Hersteller Genfer Autosalon im März: Trotzreaktionen in Blech

Genf/Hamburg (dpa/tmn) - Böse Zungen könnten behaupten, der Genfer Autosalon ist eine einzige Trotzreaktion der Hersteller. Denn alle Welt redet davon, dass 2010 in Sachen Neuwagen eine Katastrophe wird.
05.02.2010, 11:31
Lesedauer: 3 Min
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Genf/Hamburg (dpa/tmn) - Böse Zungen könnten behaupten, der Genfer Autosalon ist eine einzige Trotzreaktion der Hersteller. Denn alle Welt redet davon, dass 2010 in Sachen Neuwagen eine Katastrophe wird.

Dass - wenn überhaupt - nur günstige Fahrzeuge gekauft werden. Doch im Scheinwerferlicht steht in den Messehallen wieder einmal vor allem viel Teures und Schickes - so als hätte sich in der Autowelt nichts verändert. Neue Ideen werden zwar ebenfalls präsentiert, kommen jedoch von Freidenkern wie der Schweizer Firma Rinspeed. Wer aber seine Autowelt wirklich so haben will, wie sie einmal war, der ist auf der Neuheitenschau in Genf (4. bis 14. März) genau richtig.

Als wichtigste Neuheit der deutschen Hersteller gilt tatsächlich ein Kleinwagen - wenn auch keiner aus der Fraktion der günstigen Modelle. Audi will nun endlich die Serienversion des A1 vorstellen, der in erster Linie dem schon kulthaft verehrten Mini von BMW Konkurrenz machen soll. Er ist also das, was man Premium-Modell nennt, und wird auch entsprechend teuer bezahlt werden müssen.

Kein Wunder, dass sich Mini selbst bemüht, etwas Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Und das will man mit dem Countryman machen. Der ist der erste Mini mit vier Türen und einer Länge von mehr als vier Metern. Sein optisch bewusst robust gehaltener Auftritt kennzeichnet ihn als sogenanntes Crossover-Modell. Die Nähe zu Geländewagen wird von dem gegen Aufpreis erhältlichen Allradantrieb unterstrichen.

Die meisten weiteren Neuheiten aus Deutschland rangieren aber noch ein paar Preisregionen darüber. Das gilt für den neuen 5er von BMW, der hier Publikumspremiere hat, ebenso wie für die 3er Versionen Coupé und Cabriolet die mit einem frischen Facelift gezeigt werden.

Wesentlich mehr Beachtung dürfte aber ein Auto finden, das eigentlich so gar nicht mehr in die Zeit passt. Denn von Porsche wird die Neuauflage des ebenso luxuriösen wie kraftstrotzenden Geländemobils Cayenne erwartet. Um gegen den unschönen Ruf als Spritsäufer anzutreten, hat Porsche den Neuen nach bisherigen Information deutlich leichter gebaut. Und auch die seit Jahren angekündigte Hybrid-Version soll es nun tatsächlich geben.

Für andere Neuheiten aus Deutschland dürfte schon bei ihrer Premiere die beste Zeit vorbei sein - für die Vans nämlich. Volkswagen heißt es, wird nun tatsächlich einen Nachfolger für den seit Mitte der 90er gebauten Sharan präsentieren. Von Opel kommt als kleiner Van der neue Meriva mit seinen gegenläufig öffnenden Türen. Automobilforscher Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen hält Vans aber für Autos «von gestern», die auch in den Neuauflagen nicht an frühere Verkaufserfolge anknüpfen können.

Aber natürlich sind die Deutschen nicht die einzigen Autobauer, die in Genf neue Kreationen vorstellen. Alfa Romeo zum Beispiel hat sich von den bisherigen Nummernspielen bei der Modellbezeichnung wieder verabschiedet, und stellt den Nachfolger des 147 als Giulietta vor - ein klangvoller Name aus der erfolgreichen Vergangenheit des Autobauers. Der Kompakte soll in seiner neuen Form eine sportliche und schicke Alternative in der Kompaktklasse darstellen.

Noch eine Nummer größer geht es bei Volvo zu: Hier steht das Mittelklasse-Modell S60 im Mittelpunkt, das auch eine neue und deutlich markantere Formensprache der schwedischen Marke einläutet.

Um Design und das Erscheinungsbild der ganzen Marke geht es auch bei Peugeot. Hier bietet eine Studie einen Ausblick auf das Peugeot-Design der Zukunft. Merkmal des Concept Cars SR1 ist ein markanter Kühlergrill zwischen schlitzförmigen Scheinwerfern - eine Kombination, die bald auch in Serienmodellen zu finden sein könnte.

Deutlich näher am tatsächlichen Privatkäufer dürfte jedoch einmal mehr die Renault-Tochter Dacia sein: Hier präsentiert man statt eines Vans ein kompaktes SUV mit angedeuteter Geländewagen-Optik, was aktuell gern gesehen ist. Dass es sich dabei auch um eine besonders preisgünstige Ausführung eines solchen Autos handelt, gilt schon fast als selbstverständlich.

Bleibt die Frage nach dem Blick in die Zukunft, den Ideen für alternative Antriebe und Konzepte. Hier kommt die wohl interessanteste Neuheit des Genfer Autosalons aus der Schweiz selbst. Dort werden zwar keine Serienautos gebaut, doch die Firma Rinspeed sorgt traditionell mit Prototypen auf für Aufsehen. Früher waren das ungewöhnliche Sportwagen ohne Chance auf eine Serienfertigung - heute ist es mit dem «UC?» ein Kleinwagen mit Elektroantrieb, der auf eine Großserienproduktion ausgelegt ist. Neben dem 2,50 Meter langen Concept Car gibt es dazu noch ein komplett durchdachtes Mobilitätskonzept, das auch eine Verladung in Zügen berücksichtigt. Also alles andere als eine Trotzreaktion in Blech.

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