Campingbusse

Vogelfrei

Camping ist beliebter denn je. Aber was, wenn es nicht im Zelt sein soll? Kastenwagen, Bulli und 3,5-Tonner bieten mehr Luxus, fraglos: Klassisch, komfortabel, vielseitig oder praktisch – das ist eine Typfrage.
11.06.2021, 23:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Tobias Winkler
Vogelfrei

Ziemlich edel: der Marco Polo aus dem Haus Mercedes.

Mercedes-Benz

Campingtaugliches Alltagsgefährt, ein auch für die üblichen Routinefahrten einsetzbarer Bus oder ein ausgewachsenes Wohnmobil: Vor dieser Frage stehen derzeit mehr Menschen denn je. Der Trend zum Urlaub auf vier Rädern ist seit den 1960er-Jahren ungebrochen – Stichwort Woodstock und seine Nachfahren. Nicht zuletzt durch das Coronavirus und seine Mutationen verlassen sich jedoch zunehmend mehr Freunde des gepflegten Sommerurlaubs lieber auf sich selbst als auf die Reiseveranstalter, Pauschal- oder Bausteinreisen.

Klassisch, komfortabel, vielseitig oder praktisch veranlagt: Wer bin ich – und vor allem, welches Modell passt dazu? Für den geneigten Individualreisenden ist das eine keineswegs zu unterschätzende Glaubensfrage. Denn klar, Globetrotter sind eine besondere Gattung Mensch – und das Angebot, fraglos, das ist vielfältig. Ein Überblick.

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Der größte aus dem California-Stall: Volkswagens Grand.

Foto: Volkswagen

DER KLASSIKER: Volkswagen California

Dem traditionsbewussten Weltreisenden geht zweifelsohne nichts über einen VW. Mit der California-Serie aus Caddy, Transporter und Grand liefert die Hannoveraner Nutzfahrzeugsparte gleich dreifach ab. Wer im Alltag das Beisammensein mit der Großfamilie schätzt und mehrere Kinder durch den Tag kutschiert, vertraut ebenso auf den Transporter wie jener, der die Wochenenden mit der Holden genießt – im entlegenen Wald, in den Gebirgen oder an den Stränden dieser Welt. Seit wenigen Tagen fährt der Bulli als Generation T7 vor, kommt nun auf neuer Plattform und im futuristischen Retro-Chic.

Neuer Transporter im Anmarsch

Fortan auf der Basis des Modularen Querbaukastens (MQB) aufbauend, sind motorseitig mildhybridisierte Verbrenner und Plug-ins angekündigt. Ein durchlaufendes LED-Band an der Front und die hart gezeichneten Sicken geben derweil einen Vorgeschmack auf den vollelektrischen ID.Buzz. Die Frontscheibe und die Motorhaube stehen schon jetzt deutlich flacher im Wind als beim Vorgänger. So reißt eine zweite A-Säule seitlich kleine Dreiecksfenster auf, die an die Bulli-Generationen eins bis drei erinnern.

Die wichtigste Änderung: Die dritte Sitzbank fliegt aus dem Sortiment, es gibt nur noch Einzelsitze. Bis zu fünf – samt erster Reihe sind es sieben – lassen sich einbauen. Weiterhin lassen sich die Sessel entsprechend drehen und wenden, um die bewährte kleine Sitzecke zu errichten. Ein bisschen teurer als der noch erhältliche Multivan T6.1 (für Preise ab 35.960 Euro zu haben) soll der T7 noch dieses Jahr zum Händler rollen. Das grundausgestattete Kassenmodell kostet grob geschätzt etwas weniger als 40.000 Euro.

Eine Nummer größer: der Grand California

Wer auch die Kinder mit auf den Trip nehmen möchte, dem empfiehlt sich hingegen der Grand California. Auf das Gestell des 3,5-Tonners Crafter gesetzt, bekommt man eine Wohnung auf vier Rädern samt Nasszelle, Betten, Küchenzeile, Essecke und Dusche – kurzum, mit „einfach allem, was man benötigt“, sagt Nico Deutschmann vom Bremer Autohaus Schmidt und Koch. Grundpreis: rund 58.000 Euro.

Der kleinste des Trios: der Caddy

Für gelegenheitsreisende Pärchen kommt zudem der Caddy California infrage. „Ich sage immer, dass man sich schon verstehen sollte, wenn man gemeinsam in dem Wagen übernachtet“, erläutert Deutschmanns Kollege Steffen Morscheck. „Mehr als zwei Personen können darin nicht schlafen.“

Das Bett liegt auf ein Drittel zusammengefaltet im Kofferraum. Mitsamt der Tellerfeder und der Kaltschaummatratze lässt es sich im Handumdrehen entfalten. Ebenso wie bei den größeren Geschwistern gehören auch bei dem Kastenwagen ein Campingtisch und zwei Campingstühle zum Lieferumfang. Sie sind an der Unterseite des Bettes untergebracht. Kostenpunkt für die Basisversion: etwa 30.000 Euro.

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Ziemlich edel: der Marco Polo aus dem Haus Mercedes.

