ist. Im Großen erfüllt er diesen Zweck mit einem Kofferraum von 519 bis 2031 Litern, einer besonders leicht umklappbaren Rückbank, Türen, die mehr als 90 Grad weit öffnen, und einer Dachreling, die in zwei Handgriffen zum Dachträger wird. Und im Kleinen mit über einem Dutzend Ablagen von der riesigen Schublade anstelle des Handschuhfachs über das Hochregal hinter der Frontscheibe bis zur Klappe über dem Lenkrad.

Unter der Haube muss die Zukunft noch warten

Unter der Haube geht es zunächst noch vergleichsweise konventionell zu: Es gibt lediglich einen Vierzylinder-Benziner mit 1,3 Litern Hubraum und 75 kW/102 PS oder 96 kW/130 PS und einen 1,5 Liter großen Diesel mit 70 kW/95 PS. Damit erreicht der Kangoo Geschwindigkeiten bis 183 km/h und kommt auf Verbrauchswerte von 4,9 Litern Diesel bis 6,5 Litern Benzin, das entspricht einem CO2-Ausstoß von 128 bis 148 g/km. Schnell und sportlich ist man damit zwar nicht unterwegs, aber komfortable und entspannt. Denn das Fahrwerk ist ausgewogen, die Lenkung soft, aber präzise, und vor allem das Geräuschniveau wurde deutlich gesenkt. Später nimmt der Kangoo dann doch noch Kurs auf die Zukunft: Zwar gibt es weder Mild- noch Plug-in-Hybrid, doch binnen Jahresfrist kommt eine Akku-Version mit rund 250 Kilometern Reichweite.

Fazit: Es muss nicht immer ein SUV sein

Renault beweist mit dem Kangoo eindrucksvoll, dass es nicht immer ein SUV sein muss, wenn man ein praktisches Familienauto sucht. Denn der deutlich aufgewertete Kastenwagen ist mindestens genauso geräumig und zudem variabler. Und was ihm an Dynamik fehlt, das macht er mit seinem Charme wieder wett. Von den niedrigeren Kosten bei Anschaffung und Unterhalt ganz zu schweigen.

Datenblatt: Renault Kangoo TCe 130

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

© dpa-infocom, dpa:210616-99-15686/17

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