Fahrbericht: Kia Sorento Hybrid

Schlauer Riese

Es ist schon ein wuchtiges Teil, das Kia an der Spitze seines SUV-Segments platziert hat. Doch der im vergangenen Jahr neu aufgelegte Sorento ist nicht nur groß, er steckt auch voller technischer Finessen.
17.04.2021, 06:00
Lesedauer: 5 Min
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Schlauer Riese
Von Ben Zimmermann

Wenn das Thermometer deutlich unter null Grad sinkt, ist die Freude über die zahlreichen Wohlfühl-­Features eines Autos umso größer. Genauer: Sitzheizung (vorn und hinten), Lenkradheizung, Zwei-Zonen-Klimaautomatik. Da verschmerzt man es auch, wenn – Achtung: Jammern auf allerhöchstem Niveau – es ein paar Minuten dauert, bis sich die Wärme der Heizdrähte durch die Ledersitze kämpft. Nun ja, so eine Kälte wie in diesem Jahr gibt es in den hiesigen Breiten eher selten, doch auch dafür ist der Kia ­Sorento bestens gerüstet. Was nicht nur für den Innenraum, sondern auch für das Fahrverhalten gilt, doch dazu gleich mehr.

Das Premium-SUV des südkoreanischen Herstellers rollt als 1.6 T-GDI Hybrid AWD auf den Hof des Pressehauses. Das „ECO hybrid“ rechts am Heck markiert in diesem Fall den steckerlosen Hybriden, quasi die Einstiegsvariante in die E-­Mobilität. Das „AWD“ auf der linken Seite steht für All Wheel Drive, den permanenten Vierradantrieb. Drei Fahrstufen – Eco, Sport und Smart – stehen zur Auswahl. Im All-Terrain-Modus gibt es drei weitere ­Programme für den Offroad-Bereich.

Womit wir wieder beim Winter wären. Denn neben Sand und Schlamm gibt es den Schnee-Modus, und für den gab es vor einigen Wochen ja die besten Test-Voraussetzungen. Um es kurz zu machen: Sorento und Winter – ja, das passt. Kein Schlittern, keine durchdrehenden Räder auf der festgefahrenen Schneedecke, und im tiefen Pulverschnee ist jede Sorge vor einem Steckenbleiben überflüssig. Die vier angetriebenen Räder halten das Auto jederzeit so akkurat auf dem verschneiten Waldweg, dass man am Ende gar nicht mehr auf den Asphalt will.

Landstraße oder Autobahn? Machen Spaß, Haken dran

Allerdings: Ausschließlich auf Waldwegen kommt man aus den verschneiten Gefilden nicht bis nach Bremen. Und um ehrlich zu sein: Auch die Fahrt auf der Landstraße und der Autobahn macht mit dem Sorento Spaß. Da ist nicht nur die gute Rundumsicht, die man aufgrund der erhöhten Sitzposition genießt. Die maximal 169 kW / 230 PS Systemleistung treiben in Verbindung mit dem Sechsgang-­Automatikgetriebe die rund zwei Tonnen zügig voran. Der Test auf der leeren Landstraße bestätigt die neun Sekunden, die laut Datenblatt für den Sprint von 0 auf Tempo 100 nötig sind. Bei der Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn liegt der Kia sogar noch etwas über den angegebenen 193 km/h: Die elektronische Tachonadel strebt der 200 entgegen, verharrt dann aber kurz davor. Unverständlich: Selbst bei höheren Geschwindigkeiten schaltet das Automatikgetriebe ab und zu noch mal herunter.

Ruhe, bitte: Das funktioniert bis Tempo 170 überraschend gut

Die Geräuschkulisse ist auch bei schnellerer Fahrt überraschend moderat. Etwa bis Tempo 170 ist nicht viel zu hören: Kaum Wind- oder Abrollgeräusche, nur der Motor macht sich dann langsam kerniger bemerkbar. Zur Not stellt man das Radio ein ­wenig lauter, und die Bose-­Boxen zaubern bei Klassik Radio Movie eine satte Konzerthallen-­Atmosphäre in den Innenraum.

Zurück auf die Landstraße. Dass der Sorento flott vorankommt, hatten wir bereits erwähnt. Doch auch beim Fahrwerk haben die koreanischen Ingenieure bei dieser vierten Auflage des Modells ihre Hausaufgaben gemacht. Der Kia nimmt mit Lust die Kurven. Kein Aufschaukeln oder Schlingern trotz seines hohen Schwerpunkts; die Lenkung ist stets präzise. Das war bei Vorgängermodellen noch anders.

Wer etwas dynamischer unterwegs sein will, stellt vom automatisch vorgegebenen Eco-Fahrbetrieb auf Sport. Das Automatikgetriebe fährt dann die Gänge weiter aus, was den Lärmpegel allerdings kräftig in die Höhe treibt.