Foto: Mercedes-Benz

DER KOMFORTABLE: Mercedes-Benz Marco Polo

Wer den Geist von Woodstock inzwischen abgestreift hat und es weniger pragmatisch, dafür edler eingerichtet mag, sollte sich den Marco Polo aus dem Haus Mercedes anschauen. Die Produktfamilie besteht aus dem vollausgestatteten Campingbus sowie mit Aufstelldach, Sitz- und Liegebank versehenen Modellen. Die Preise für ein bereits vernünftig ausgestattetes Exemplar liegen bei rund 50.000 Euro – klar, die Preisliste ist nach oben offen, wie bei Campingmobilen üblich.

Basisfahrzeuge für Umbauten

Damit jeder sein Wunschmodell bekommt, stellt die Van-Sparte der Stuttgarter zahlreichen Herstellern von Reisemobilen Basisfahrzeuge für Aus- und Aufbauten bereit. „Vanlife erfreut sich weltweit großer Beliebtheit“, sagt Vertriebs- und Marketingchef Klaus Rehkugler. Der Trend gehe zu Exemplaren, die ebenso reise- wie alltagstauglich sind. „Hier spielen unsere Midsize-Vans – der Vito und die V-Klasse – aufgrund ihrer kompakten Außenmaße eine wesentliche Rolle.“

Größer oder kleiner? Geht auch mit Stern

Seit 2018 kommen zudem Modelle auf Sprinter-Basis in Schwung, darunter Exemplare von Traditionsunternehmen wie Bürstner, Carthago, Eura Mobil, Frankia, Hymer, Kabe oder La Strada. Der Held der Stadt ist in diesem Fall der Kastenwagen Citan. Bis dato galt der Ableger des Renault Kangoo als Mogelpackung: Die so pragmatisch gebaute wie bepreiste Technik der Franzosen, aufgehübscht mit ein paar kleineren gestalterischen Eingriffen – und das zum Mercedes-Premiumpreis? Das passte bislang nicht gut zusammen, ändert sich jedoch in Kürze. Das neue Modell steht in den Startlöchern, wird derzeit erprobt.

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Auch off-course überzeugend: der Poessl Campster in Cult-Musketier-Umbau.

Foto: Citroën

DER ALLROUNDER: Citroën Pössl Campster

Beim Citroën Pössl Campster auf Basis des Spacetourer trifft nicht nur Kompaktheit auf Reisekomfort. Der Franzose – mit Umbau von Musketier Exclusiv Tuning – besteht darüber hinaus auch offroad. Zu der umfangreichen Ausstattung gesellen sich dabei ein Frontbügel und ein Schwellerrohrsatz aus widerstandsfähigem Edelstahl. Dazu gibt’s einen Ladekantenschutz sowie den Offroadsatz Travel mit Mud-Terrain-Bereifung fürs grobe Gelände. Ein „Reise-Alleskönner“, attestiert die „Autozeitung“. „Vielseitig, kostengünstig und pfiffig.“

Dank des Panoramaaufstelldachs bietet der Camper bequeme Schlafmöglichkeiten für bis zu vier Personen. Der Innenraum kommt so funktional wie wohnlich daher. Drehbare Vordersitze und eine Zweier-Sitzbank lassen sich mit dem Küchenmodul kombinieren. Auf Wunsch weicht dieses einer zusätzlichen Sitzbank, sodass bis zu sieben Personen im Fahrzeug Platz finden. Kosten: rund 55.000 Euro.

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Ford liefert mit dem Westfalia Nugget Plus ein ziemlich praktisches Fahrzeug.

Foto: Ford

DER PRAKTIKER: Ford Nugget Westfalia

Mit den Custom-Modellen von Transit und Tourneo liefert Ford komplett ausgestattete Freizeitmobile, aber auch Grundlagen für Aufbauten der Caravaning-Industrie. Zu den Höhepunkten zählt zweifelsohne der Nugget Plus, die Langversion des Campingbus-Klassikers inklusive Toilette und Klappwaschbecken. „Von Wochenendausflügen bis hin zu Ferienaufenthalten mit der ganzen Familie beobachten wir eine wachsende Nachfrage nach Fahrzeugen wie dem Nugget, die Abenteuer und Freiheit bieten, aber auch hohen Alltagsnutzen“, sagt Hans Schep, General Manager Commercial Vehicles.

Den Umbau übernimmt Westfalia aus Rheda-Wiedenbrück. Äußerlich am Hochdach erkennbar, punktet das Fahrzeug innen mit einer konsequenten Trennung von Wohn-, Küchen- und Funktionsbereich. Der Küchenblock besteht aus einer Chrom-Nickelstahl-Spüle, einem Waschbecken und einem zweiflammigen Gaskocher. Eine 40-Liter-Kompressor-Kühlbox sorgt für wohltemperierte Lebensmittel. Und auch für Frisch- und Abwasser ist gesorgt, dafür sind Tanks mit jeweils 42 Litern Fassungsvermögen an Bord.

Besonders erfrischend: die Außendusche an der Küchenrückseite. So lässt es sich bei Morgendämmerung in den Tag starten – mit Ausblicken, die begeistern. Der Umbau hat allerdings auch seinen Preis. Mit 58.963 Euro geht es los.

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