Fahrbericht: Kia Ceed Sportswagon PHEV

Anschlussfähig

Mit der kompakten Ceed-Familie hat Kia vieles richtig gemacht - die vier angebotenen Varianten kommen bei den Kunden an. Ein Plug-in-Hybrid darf da nicht fehlen: So wird der Sportswagon zum wahren Lademeister.
20.03.2021, 06:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Roberto Wenk

Kia beschickt die Klasse der Kompakten mit gleich vier ernst zu nehmenden Kandidaten: Ceed, Proceed, Xceed und Sportswagon – sie allesamt sind nicht nur mehrfach ausgezeichnet, sie verkaufen sich auch so. Damit das so bleibt, verpasst der koreanische Autobauer seiner Erfolgsreihe nach und nach Ladebuchsen. Hybride Technik kostet Platz, ja. Dennoch, der Sportswagon PHEV hält, was er verspricht – auch in puncto Laderaum.

Die typische Front samt Tigernasen-Grill, die modern gezeichneten LED-Scheinwerfer, eine leicht ansteigende Seitenlinie, das schräg abfallende Heck und nicht minder elegante Heckleuchten: Dass es ein Kia ist, erkennt man auf den ersten Blick. Dazu zwei chromgerahmte Auspuffblenden – die ­Designer um Peter Schreyer haben bei diesem Ceed einmal mehr ihre Hausaufgaben gemacht.

Klar, die Form des Sportswagon ist keineswegs neu und schon gar nicht revolutionär. Allerdings kommt er als Plug-in-Hybrid mit einer zusätzlichen Klappe im vorderen, linken Kotflügel daher. Wer „eco plug-in “ auf das Heck schreibt, sollte schließlich auch die Ladebuchse mitliefern.

Der Innenraum überzeugt einmal mehr durch Struktur. Hinter dem Lenkrad ist es angenehm aufgeräumt. Das hochauflösende Instrumentendisplay mit seiner 31,2 Zentimeter (12,3 Zoll) messenden Diagonale zeigt im Fall des PHEV unter anderem den eingelegten Fahrmodus, die Ladung der Batterie und die verbleibende Reichweite. Die wichtigsten Kennzahlen hat der Fahrer damit stets im Blick.

Das Infotainment hat noch Drehregler - wie schön!

Nichtsdestotrotz, das Herzstück ist und bleibt das Infotainment. Der mittig des Armaturenträgers platzierte Touchscreen fällt mit einer Diagonale von 26 Zentimetern (10,25 Zoll) zwar ein wenig kleiner aus – per Splitscreen-­Funktion lässt er sich jedoch in bis zu drei Bereiche aufteilen. Neben Navigation und Musik zeigt er so zum Beispiel Infos zum Hybridsystem an – den Energiefluss etwa, oder eine Illustration des Antriebsstrangs.

Obgleich der Nutzwert dessen bereits nach wenigen Kilometern drastisch abnimmt: Für Neulinge der Elektromobilität ist das zweifelsohne ein willkommenes Gimmick. Erfreulich präsentieren sich zudem diverse Drehregler. Ein Glück, die Sensorfelder und Touchflächen zahlreicher Wettbewerber (Gruß nach Wolfsburg!) sind hier noch nicht eingezogen.

Weitere Pluspunkte sammelt der Ceed SW PHEV in puncto Platz. Vorn herrscht ohnehin Raum zur Genüge, im Fond ist es zumindest gefühlt ein bisschen mehr als in der Schräg­heck­fassung. Der Laderaum bietet mit mindestens 437 Litern (maximal sind es 1506 Liter) satte 215 Liter mehr als der Schrägheck-Ceed – auch wenn die Hybridisierung gegenüber dem konventionellen Kombi knapp 190 Liter kostet. Zu verschmerzen ist diese Einbuße durchaus. Es sei denn, es geht als vier- oder gar fünfköpfige Familie in den Campingurlaub.

Die Leistung: nicht prall, aber angemessen

Den Großeinkauf im Supermarkt schultert das Antriebskonzept allemal: Jeden Gasbefehl setzt der Ceed PHEV ohne Verzögerung um. Die Leistung ist keineswegs prall, aber durchweg angemessen – für ein Auto dieses Nutzwerts, für einen Benziner von 1,6 Litern Hubraum, für einen, der ohne Turbolader auskommt und dafür auf einen umweltver­träglichen Elektromotor setzt. Immerhin schaffen es Verbrennungsmotor und E-Aggregat auf eine Systemleistung von 104 Kilowatt (141 PS).

