Verkehr Sicher auf der Straße - Senioren im Verkehrstraining

Mannheim. Führerschein auf Zeit für Senioren - in einigen europäischen Ländern ist dies üblich. In Deutschland gilt die Fahrerlaubnis dagegen auf Lebenszeit. Zu Recht oder zu Unrecht, darüber gibt es immer wieder Diskussionen.
26.07.2010, 11:30
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Mannheim. Führerschein auf Zeit für Senioren - in einigen europäischen Ländern ist dies üblich. In Deutschland gilt die Fahrerlaubnis dagegen auf Lebenszeit. Zu Recht oder zu Unrecht, darüber gibt es immer wieder Diskussionen.

«77-jähriger Geisterfahrer rammt Autos auf der Autobahn» - so und ähnlich lauten immer wieder Schlagzeilen. Doch sind Senioren wirklich schlechtere Autofahrer und verursachen mehr schwere Unfälle als Jüngere?. «Nein, sie sind nicht stärker an Unfällen beteiligt als andere», betont der Leiter Verkehrserziehung der Polizei in Mannheim, Thomas Jenne. Ältere Autofahrer seien sich meist ihrer körperlichen Schwächen bewusst. «Sie fahren deshalb langsamer und vorsichtiger.» Gefährlich seien vor allem Führerscheinneulinge.

«Die 65 plus machen bei weitem nicht so viele Unfälle wie die jungen Fahrer», heißt es auch beim Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft. Ältere Menschen seien erfahrene Fahrer und könnten sich meist richtig einschätzen. Aus Sicht der Versicherer sind junge Fahrer ein hohes Risiko. Sie verursachten schwere und viele Unfälle.

Seit zwei Stunden büffeln 14 Männer und eine Frau - alle älter als 65 Jahre - jetzt schon Verkehrsrecht beim «Verkehrstraining für Ältere Kraftfahrer» der Mannheimer Polizei. «Ich mache das zur Auffrischung, gerade weil ich noch keine Probleme mit dem Autofahren habe», sagt ein 75-Jähriger Heidelberger. Ein ebenfalls 75 Jahre alter Teilnehmer ergänzt: «Ich will mich fit halten». Er fährt nach eigenen Angaben regelmäßig und ohne Probleme nach Brandenburg. Körperlich fit hält er sich mit Bergwandern, Tauchen und Schlittschuhlaufen.

Spurlos geht das Alter jedoch auch an den Fittesten nicht vorbei. Die Beweglichkeit wird geringer und das Sehvermögen lässt nach. Im praktischen Teil des fünfstündigen Seminars erhalten die Teilnehmer daher Tipps, wie sie damit besser umgehen können. Zum Beispiel: Wenn das Umdrehen schwer fällt, beim Rückwärtsfahren nur durch den Spiegel schauen - keine leichte Übung. Die meisten Teilnehmer schaffen es nicht auf Anhieb durch den eng gesteckten Parcours des Verkehrsübungsplatzes rückwärts Slalom zu fahren. «Das ist die schwierigste Aufgabe und deshalb üben wir auch vorher, bevor wir sie den Teilnehmern zeigen», räumt Jenne augenzwinkernd ein.

Viermal im Jahr bietet die Mannheimer Polizei seit 1996 das Verkehrstraining für Senioren an. Die Nachfrage ist so groß, dass es künftig häufiger veranstaltet werden soll. Auch der Deutsche Verkehrssicherheitsrat hält freiwillige Tests und Trainings für ältere Autofahrer für empfehlenswert. Burkhard Gerkens, Referent für ältere Verkehrsteilnehmer, betont zugleich: «Ältere Menschen sind im Straßenverkehr eher gefährdet als gefährlich».

Bei den über 75-Jährigen steige - bezogen auf die Altersgruppe - allerdings der Anteil derjenigen, die mit dem Auto Unfälle bauten. Er sei ähnlich hoch wie bei jungen Leuten. In absoluten Zahlen ergibt sich dagegen ein anderes Bild: Rund 10 507 Autounfälle mit Verletzten gingen laut Statistischem Bundesamt 2009 auf das Konto der über 75- Jährigen, rund 51 900 wurden durch 18- bis 25-Jährige verursacht. Die Älteren sind weniger unterwegs, fahren kürzere Strecken und meist nicht zu Hauptverkehrszeiten, erläutert Gerkens.

«Manch einer hat nach dem Tag Verkehrstraining gesagt, dass er künftig seltener fahren wird», berichtet Jenne. Den Führerschein an Ort und Stelle abgegeben, habe bisher aber keiner und «das muss auch niemand», betont Jenne. Der bisher älteste Teilnehmer des Verkehrstrainings war übrigens ein 91-Jähriger. (dpa)

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