Verkehrsrecht Ersatzteil-Engpass: Entschädigung bei langem Nutzungsausfall

Kommt das Auto nach einem unverschuldeten Unfall in die Werkstatt, kann für diese Zeit eine Entschädigung für den Nutzungsausfall fällig werden. Und was ist, wenn sich die Reparatur hinzieht?
08.12.2022, 17:08
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Von dpa

Jemand fährt einem ins Auto, das muss zur Reparatur in die Werkstatt: Solange kann man es nicht fahren und für den Zeitraum kann man Anspruch auf eine Entschädigung für den sogenannten Nutzungsausfall haben.

Das gilt auch, wenn die Reparatur länger dauert: Etwaige Verzögerungen bei der Ersatzteilbeschaffung dürfen nicht zu Lasten des Geschädigten gehen. Auch ein ersatzweise zur Verfügung stehendes Auto aus dem Familienkreis ändert nichts an dem Anspruch.

Das zeigt ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf, auf das die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) hinweist (Az.: I-1 U 77/20).

Ein Lieferengpass verzögert die Reparatur

Der Fall: Nach einem Unfall kam das Auto zur Reparatur in eine Werkstatt. Allerdings verzögerten Lieferschwierigkeiten bei einem Airbag-Modul die Arbeiten stark.

Die Versicherung des Unfallverursachers wollte nur 31 Tage Entschädigung für den Nutzungsausfall zahlen. Dabei argumentierte sie auch, dass der Geschädigte das Auto seines Sohnes nutzen konnte. Der Mann wollte aber für die gesamten 104 Tage entschädigt werden, in denen das Auto in der Werkstatt war - und zog vor Gericht. Mit Erfolg. Das Gericht sprach ihm die volle Entschädigung zu.

Geschädigter hatte alle Argumente auf seiner Seite

Die Begründung: Tauchen Verzögerungen auf, können diese nicht zum Nachteil des Geschädigten gehen. Ebenfalls besteht für diesen keine Pflicht, selbst bei anderen Werkstätten oder beim Autohersteller nach der Verfügbarkeit der Ersatzteile zu forschen. Er darf sich demnach darauf verlassen, dass die Werkstatt die Teile zeitnah beschafft.

Mit einer Teilreparatur müsse sich der Mann auch nicht zufrieden geben. Unerheblich ist, dass er das Auto eines Familienmitgliedes hätte nutzen können. Das wertete das Gericht als freiwillige Leistung eines Dritten, die den Schädiger nicht entlaste.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+