Klassiker Kultauto statt Sparkonto: US-Klassiker als Wertanlage

Wuppertal/München (dpa/tmn) - Tobias Janßen kann es kaum erwarten: Nur noch ein paar Tage, dann geht sein Traum in Erfüllung und er fährt endlich in einem 66er Mustang durch Düsseldorf.
09.02.2010, 11:31
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Wuppertal/München (dpa/tmn) - Tobias Janßen kann es kaum erwarten: Nur noch ein paar Tage, dann geht sein Traum in Erfüllung und er fährt endlich in einem 66er Mustang durch Düsseldorf.

«Von diesem Auto schwärme ich, seitdem ich den Führerschein gemacht habe. Und jetzt wollte ich ihn mir endlich leisten», sagt der Unternehmensberater und wartet sehnlichst auf die Ankunft des Containers aus den USA.

Erfüllt hat ihm sein Traum der Wuppertaler Importeur Dieter Thiel. Bislang hat er mit seiner Firma USCars24.de vor allem aktuelle Fahrzeuge aus den USA geholt, die in Deutschland offiziell nicht angeboten werden und trotzdem eine große Fangemeinde haben. Doch unter die Camaro, Challenger und Corvette von heute mischen sich immer mehr Mustangs von gestern. «Erst Ende Januar war wieder ein gutes Dutzend Autos dabei, auch das Auto von Herrn Janßen», sagt Thiel. Die Nachfrage nach US-Klassikern sei in den vergangenen Jahren konstant gestiegen. «Am besten laufen natürlich der erste Mustang von Mitte 1964 bis 1968 und bonbonfarbene Cadillacs aus den 50ern. Aber auch für die ersten Corvette-Generationen gibt es einen Markt.»

Gemessen an europäischen Oldtimern sind die Preise dafür vergleichsweise niedrig. «Ein fahrfähiges Mustang Coupé gibt es bereits ab 15 000 Euro, ein wirklich schönes Auto kostet etwa Mitte 20 000 Euro, und einen Mustang Cabrio im Top-Zustand holen wir für etwa Ende 40 000 Euro ins Land», sagt Thiel. Für Mustang-Fan Janßen ist sein neuer US-Klassiker durchaus auch eine Geldanlage: «Bei entsprechender Pflege wird der Wert in den nächsten Jahren weiter steigen. Und anders als mit Aktien oder Obligationen kann ich mit dem Mustang sogar herumfahren und Spaß haben.»

Auch Karl Geiger vom US-Importeur GeigerCars in München hat immer öfter Oldtimer in seinen Lieferungen. «Während der Glanz der aktuellen Modelle in der anhaltenden US-Krise zunehmend verblasst, fragen immer mehr Kunden nach Klassikern», hat er in den vergangenen Jahren gelernt. «Deshalb haben wir mittlerweile ständig 10, 15 Oldtimer am Lager.» Auch bei ihm seien das vor allem Mustangs, «weil der einfach am besten geht.»

Den Trend zum amerikanischen Klassiker bestätigt auch Frank Wilke vom Marktbeobachter Classic Data in Castrop-Rauxel. «Alte Muscle-Cars sind gefragter denn je», sagt der Experte. Genaue Zahlen kann er zwar nicht nennen, «doch es kommen immer mehr Fahrzeuge ins Land.» Das hat neben dem Faszinationsfaktor von Mustang & Co. auch ganz rationale Gründe: «Die Autos sind einfach viel preisgünstiger als vergleichbare deutsche, englische oder italienische Sportwagen aus dieser Zeit.»

Außerdem sei die Ersatzteilversorgung oft besser. «Weil die Stückzahlen schon damals riesig waren, sind die Lager bei Ford oder Chevrolet voll. Und was es tatsächlich nicht mehr gibt, wird von Spezialisten zu vertretbaren Preisen nachgebaut», sagt Wilke und zitiert einen Scherz aus der Mustang-Szene: «Wer keinen passenden Gebrauchtwagen findet, kann sich im Internet sämtliche Teil für einen fabrikneuen Gebrauchtwagen zusammenkaufen.»

Nötig sind solche Klimmzüge aber in der Regel nicht, denn das Angebot an klassischen Fahrzeugen in den USA sei derzeit gewaltig. «Über unsere langjährigen Kontakte mit vielen Händlern in ganz Amerika haben wir direkten Zugriff auf zahlreiche Oldtimer und kaufen mittlerweile gezielt Sammlungen und Einzelstücke auf», sagt Importeur Thiel. In der Regel seien die Autos in Top-Zustand, doch bei besonders raren Stücken macht USCars24.de auch Abstriche und restauriert die Autos in Wuppertal, bevor sie zum Verkauf angeboten werden.

«Schwierig ist beim Handel mit Klassikern nur die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit», schränkt Importeur Geiger ein. Autos auf Bestellung zu suchen und ins Land zu holen, führe oft zu Diskussionen, weil Ausstattung, Farbe oder Zustand dann doch nicht ganz den Erwartungen des Auftraggebers entsprechen. Deshalb holt er die Klassiker vor allem auf Vorrat ins Land und verkauft sie erst, wenn sie im Lager stehen und der Kunde ganz normal eine Probefahrt machen kann.

Wem das nicht reicht, der kann detailliert in die Biographie seines künftigen Traumwagens eintauchen. Möglich macht das der amerikanische Dienstleister Carfax, der seine Fahrzeugdatenbank nun für eine Gebühr von 24,99 Euro pro Abfrage auch für europäische Autokäufer geöffnet hat. Nach Eingabe der 17-stelligen Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) findet man darin nicht nur das Herstellungsdatum eines US-Modells, sondern auch seine Halter, die wichtigsten Werkstatttermine und die meisten Versicherungsverträge. Bösen Überraschungen kann man damit schon im Vorfeld vorbeugen. Allerdings gibt es die FIN erst seit 1981 - bei älteren Autos helfen deshalb nur Vertrauen und ein kritisches Auge.

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