Fahrbericht VW T-Roc Cabriolet Knallbunt im Sommer

Dieses ungewöhnliche Auto aus Wolfsburg zieht auf den Straßen einige Blicke auf sich: Der offene T-Roc von VW ist ein experimenteller Mix aus SUV und Cabriolet. So verliefen die Testfahrten durch Bremen.
02.07.2022, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Anja Semonjek

Scheint in Norddeutschland die Sonne, zieht sie viel Aufmerksamkeit auf sich. Dann schweifen die Gedanken darum, das schöne Wetter zu genießen. Wenn Sonnenanbeter auf der Suche nach einem neuen Auto sind, ist sicherlich ein Cabriolet eine gute Wahl: Mitten im Alltag, auf dem Weg zu Baumarkt, Arbeit oder Sportverein können sie Vitamin D tanken, während des Fahrens. So kann Sommer gehen! Diese Open-Air-Gefühle macht auch das VW T-Roc Cabriolet möglich. Es handelt sich um das einzig offene Modell, das VW noch fabriziert – in Osnabrück, wo bis 2016 das Golf Cabrio hergestellt wurde.

Und nicht nur das macht diesen T-Roc so besonders: Er ist auch das einzige SUV-Cabriolet, das auf dem Markt ist. Somit verbinden die Wolfsburger einen neuen Trend mit einem nicht mehr aktuellen: Während der Markt mit SUV gut bestückt ist, gibt es kaum noch Cabriolets, da die Nachfrage gering ist. Pionier ist VW mit dieser außergewöhnlichen Mischung aber nicht: Land Rover startete 2016 die Produktion des Range Rover Evoque, 2019 stellten die Briten sie jedoch ein.

Ganz schön bullig sieht der offene VW aus – typisch SUV eben. Allerdings sieht das Ganze nur nach Offroad aus, denn Allradantrieb hat es nicht. Bleibt also die Frage, ob Cabriofans von dem massigen Auftritt angetan sind, den das Crossover-Design mit sich bringt. Wenn dann auch noch die Fahrzeugfarbe „Kings Red“ heißt und dementsprechend knallig vorfährt – dann hat das mit Zurückhaltung nicht viel zu tun.

Aber muss man sich dafür schämen, in einem königsroten SUV-Cabrio durch die Gegend zu fahren, womöglich noch mit leicht aufgedrehten Musikboxen? Nein – denn zur Protzerei verleitet einen der T-Roc nicht. Im Gegenteil: Er lädt vielmehr dazu ein, farbenfrohe Sommergefühle auszuleben.

Dieser Spaß beginnt mit einem Knopfdruck – mit dem das vollelektrische Stoffdach eingefahren wird, und zwar in neun Sekunden. Einfacher und schneller geht es wohl nicht. Mit dem Verdeck hat VW übrigens ein bereits Erprobtes eingebaut: Im Golf Cabrio wurde dieselbe Kapuze verwendet.

Und der Genuss? Den fördert auch die erhöhte Sitzposition, die für ein SUV typisch ist. Dort oben hat man einen komfortablen Überblick über das Straßengeschehen – im Gegensatz zu sportlicheren, tieferen Cabriolets nach Art eines Mazda MX-5 muss dem Fahrer somit bei aller Offenheit und dem Blick auf die Radkästen anderer Fahrzeuge nicht bange werden. Gemütlich und in aller Ruhe lässt sich in dem offenen VW dahingleiten.

Dazu passt auch die Motorisierung, die wenig Sportsgeist zeigt, aber für ein bequemes Fahrerlebnis ausreicht: Das getestete T-Roc Cabriolet Style 1.0 begnügt sich mit einer Leistung von 81 kW (110 PS), die für eine Beschleunigung innerhalb von 11,7 Sekunden auf Tempo 100 gut sind. Es gibt nur eine alternative Motorisierung, jenen Vierzylinder-Turbobenziner, der innerhalb des VW-Konzerns breit eingesetzt wird und 110 kW (150 PS) mobilisiert.

