Tourismus Natur als Helferin: Fahrradreparatur auf dem Feldweg

Bremen (dpa/tmn) - Ein Plattfuß am Fahrrad, kein Flickzeug zur Hand und das ausgerechnet auf weiter Flur - diese missliche Lage muss nicht zwingend das Ende einer Radtour bedeuten. Einige Pannen lassen sich auch provisorisch beheben, zum Beispiel mit Hilfe der Natur.
20.08.2010, 10:32
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste

Bremen (dpa/tmn) - Ein Plattfuß am Fahrrad, kein Flickzeug zur Hand und das ausgerechnet auf weiter Flur - diese missliche Lage muss nicht zwingend das Ende einer Radtour bedeuten. Einige Pannen lassen sich auch provisorisch beheben, zum Beispiel mit Hilfe der Natur.

Eine Radwanderung durch die Natur ist gut für Seele und Körper. Doch wehe, der Radler wird von einer Panne heimgesucht und hat keine Ersatzteile oder passendes Werkzeug parat. Dann ist Geduld für den langen Fußmarsch in die Zivilisation gefragt - oder Köpfchen. Denn der Heimweg muss nicht zwingend zu Fuß angetreten werden, wenn man bei der Reparatur improvisiert oder sich mit Mutter Natur arrangiert.

Auch ohne Ersatzschlauch oder Flickzeug lässt sich zum Beispiel ein platter Reifen provisorisch wieder in Ordnung bringen. Christian Pauls, Werkstattleiter des Magazins «Mountain Bike», hat eine simple Lösung parat: Den Schlauch an der beschädigten Stelle zu einer kleinen Schlinge legen und einen Knoten hinein machen, so dass der durchlöcherte Bereich vom Rest des Schlauchs getrennt ist. Hat man ein Messer zur Hand, könne man die kleine Schlauchschlinge mit dem Loch anschließend abschneiden, damit der Knoten dünner wird, erklärt Pauls. Der so geflickte Reifen lässt sich wieder aufpumpen. Vorsichtiges Heimfahren ist aber Pflicht, da der Knoten für einen unrunden Lauf sorgt.

Funktioniert der Trick mit dem Knoten nicht, ist das Ventil defekt oder der Schlauch sogar zerfetzt, dann kommt die Natur ins Spiel. «Der Schlauch bleibt draußen, stattdessen nimmt man Gras vom Wegesrand und stopft es in den Reifen. Es muss richtig viel sein, damit der Reifen seine Form zurück bekommt», erläutert Pauls.

Eine gerissene Speiche lässt sich eigentlich leicht entfernen - wenn sie nicht gerade neben den Zahnkränzen einer Kettenschaltung sitzt. Dann nämlich ist das Herausfädeln aus der Öse nicht möglich. Auch hier gibt es einen einfachen Weg, um die Reise fortsetzen zu können. «Die Speiche um eine andere herumwickeln - das hält richtig gut», so Pauls.

Auch für einen seltenen, aber schweren Defekt präsentiert er eine Notlösung. Ist ein Pedal durch ein ausgerissenes Gewinde in der Tretkurbel lose, können Klebesteifen oder ein Stück Folie vom Frühstücksbeutel helfen. Dünn um und in das Gewinde gewickelt, gibt es dem Pedal laut dem Experten wieder etwas Halt.

Viel häufiger passiert es dagegen, dass die Kettenschaltung den Geist aufgibt, weil ein Bowdenzug reißt. Dann lässt sich das Rad nur noch mit Mühe im schwersten Gang bewegen. Hier hilft ein Schraubendreher weiter: Mit den zwei nebeneinander liegenden Stellschrauben am Schaltwerk kann dessen Schwenkbereich so weit eingeengt werden, dass die Kette auf einen leichteren Gang wechselt. Das kann auch an der vorderen Schaltung, dem sogenannten Umwerfer, funktionieren. Doch Vorsicht und langsames Probieren sind Pflicht: Werden die Schrauben falsch herum gedreht, kann die Kette in die Speichen oder gegen den Rahmen geraten.

Eine andere Lösung für die Reparatur eines gerissenen Bowdenzugs hat Markus Jährig vom Fachmagazin «Bike Sport News» als erfahrener Mountain-Bike-Führer parat: Sind Kabelbinder im Reisegepäck, lässt sich damit die Schaltung in einer gewünschten Stellung fixieren. «Man macht einfach einen Knoten in den Bowdenzug und befestigt die Schlaufe mit einem Kabelbinder in einer passenden Position am Rahmen», erklärt Jährig.

Ist die Feder des Schaltwerks gebrochen, hilft keine Behelfs-Justierung mehr - stattdessen aber ein kurzer Stock. Anstelle der Feder zwischen die Schenkel des Schaltwerks geklemmt, bringt er die Kette auf einen der mittleren Zahnkränze. Für die Wahl der richtigen Dicke hilft nur probieren.

Selbsthilfe ist praktisch. Doch wer häufig auf ausgewiesenen oder sehr beliebten Radrouten unterwegs ist, kann im Pannenfall auch auf professionelle Hilfe hoffen. Bettina Cibulski vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Bremen verweist auf einen stetig besser werdenden Service an den Strecken, etwa durch Fahrradwerkstätten oder Gasthöfe mit Werkzeugausstattung. Der ADFC arbeitet laut Cibulski gerade daran, im Internet herunterladbare Touren um GPS-Daten für die nächste Werkstatt zu ergänzen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+