Vorstellung: DS9

Frankreichs neue Größe

Repräsentative Limousinen aus Frankreich? Da passt was nicht zusammen. Auf dem Feld sind die deutschen Autobauer die Platzhirsche. Citroens Edelableger DS unternimmt mit dem DS9 nun einen neuen Anlauf.
17.04.2021, 06:00
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Von Heinrich Rohne
Frankreichs neue Größe

Die neue Größe im DS-Programm zeigt, wie man sich in Frankreich Luxus vorstellt.

DS Automobiles

Zugegeben, der vor wenigen Tagen ­angekündigte ­Citroën C5 X könnte ihm Konkurrenz ­machen. Dennoch, DS folgt auch unter dem neuen Dach der Stellantis-­Gruppe aus PSA und Fiat Chrysler ­Automobiles seiner eigenen Linie. So auch beim brandneuen DS 9.

Denn zu den fast unlösbaren Aufgaben, die das Präsidentenamt in Frankreich mit sich bringt, zählt seit geraumer Zeit diese: die Suche nach einer einigermaßen präsidiablen Staatskarosse aus heimischer Produktion. Eine Göttin wie die legendäre DS 19 von Citroën, in der einst Präsident Charles de Gaulle über die Champs-­Élysées paradierte, hat Frankreichs Autoindustrie längst nicht mehr zu bieten. Einen neuen Anlauf in Sachen Luxuslimousine unternimmt der PSA-Konzern nun mit Citroëns Edelableger DS: Bühne frei für den DS 9, mit dem künftig auch Staatspräsident ­Emmanuel Macron vorfahren dürfte.

Die neue Größe im DS-Programm zeigt, wie man sich in Frankreich Luxus vorstellt. Wobei Größe hierbei – zumindest in staatstragender Hinsicht – relativ ist. Von solchen Karossen wie Mercedes S-Klasse, BMW 7er oder Audi A8, bei Staatsoberhäuptern sehr beliebt und alle deutlich über fünf Meter lang, ist der DS 9 um einiges entfernt. Die coupéhaft-gestreckte Limousine spielt mit 4,93 Metern eher in der Liga von Mercedes E-Klasse, BMW 5er und Audi A6. Dabei basiert sie auf der EMP2-Plattform, auf der auch der kleinere Peugeot 508 steht – hier aber mit längerem Radstand (rund 2,90 Meter). Dieses Oberklasseformat hat den Franzosen bisher gefehlt, spielen mit DS3 und DS 7 Crossback sowie dem DS 4 (folgt noch in diesem Jahr) doch ausschließlich SUV- und Crossover-Modelle eine Rolle im überschaubaren DS-Portfolio. Ein Image- und Technologieträger fehlte dieser jungen Marke noch.

Allerdings geht sie mit dem Neuner wieder mal einen anderen Weg als der Wettbewerb – doch der ist fraglos sehenswert. Die Limousine fährt einen großen Bogen um den Retrocharme vergangener Jahre, ihre Formen sind modern, elegant und wie aus einem Guss. Auffällig sind die kleinen Positionsleuchten oben im Rahmen der Heckscheibe. Sie sind eine Verbeugung vor dem Citroën DS 19 aus dem Jahr 1955; hier waren die Blinker tropfenförmig an der Heckscheibe angebracht. Imposanz strahlt die Front mit dem großen Grill, den leicht grimmig wirkenden LED-Scheinwerfern und den Säbelzahn-Tagfahrleuchten aus. All das sorgt für eine Portion Extravaganz, die durch reichlich Chromschmuck um den Grill und den auf der Haube platzierten Zierstreifen mit feiner Gravur abgerundet wird.

Base de donnée : Astuce Productions

Der Innenraum ist stilsicher eingerichtet.

Foto: DS Automobiles

Stilsicher eingerichtet ist der Innenraum mit klimatisierten Ledersitzen inklusive Massagefunktion – und das vorne wie hinten. Das Ganze sieht nicht nur schick aus, sondern bewegt sich, so zumindest der erste Eindruck, auch auf Manufakturniveau. Und Platz? Der ist dank des langen Radstands ohnehin reichlich vorhanden. Ganz hinten bietet der Kofferraum mit einem Fassungsvermögen von 510 Litern klassenübliches Niveau, davor aber sitzt es sich selbst bei Gardemaß in der zweiten Reihe vortrefflich. Auch weil für Ruhe an Bord gesorgt ist: Dafür sind Details wie das kameraunterstützte Komfortfahrwerk und Dämmglas rundum zuständig. Angemessen eben.

Von diesem Urteil ist das Motorenangebot zum Start des DS 9 indes noch entfernt – jedenfalls nach Maßstäben, die für Luxuslimousinen gelten. Denn zunächst sind lediglich ein 165 kW (225 PS) starker Benziner sowie ein Plug-in-Hybrid namens E-Tense 225 zu haben. Dieser kombiniert einen Vierzylinder-Benziner mit einem 81 kW (110 PS) starken E-Motor, die Systemleistung liegt ebenfalls bei 165 kW. Die Fahrleistungen des reinen Benziners sind allerdings absolut ausreichend. Den Sprint auf Tempo 100 absolviert der DS 9 in 8,8 Sekunden, die Spitze ist bei 236 km/h erreicht; nur marginal flotter ist der Plug-in E-Tense 225 unterwegs.

Wem dessen 40 bis 50 Kilometer rein elektrischer Reichweite nicht reichen, der muss sich noch ein wenig gedulden. Eine 250-PS-Variante mit größerer Batterie und mehr E-Potenzial wird später nachgereicht – ebenso wie das Topmodell E-Tense 360 mit einem 360-PS-Plug-in-Duo, das seine Kraft auf alle vier Räder verteilt. Was alle Motoren gemeinsam haben: Sie sind serienmäßig mit einer Achtstufen-Automatik verkuppelt.

Base de donnée : Astuce Productions

Die klimatisierten Ledersitze haben eine Massagefunktion.

Foto: DS Automobiles

Bei den Fahrassistenten greift der DS 9 auf aktuelle Konzernware zurück, kann automatisch die Fahrspur, die Geschwindigkeit und den Abstand zum Vordermann halten und beim Einparken assistieren. Das zählt inzwischen zum Standardprogramm – im Gegensatz zum Night Vision genannten Nachtsichtsystem, das bestechend funktioniert und Fahrten bei Dunkelheit spürbar erleichtert. Außergewöhnlich auch eine weitere Kamera, die das Gesicht des Fahrers überwacht. Werden Ablenkung oder Müdigkeit erkannt, weist das Auto optisch und akustisch darauf hin.

Das Cockpit folgt dem Design von DS 3 und DS 7 Crossback. Dem allgemeinen Trend folgend thront hinter dem Lenkrad ein zwölf Zoll großes Display für alle fahrrelevanten Informationen, während sich zentral im Armaturenbrett ein ähnlich großer Touchscreen als Bedien- und Anzeigeoberfläche für Infotainment, Navigation und die Fahrzeugfunktionen befindet. Das wirkt insgesamt sehr aufgeräumt.

Zu haben ist Frankreichs neue Größe DS 9 zum Marktstart in diesem Sommer mit dem 165 kW starken Benziner ab 47.550 Euro, die Plug-in-Variante kostet dann mindestens 52.810 Euro. Das ist kein Schnäppchen. Doch mit Blick auf die elegante Aura und den typisch französischen Charme, den diese Limousine mitbringt, ganz sicher ein gutes Angebot.

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