Die Basismotorisierung des T-Roc Cabrios soll 6,3 Liter Super pro 100 Kilometer verbrauchen – bei unseren Ausfahrten errechnete der Bordcomputer sogar nur 5,7 Liter – was womöglich auch auf das Konto der Gangwahlempfehlung im digitalen Cockpit ging, die zum Einlegen einer möglichst spritsparenden Fahrstufe mahnt.

Als Dreitürer mit fünf Sitzen ist der offene T-Roc konzipiert, wobei es nur auf den vorderen Sitzen richtig geräumig ist – auf der Rückbank wird es, cabriotypisch eben, recht eng. Und auch windiger ist es hinten, es kann aber optional ein Windschott eingebaut werden. Auf den Vordersitzen pfeift es vor allem auf der Autobahn; die Windschutzscheibe bietet hier Schutz, allerdings ist sie doch recht niedrig geraten. Menschen, die größer als 1,80 Meter sind, merken die Luftzüge über der Stirn womöglich. In jedem Fall empfiehlt sich für eine Fahrt mit Tempo, längere Haare mit einem Zopfgummi zusammenzubinden, dann fliegt der Schopf nicht zu wild umher.

Im Interieur gibt es einige technische Höhepunkte, die die Fahrt mit dem T-Roc angenehm gestalten. Das Digitalcockpit macht sich nützlich, indem es Straßenschilder ebenso einblendet wie die erlaubte Höchstgeschwindigkeit, den Verbrauch, eine Kartenansicht und einiges mehr. Zusätzlich gibt es ein acht Zoll großes Zentraldisplay (optional 10,25 Zoll). Die Liste der nützlichen Features, die als Sonderausstattung geordert werden können, ist umfangreich: Das Soundsystem „beats Audio“, die Rückfahrkamera, das schlüssellose Schließ- und Startsystem „Keyless Access“ oder eine Diebstahlwarnanlage. Letztere kostet 350 Euro und ist gerade für ein Cabriolet sicherlich eine Überlegung wert.

Das Navigationssystem „Dis­cover Pro“ inklusive Internetanbindung gehört mit 1765 Euro zu einer der teureren Optionen und hat als einzige Funktion einige Male für Verstimmungen im Umgang mit dem VW gesorgt. Etwa bei der Bedienung des Digitalradios – der Wechsel und die Suche zu Lieblingssendern dauerte immer ein wenig länger als erhofft. Problemlos und schnell dagegen die Kopplung mit dem Smartphone – vor allem beim iPhone und über Apple CarPlay gab sich das System keine Blößen.

VW T-Roc ja, aber vielleicht nicht als Cabriolet? Wer vor dieser Frage steht, landet unweigerlich bei den Fakten. Ist der geschlossene T-Roc mit Blechdach bereits ab 23.495 Euro erhältlich, startet die Oben-Ohne-Version ab 28.685 Euro. Länge, Breite und Höhe sind zwar bei beiden Modellen ähnlich, aber das Kofferraumvolumen variiert – 392 bis 1237 Liter sind es beim geschlossenen T-Roc, 275 bis 470  Liter beim Cabriolet. Praktischer und auch günstiger ist der normale T-Roc somit in jedem Fall. Ist die offene Version also letztlich eine unnötige Spielerei? Wer so pragmatisch denkt, hat die ganze Sache ohnehin missverstanden. Denn für wahre Fans des Sonnentankens und der automobilen Urlaubsgefühle dürfte dieser T-Roc mit Stoffverdeck die bessere Alternative sein.

Info

Modell T-Roc Cabriolet Style

 1.0 TSI OPF

Motor R4-Benziner

Hubraum 999 ccm

Leistung 81 kW/110 PS

Drehmoment 200 Nm

Höchstgeschwindigkeit  185 km/h

Beschleunigung (0–100km/h) 12,3 s

Verbrauch (ø nach WLTP) 6,3 l 100 km

CO2-Ausstoß (nach WLTP) 142 g/km

Abgasnorm Euro 6d

Abmessungen (L/B/H) 4,27/1,81/1,52 m

Kofferraumvolumen 284 Liter

Testwagenpreis 40.550 Euro

Basispreis (Style) 31.850 Euro

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