Hersteller Klein und wendig: 20-Zoll-Räder lieben die Stadt

Göttingen (dpa/tmn) - Spurtstark und platzsparend - Fahrräder mit kleiner 20-Zoll-Bereifung sind praktischer als manch einer denkt. Mit faltbaren Lenkern und einklappbaren Pedalen sind sie auch im Hausflur kaum ein Hindernis - und deshalb wie gemacht für Stadtmenschen.
24.08.2010, 10:37
Lesedauer: 3 Min
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Göttingen (dpa/tmn) - Spurtstark und platzsparend - Fahrräder mit kleiner 20-Zoll-Bereifung sind praktischer als manch einer denkt. Mit faltbaren Lenkern und einklappbaren Pedalen sind sie auch im Hausflur kaum ein Hindernis - und deshalb wie gemacht für Stadtmenschen.

Viel strampeln, aber kaum voran kommen - dieses Vorurteil haftet Fahrrädern mit kleinen Laufrädern hartnäckig an. Allerdings ist schnelles Fahren weniger eine Frage der Radgröße. Vielmehr kommt es auf Übersetzung und Federung an. Und genau damit punkten viele moderne Kompakträder mit 20-Zoll-Felgen.

1962 entdeckte der britische Tüftler Alex Moulton, dass ein Fahrrad mit vergleichsweise kleinen Rädern genauso schnell bewegt werden kann wie ein Rennrad mit 28-Zoll-Bereifung. Er konstruierte das Moulton-Rad, das noch heute produziert und zu Preisen ab 1990 Euro angeboten wird. «Die gute Übersetzung wird mit großen Kettenrädern vorn und kleinen Ritzeln hinten erreicht», erläutert Gunnar Fehlau vom Pressedienst-Fahrrad in Göttingen.

Kompakträder lassen sich aber nicht nur so schnell fahren wie größere Fahrräder. Sie sind auch besonders wendig. Denn bedingt durch die vergleichsweise kurze Bauweise und die kleinen Reifen reagieren 20-Zoll-Räder sehr direkt auf Lenkbewegungen. Die geringe Rahmenhöhe erleichtert das Auf- und Absteigen. Hinzu kommt, dass sich kleine Räder schneller beschleunigen lassen. Das begünstigt den Kavaliersstart an der Fahrradampel - womit das Einsatz-Revier markiert wäre: die Stadt.

Auf urbane Kunden setzten eine Reihe von Herstellern. Die Firma Velofactur hat zum Beispiel das Modell i:SY mit einklappbaren Pedalen und querstellbarem Lenker im Programm. Selbst in einem engen Hausflur lässt sich dieses Fahrrad problemlos abstellen. Auch kann man es leicht transportieren, etwa in einem Kombi oder in der Bahn. «Sobald es auf längere Reisen geht, greifen Kunden aber eher zum Faltrad», stellt Fehlau fest. Sie passen zusammengeklappt in jeden Kofferraum, haben aber gegenüber den starren Kompakträdern einen Nachteil: Durch ihren Klappmechanismus büßen Falträder Stabilität ein.

Seit 2008 wird das vom Kunden individuell konfigurierbare i:SY produziert. Dem Hersteller zufolge wird es meist mit einer freilaufenden 8-Gang-Nabenschaltung ausgeliefert und kostet ab 1250 Euro. Für eine im Straßenverkehr zulässige Version mit Schutzblechen, Ständer, Gepäckträger und Lichtpaket sind mindestens 1450 Euro fällig. Der Rahmen ist wie bei den meisten Kompakträdern aus Aluminium gefertigt. Für die Verzögerung sorgt in der Regel eine hydraulische Felgenbremse.

Der amerikanische Hersteller Cannondale hat mit dem Hooligan ein 20-Zoll-Rad im Programm, das mit knapp 800 Euro zur unteren Preisgrenze tendiert. Herausstechendes Merkmal ist die einbeinige Gabel, die Scheibenbremsen erfordert. Diese eignen sich für Räder dieser Klasse ohnehin besonders gut, erklärt Fehlau. Da sich kleine Felgen schneller drehen, werden die Bremsen eher heiß. Dadurch würden andere Systeme schneller verschleißen als Scheibenbremsen.

Auch der niederländische Hersteller Koga bedient die Nische der kleinen Stadträder. Mit dem Modell Adaptor für mindestens 1499 Euro will er Praxistauglichkeit beweisen: Serienmäßig liefert die Firma ihre Kompakträder mit einem Gepäckträger aus, den es sonst meist nur gegen Aufpreis gibt. Außerdem verlegt Koga sämtliche Kabel gut geschützt im Aluminiumrahmen. Der Riemenantrieb verspricht einen sauberen Hosensaum.

Seit 2006 gibt es auch eine Neuauflage des historischen Pedersen-Rades - im Original mit großen Laufrädern - in Kompaktbauweise zu kaufen. Schöpfer des Modells Comped mit Hängemattensattel und Gitterrohrstahlrahmen ist Michael Kemper. Das 20-Zoll-Kompaktrad verkauft Kemper überwiegend an «gesetztere Menschen ab 50 Jahren», wie er sagt. Knapp 2000 Euro muss zahlen, wer sich ein solches Retro-Fahrrad nach Maß anfertigen lässt.

Die Maßschneiderei ist übrigens in der Klasse der Kompakträder weit verbreitet. Denn trotz ihrer Renaissance sind sie noch immer eher etwas für Individualisten. «Die Nachfrage steigt aber», stellt i:SY-Entwickler Martin Kulhmeier fest. Besser als das mit Muskelkraft betriebene Original verkaufe sich allerdings das i:SY mit Elektroantrieb.

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