Verkehr Intermot: Zwischen E-Roller und Kraftprotz

Köln. Der Nachwuchs fehlt und die Freizeit auch: Die Motorrad-Branche steht unter Druck, die Zahl der Neuzulassungen sinkt weiter. Bei der Messe Intermot (6. bis 10. Oktober) in Köln wollen die Aussteller auch mögliche Neueinsteiger begeistern.
05.10.2010, 09:20
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Köln. Der Nachwuchs fehlt und die Freizeit auch: Die Motorrad-Branche steht unter Druck, die Zahl der Neuzulassungen sinkt weiter. Bei der Messe Intermot (6. bis 10. Oktober) in Köln wollen die Aussteller auch mögliche Neueinsteiger begeistern.

Leise Elektro-Roller und knatternde Kraftprotze - der Motorradmarkt ist nach Ansicht von Branchenkennern so vielfältig wie noch nie. «Es ist für jeden was dabei: Von der kleinsten Einsteiger-Enduro bis zum dicken Sechszylinder», sagt der Motorrad-Experte des ADAC, Ruprecht Müller. Dabei seien zwei Trends zu beobachten: «Einerseits werden die Modelle immer spezialisierter und individueller, andererseits werden Universalfahrzeuge gebaut, die durch verschiedene Einstellungen den unterschiedlichsten Fahrbedingungen angepasst werden können.»

Die Neuheiten der Branche sind von diesem Mittwoch (6. Oktober) an auf der Internationalen Motorradmesse Intermot in Köln zu sehen. Rund 1100 Aussteller aus 40 Ländern zeigen bei der Publikumsschau Zweiräder mit Zubehör. Bis zum Sonntag erwarten die Veranstalter etwa 200 000 Besucher. Dabei hoffen die Aussteller nicht nur auf eingefleischte Motorradfans, sondern auch auf mögliche Neueinsteiger. So machen Frauen bislang nur rund zwölf Prozent der Motorradfahrer aus. Attraktionen wie Stunt-Shows oder Probefahrten für jedermann sollen verstärkt Familien und Jugendliche aufs Gelände locken.

Denn die Branche steckt in der Krise. Abgesehen von einem kurzen Aufschwung 2007 ist die Zahl der Neuzulassungen seit Jahren auf Talfahrt. 2010 ist sie erneut gesunken, von Januar bis September wurden nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes rund 128 000 Krafträder neu zugelassen - 9,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Einer der Gründe für den Abwärtstrend ist der fehlende Nachwuchs. «Junge Leute geben ihr Geld häufig lieber für was anderes aus als für ein Motorrad», meint der Sprecher des Industrie-Verbands Motorrad (IVM), Achim Marten. Da der Auto-Führerschein durch das begleitete Fahren heute schon mit 17 Jahren gemacht werden kann, entschieden sich mehr Jugendliche als früher für ein Auto als Erstfahrzeug.

Bei den etwas reiferen Fahrern sieht ADAC-Experte Müller außer der Kostenfrage auch Freizeitmangel als Problem: «Die Leute haben weniger Zeit zum Motorradfahren. Darum sind viele ältere Fahrzeuge noch in gutem Zustand und die Halter sehen keine Notwendigkeit, ein neues Motorrad zu kaufen.» Gerade die schweren und damit auch teuren Maschinen dienten eher selten als reines Fortbewegungsmittel, sondern seien vielmehr ein Freizeitspaß, den man sich zusätzlich zum Auto leiste.

Einen Anreiz für einen Neukauf könne die verbesserte Sicherheitstechnik bieten, meint Müller. ABS zum Beispiel werde sich immer mehr durchsetzen, in diesem Jahr sei schon über die Hälfte der neuzugelassenen Motorräder damit ausgestattet.

Als Zukunftsthema vor allem bei kleineren Zweirädern setzt die Branche auf Elektromobilität. Bei der Intermot ist diesem Bereich eine eigene Halle gewidmet. Der Markt für Fahrräder mit elektrischem Zusatzmotor, sogenannte Pedelecs, boomt bereits. Neben Elektrorollern werden auf der Messe auch die ersten E-Motorräder gezeigt. Einer der Vorteile: Sie erreichen aus dem Stand das volle Drehmoment.

Dass Strom aus der Steckdose aber in absehbarer Zeit den Verbrennungsmotor bei Motorrädern ablösen wird, bezweifeln die Experten. Dazu sei das ganze technisch noch lange nicht ausgereift genug. Neben Reichweite und Ladezeit sei vor allem das Gewicht der Akkus ein Problem, sagt Müller. Und noch ein Aspekt kommt hinzu: «Der Verbrennungsmotor hat bei Motorradfahrern ganz viel mit Emotionen zu tun», meint Marten. Ein Motorrad ohne das typische Geknatter wäre für viele Fans wohl kein richtiges Motorrad. (dpa)

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