Auto Finessen im Fond - Luxus auf den Rücksitzen

Stuttgart/Ingolstadt (dpa/tmn) - Ein Platz in der ersten Reihe gilt gemeinhin als perfekt. Bei Autos ist aber oft die zweite Reihe erste Wahl: Wer es sich leisten kann, überlässt den Fahrersitz einem Chauffeur. Allerdings nur, wenn die Rückbank mit Komfort verwöhnt.
20.07.2010, 10:04
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Stuttgart/Ingolstadt (dpa/tmn) - Ein Platz in der ersten Reihe gilt gemeinhin als perfekt. Bei Autos ist aber oft die zweite Reihe erste Wahl: Wer es sich leisten kann, überlässt den Fahrersitz einem Chauffeur. Allerdings nur, wenn die Rückbank mit Komfort verwöhnt.

Wer im Auto etwas auf sich hält und genügend Geld besitzt, der sitzt traditionell hinten rechts: Vorne greift dann ein Chauffeur ins Steuer. Nur bei Allerweltsautos gilt daher das größte Augenmerk der Entwickler den vorderen Plätzen. Je größer und vornehmer die Fahrzeuge werden, desto mehr Aufmerksamkeit widmen die Ingenieure dem Fond.

In Luxusmodellen wird der Rücksitz von der «Strafbank» in ein Sofa verwandelt, die Ausstattung kräftig aufgemöbelt. Kaum ein Auto zeigt das deutlicher als Daimlers Flaggschiff Maybach, vor allem in der gestreckten 62er-Version. Mit der Modellpflege im Sommer 2010 gibt es nach Angaben von Pressesprecher Michael Allner für den Fond des rund 500 000 Euro teuren Luxusliners weit mehr Extras als nur den vornehmen Parfümspender mit eigens angemischten Düften.

Auf Wunsch wird auch ein 19 Zoll großer Flachbildfernseher vor der Trennwand zum Fahrer installiert. Und während mancher daheim auf einem durchgesessenen Sofa vor dem TV-Gerät Platz nimmt, baut Mercedes Spezialsessel ein, die sich wie in der First-Class eines Flugzeuges in eine bequeme Liegeposition ausfahren lassen.

Wenn Audi in diesem Sommer die um 13 Zentimeter gestreckte Langversion des neuen A8 einführt, gibt es nicht nur Massagesitze, Barfächer, Klapptische und eine feinfühlige Klimaautomatik für den Fond. Zum ersten Mal wird hier nun ebenfalls ein Ruhesitz angeboten, bei dem sich nicht nur Lehne und Sitzkissen verstellen lassen. «Auf Knopfdruck surrt aus dem vorderen Sitz auch noch eine Fußauflage, so dass man die Fahrt zum nächsten Termin tatsächlich im Liegen genießen kann», erläutert ein Audi-Sprecher.

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die den Unterschied zwischen Normal-Auto und Luxus-Limousine demonstrieren: Wie die Spiegel im Bierdeckel-Format an den Türsäulen jedes Rolls-Royce Phantom oder Ghost. «Sie sind so angebracht, dass eine Frau noch einmal das Make-Up kontrollieren kann, bevor sie aus der Tür ins Rampenlicht tritt», sagt Pressesprecher Frank Tiemann.

Finessen im Fond sind zumindest in China keine Privilegien von Superreichen. Dort bieten Mercedes, BMW und Audi sogar in der Mittelklasse Langversionen an. Denn ein Chinese, der es zu etwas gebracht hat, der lässt sich fahren. In Deutschland werden diese Langversionen nicht angeboten, da die Autobauer sonst ihren Oberklasse-Modellen Konkurrenz machen würden.

Die Lücke füllt Karosseriebauer Binz aus Lorch bei Stuttgart. Dort gibt es nach Angaben von Vertriebsmanagerin Ingrid Floruss nicht nur Kranken- und Leichenwagen auf Basis der Mercedes E-Klasse, sondern auch eine Langversion, die diesen Namen tatsächlich zu recht trägt. Für Preise ab etwa 120 000 Euro setzen die Mechaniker binnen acht Wochen ein Zwischenstück von 1,10 Metern Länge in die Karosserie und schneiden auf Wunsch auch noch zwei zusätzliche Türen ins Blech. So wird die E-Klasse zur Großraumlimousine mit drei Sitzreihen.

Kühlfächer, Klimaanlagen oder Klapptische gibt es zwar nicht bei jedem Auto. Doch für die Beinfreiheit finden sich mittlerweile in allen Klassen Anpassungsmöglichkeiten: Egal ob VW Tiguan oder Porsche Cayenne, Fiat Panda oder Mini Countryman - überall lässt sich die Rückbank mal geteilt und mal komplett um ein paar Zentimeter verschieben. Noch mehr Möglichkeiten gibt es in Autos wie dem Ford C-Max, dem Opel Meriva oder dem Skoda Roomster: Hier lassen sich die einzelnen Sessel im Fond auch noch zur Mitte rücken, was die Schulterfreiheit vergrößert.

Ein erschwinglicher Traum Hinterbänkler wäre der Toyota Sienna, der allerdings nur in Amerika angeboten wird. Mit umgerechnet 17 000 Euro kostet er nur den Bruchteil eines Maybach, verfügt aber trotzdem in der zweiten Reihe über vergleichbare Liegesessel. Und auch die TV-Konsole an der Decke hat beinahe ein cineastisches Format.

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