Das Drehmoment schiebt mit maximal 265 Newtonmetern tauglich voran; das Fahrwerk hingegen entspricht in seiner straffen Ausrichtung schon eher dem Prädikat Sportswagon. Unbeladen poltert der Kombi gern einmal über Querfugen und andere Unweg- wie Unwägbarkeiten. Dennoch, Komfortreserven hat der Ceed genug, um auch längere Reisen zu meistern. Man sollte eben nicht vergessen, dass der Handelsname Sportswagon noch nie für einen rassigen Sportwagen stand, sondern vielmehr für ein Fahrzeug, in das alles reinpasst, was der geneigte Freizeitsportler braucht. Die Ausrüstung für den Ski-, Tauch- oder Surfurlaub? Kein Problem.

Das Lenkrad fasst sich gut an, die Lenkung überzeugt durch direktes Feedback, das sechsstufige Doppelkupplungsgetriebe wechselt die Gänge selbst im Sport-Modus sanft. Und auch wenn Letzteres nicht das ausschlaggebende Argument ist, zahlt sich die Feinfühligkeit als einer dieser vielen kleinen Faktoren aus, die sich im Verbrauch niederschlagen: Mit leerem Akku (im Drittelmix 6,2 Liter auf 100 Kilometern) ist das naturgemäß wenig überzeugend. Bei vollem Akku jedoch spielt der Kia seine Stärken aus. Im Praxistest schafft es der PHEV auf 2,6 ­Liter beziehungsweise 58 rein elektrisch gefahrene Kilo­meter – und kommt damit nah an die im Datenblatt versprochenen 60 Kilometer ran.

Auch im E-Modus meldet sich der Verbrenner öfter mal zu Wort

Dennoch, und das ist ein nicht zu unterschätzender Punkt: Selbst bei aktivem EV-Modus ist der Ceed nicht durchgängig elektrisch unterwegs. Vielmehr schaltet sich der Verbrenner immer wieder hinzu – und das aus Gründen, die sich nicht so recht erschließen. Wer sich einen PHEV kauft, um emissionsfrei zu pendeln, wird sich daran stören – klar. Wer allerdings den Spritspareffekt an sich befürwortet und ohnehin eher längere Strecken zurücklegt, den sollte das lediglich am Rande berühren. Dieser PHEV ist eben einer für den Mixbetrieb.

Wichtiger wäre da schon die Option, die Stärke der Rekuperation manuell einstellen zu können, wie es bei vielen Mitbewerbern üblich ist. Einzig im Fahrprogramm Sport spürt man eine gesteigerte Rückgewinnung der Bremsenergie. Zudem ist es nicht möglich, den Akku während der Fahrt „einzufrieren“, sprich eine Reserve zu bilden. Den globalen Klimaschutz im Blick ist es zugegebenermaßen egal, wo man die Abgase des Verbrenners verbreitet und wo man emissionsfrei fährt. Die eine oder andere Siedlung freut sich möglicherweise dennoch über reinen E-Verkehr – und sei es aufgrund eines angenehm leisen Surrens.

Aufgeladen ist der Akku an einer AC-Ladestation und über ein Kabel des Typs 2 (Aufpreis: 260 Euro) in durchschnittlich zwei Stunden und 35 Minuten. Über die Haushaltssteckdose soll es rund fünf Stunden dauern.

Mit knapp 40.000 Euro ist der Testwagen kein Schnäppchen. Aber Voll-LED-Scheinwerfer beispielsweise, und Navi­gatoren, die auch Verkehrs­störungen melden, kosten eben oftmals extra – da macht auch Kia keine Ausnahme. Der Basispreis für den PHEV liegt bei 34.990 Euro. Die Prämien heruntergerechnet, erhält man einen recht attraktiven Einstieg für rund 28.500 Euro.

Der Joker der Koreaner ist ohnehin ein anderer: Sieben Jahre Garantie, das ist nach wie vor eine Kampfansage. Zusammenfassend sei dem hübschen Kombi zudem eine sichere Fahrweise bescheinigt. Darüber hinaus überzeugen die so sinnvollen wie verlässlichen Extras und der Antrieb, mit dem man bei regelmäßigem Nachladen ein nicht zu verachtendes Sparpotenzial ausschöpfen kann.

Die Kritikpunkte? Letztlich abgehakt. Wer einen kompakten Hybrid-Kombi sucht, kommt zumindest nicht an einer Probefahrt mit dem Ceed SW vorbei.

Info

Modell Kia Ceed SW PHEV

Motor: R4-Benziner + E-Motor

Hubraum: 1580 ccm

Leistung: 104 kW / 141 PS

Drehmoment: 265 Nm

Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h

Beschleunigung (0–100 km/h): 9,5 s

Verbrauch (ø nach NEFZ): 1,3 l/100 km

CO2-Ausstoß (nach WLTP): 33 g/km

Abgasnorm: Euro 6d-Temp

Kofferraumvolumen: 437 Liter

Testwagenpreis: 39.550 Euro

Basispreis: 34.990 Euro

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