Der Modus Sport: Ach, das lassen wir lieber

Der Gewinn an Agilität steht hier in keinem sonderlich guten Verhältnis zur derben Geräuschkulisse. Wir bleiben also lieber im Eco-Modus; im Zweifel reicht ein kräftiger Tritt aufs Gaspedal, um einen Gang runterzuschalten und ebenfalls flott voranzukommen.

Man muss allerdings noch nicht einmal rasen, um den Verbrauch in die Höhe zu treiben. Die gut sechs Liter Super, die der Sorento sich laut Datenblatt auf 100 Kilometern genehmigt, kann man getrost vergessen. Auf einer recht sportlichen Tour über Autobahn, Landstraße und ein bisschen Waldweg waren es am Ende im Durchschnitt knapp neun Liter. Aber wer ein solch großes SUV kauft, wird kein Spritsparwunder erwarten. Und verglichen mit der ebenso großen und schweren Konkurrenz muss sich der Kia auch nicht verstecken.

Der Hybrid kann in puncto Spritsparen nicht viel ausrichten, denn die Rekuperation, bei der sich die Batterie auflädt, deren Strom schließlich den E-Motor antreibt, wird eher im Stadtbetrieb relevant. Hier allerdings macht sich der Mischantrieb angenehm bemerkbar: Ist genügend Saft auf dem Akku, fährt der Sorento leise elektrisch an, um erst nach einigen Metern ganz smooth den Verbrenner dazu zu schalten.

Weniger sanft dagegen meldet sich der Kühlerlüfter beim Abstellen des Motors. Er läuft noch einige Augenblicke lautstark nach, wobei es ziemlich egal ist, welche Strecke der Kia zuvor zurückgelegt hat.

Was das Raumangebot angeht, spielt ein Auto von den Ausmaßen eines Sorento – 481 Zentimeter lang, 190 Zentimeter breit und 169,5 Zentimeter hoch – natürlich in der Premium-Liga. Vier Dirk-Nowitzki-Klone hätten locker Platz, ohne mit ihren Köpfen oder Knien irgendwo anzustoßen.

Wer deutlich kleiner ist und hinten sitzt, verschiebt seinen Teil der Rückbank gerne sogar ein Stück nach vorn, um sich nicht so abgeschnitten von Fahrer und Beifahrer zu fühlen. Das kann man fast schon dekadent nennen. Auch der Kofferraum (als Extra passt hier auch eine dritte Sitzreihe rein) lässt keine Wünsche offen. Ein Schlitten, ein Kasten Wasser und eine Reisetasche verlieren sich hier regelrecht. Doch Größe XL hat auch ihre Schattenseiten: Der Wenderadius ist enorm; das Einparken in der Stadt dauert schon mal eine Minute länger.

Spätestens hier machen sich die zahlreichen Kameras bezahlt, die dem Fahrer nicht nur beim Einparken das Navigieren erleichtern, sondern auch beim Abbiegen einen nützlichen Dienst verrichten: Wird der Blinker gesetzt, erscheint auf dem volldigitalen Instrumentendisplay ein Blick auf der jeweiligen Seite nach hinten. Das ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, doch die Kameraaussicht ist dem Blick in den Spiegel deutlich überlegen und – dicker Sicherheitspluspunkt! – leuchtet auch den toten Winkel aus.

Die Kameras sind nur ein Teil des Assistenzsystems, das die Südkoreaner ordentlich aufgerüstet haben. Für all das langen sie beim Preis nicht einmal über die Maßen hin. In der Ausstattungsvariante Spirit, die nur noch von Platinum übertroffen wird, sind es samt zahlreicher Extras 53.770 Euro, die auf der Rechnung stehen. Das ist natürlich eine Stange Geld. Doch wer sich die Preislisten für einen VW Touareg, einen Audi Q7 oder einen BMW X5 anschaut, in deren Liga der Sorento spielt, kommt schnell auf eine Differenz von 15.000 Euro. Selbst wenn man den einen oder anderen technischen Vorsprung der Konkurrenz einrechnet, dürfte man das als Kampfansage verstehen.

Weitere Informationen

Modell: Kia Sorento 1.6 T-GDI Hybrid

Motor: R4-Benziner + E-Motor

Hubraum: 1598 ccm

Systemleistung: 169 kW / 230 PS

Drehmoment: 265 Nm

Höchstgeschwindigkeit: 193 km/h

Beschleunigung (0-100 km/h): 9,0 s

Verbrauch (nach NEFZ): 6,2 l/100 km

CO2-Ausstoß (NEFZ, WLTP): 141 g/km, 164 g/km

Abgasnorm: Euro 6

Kofferraumvolumen: 697 l

Basispreis: 42.490 Euro

Testwagenpreis: 53.770 Euro

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