Kultig! Renault 5 Prototype

Hin und weg und her damit

In den nächsten Jahren will Renault sein Angebot an reinen Elektroautos ausbauen – unter anderem durch ein Modell nach Vorbild des kultigen R5.
27.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Hin und weg und her damit
Von Oliver Matiszick
Hin und weg und her damit

Renault 5 (1972 bis 1985)

Renault

In den nächsten Jahren will Renault sein Angebot an reinen Elektroautos ausbauen – unter anderem durch ein Modell nach Vorbild des kultigen R5. Die Anzeichen, dass die jüngst vorgestellte Studie ab 2024 den Weg in die Serienproduktion finden wird, verdichten sich. Was soll man da noch sagen? Bitte so bauen!

Begegnungen mit dem Renault 5 sind ja zu einem seltenen Ereignis geworden – kommt es mal dazu, ist es beim Anblick sofort wieder da, dieses Gefühl von früher. Eine Melange aus verklärenden Erinnerungen, Sympathie und etwas Wehmut, dass der R5 schon so lange nicht mehr gebaut wird.

„Der kleine Freund“

Beworben wurde er einst als „Der kleine Freund“, und tatsächlich lagen in seinem Fall Werbung und Wahrheit nicht so furchtbar weit auseinander. Denn der R5, in keiner Generation länger als 3,65 Meter, war ja stets einer, den man eigentlich nur mögen konnte. Mit Ecken und Kanten, uneitel, nicht immer ein Ausbund an Zuverlässigkeit, aber sehr pragmatisch veranlagt – ein Kumpeltyp eben. Natürlich war der Clio, der ihn ab 1990 (endgültig wurde die R5-Produktion erst 1996 eingestellt) ersetzte, ein so viel moderneres Auto. Und doch gab es nicht wenige Kunden, die dem kleinen Charaktertypen nachtrauerten. Nicht unwahrscheinlich, dass all denen geholfen werden kann. Denn Nummer 5 könnte schon bald wieder leben.

Bekannte Formen

Mitte Januar enthüllte der Konzern den Renault 5 Prototype als Vorboten eines künftigen Elektromodells. Und auf diesem Sektor haben sich die Franzosen einiges vorgenommen: Bis 2025 sollen noch sieben reine E-Fahrzeuge neu ins Angebot kommen. Die Idee, beim Wandel vom Verbrenner zu alternativen Antrieben unter anderem auch auf die Neuinterpretation bekannter Formen zu setzen, ist mit Blick auf die Marktakzeptanz vermutlich nicht die schlechteste. Auch Fiat ist diesen Weg gerade gegangen und hat die Neuauflage des beliebten 500ers an E-Antriebe gekoppelt.

Gratwanderung

Die Aufgabe, vor die sich das Team um Designer Nicolas Jardin beim Entwurf eines neuzeitlichen R5 gestellt sah, war eine Gratwanderung. Die fast 50 Jahre alte Formensprache des Urmodells von 1972 sollte in die Gegenwart übertragen, hemmungsloses Retrodesign aber vermieden werden. „Es ging um die Transformation der historischen Vorlage in ein modernes Designobjekt”, erklärt Jardin, „um ein würdiger Nachfolger zu sein, musste der Neue genauso ausdrucksstark und lebendig auftreten.“

Unverkennbare Anleihen

Die Anleihen an das Vorbild sind unverkennbar – und doch tritt der moderne R5 unter Beibehaltung der Proportionen ganz anders auf. Wirkte das Original stets etwas schmalbrüstig (den außergewöhnlichen R5 Turbo aus den 80ern klammern wir hier mal aus), macht der Neue mächtig dicke Backen. Die Radhäuser sind ausgestellt, was optisch durch eine beachtliche Sicke im Bereich des Schwellers noch verstärkt wird. Ein weiterer beliebter Kniff, um eine dynamische Seitenansicht zu schaffen: Die schwarz eingefärbte B-Säule unterstützt den Eindruck einer durchgängigen Fensterfläche. Auch die dunklen hinteren Türgriffe beteiligen sich am Versteckspiel und sind unauffällig ins Fenstereck eingepasst.

Da E-Antriebe keinen Kühler brauchen, stellt der R5 Prototype eine geschlossene Frontpartie in den Wind – mitsamt beleuchtetem Rhombus, dem Markenzeichen. Mehr noch zeugt aber eine Etage tiefer der „Renault“-Schriftzug in der unteren Schürze vom selbstbewussten Auftritt – auch er strahlt, per LED illuminiert, in die Nacht hinaus.

Wachablösung für Zoe

Wie die technischen Kenndaten eines R5 der E-Moderne aussehen könnten – darüber lässt sich vorerst nur spekulieren. Fakt ist, dass er auf der Plattform mit der Bezeichnung CMB-EV steht, die die franko-japanische Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi für kleinere E-Modelle entwickelt hat. Es heißt, als Reichweite werden 400 Kilometer angepeilt; was allerdings nichts daran ändert, dass der R5 ausdrücklich als Stadtauto konzipiert wurde. Als solches könnte er über kurz oder lang den Zoe ablösen. Der ist zwar extrem erfolgreich, aber keiner, der deshalb gekauft wird, weil sich die Leute spontan und unsterblich in ihn verlieben.

Immer her damit

Diese Aufgabe wollen sie – gerüchtehalber ab 2024 – dann dem neuen R5 überlassen. Auch wenn die offizielle Bestätigung des Serienstarts noch aussteht, sprach Renault-Chef Luca de Meo bereits davon, dass der R5 ein E-Auto sein werde „zu einem Preis, den sich viele, viele Menschen werden leisten können“. Und wenn er denn annähernd in der Form des Prototype gebaut wird: Immer her damit. Auf dass man sich auch wieder öfter mal begegnet.

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