Meister der Beschleunigung

Was den Rimac Nevera so besonders macht

Wer bitte ist Mate Rimac? Enzo Ferrari, Ferrucio Lamborghini und natürlich Ferry Porsche sind Autofahrern ein Begriff. Doch den jungen Kroaten kennt kaum jemand. Ein Fehler. Denn mit dem Nevera baut er jetzt einen der schnellsten Sportwagen der Welt.
28.07.2021, 04:55
Lesedauer: 2 Min
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Von dpa

Berlin (dpa-infocom) - Kroatien ist auf der Weltkarte des Automobilbaus bislang ein ziemlich weißer Fleck. Aber immerhin ist hier vor über 150 Jahren ein gewisser Nikol Tesla zur Welt gekommen, einer der Pioniere der Elektrotechnik.

Jetzt ringt ein weiterer Kroate um Ruhm in der Welt der Ingenieure. Der gerade einmal 33 Jahre alte Start-up-Unternehmer Mate Rimac hat es geschafft, Firmen wie VW, Porsche oder Hyundai als Teilhaber zu gewinnen. Und wenn Rimac im Sommer zu Preisen ab 2,4 Millionen Euro seinen Nevera von der Leine lässt, bekommt nicht nur Tesla Konkurrenz. Auch Lamborghini, Ferrari und Bugatti dürften dann abgemeldet sein. Denn stärker und schneller als der elektrische Stürmer aus Kroatien ist aktuell kaum ein anderes Straßenauto.

Wie ein Astronaut beim Raketenstart

Wer in der außen vergleichsweise konventionellen und innen recht gehobenen Karbonflunder Platz nimmt, fühlt sich nur noch ganz kurz wie ein Autofahrer. Sobald das Fahrpedal auch nur etwas Druck verspürt, erlebt man die Welt wie ein Astronaut beim Raketenstart. Nur dass diese Rakete nicht senkrecht, sondern waagerecht ihre Bahnen zieht - und das Ganze auch noch in gespenstischer Ruhe.

Umso brachialer fühlt es sich an, wenn einem die Beschleunigung mit der Kraft von über 2000 Nm in den Magen fährt und das Hypercar die Welt vor den Fenstern verschwimmen lässt: Schneller als das Auge die Ziffern im Display erfassen kann, schießt der Nevera in 1,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100, und danach geht der Supersprint mühelos weiter. 150, 200, 250, 300 mm/h - wo selbst die stärksten Supersportwagen mal Luft holen müssen, erlaubt sich der Rimac keine Verzögerung.

Der Supertrumpf im Autoquartett

Möglich macht diesen Kraftakt ein konkurrenzloser Antrieb. Im Herzen der Karbon-Konstruktion stecken zwei E-Motoren mit je 200 kW und 280 Nm an der Vorderachse und noch einmal zwei mit 500 kW und 900 Nm im Heck. Zusammen macht das 1400 kW - nach alter Währung 1904 PS - und 2360 Nm. Das sichert dem Nevera nahezu jeden Stich im Autoquartett.

Aber die vier Motoren ermöglichen nicht nur ein Erlebnis, das explosiver kaum sein könnte. Sondern weil jeder Motor einzeln angesteuert wird und die Kraft so perfekt verteilt werden kann, setzt der E-Sportwagen vom Balkan auch Bestmarken beim Handling. Je nach eingestelltem Fahrprofil mal messerscharf, mal nonchalant und zur Not auch mal quer mit qualmenden Reifen, fühlt er sich auf der Rennstrecke genauso so zu Hause wie auf der Autobahn oder der Landstraße. Dabei wirkt er kleiner und leichter als man es bei einem Auto von fast zwei Metern Breite und mehr als zwei Tonnen Gewicht erwarten würde. Und das ist nicht die einzige Sinnestäuschung. Dank der souveränen Performance geht auch das Gefühl für die Geschwindigkeit verloren.

Speicher der Superlative

Die Energie dafür liefert ein weiterer Superlativ: Mit 120 kWh ist der Akku größer als bei jedem anderen Elektroauto und garantiert damit eine Reichweite von 550 Kilometern. Zumindest im Normzyklus. Doch selbst wer etwas schneller fährt, sollte 300 Kilometer schaffen. Erst auf der Rennstrecke geht der Verbrauch ins gigantische und der Rimac muss nach ein paar Minuten an die Box. Aber immerhin lädt er dort auch schneller als jedes andere Auto - oder könnte das zumindest tun. Denn mit einer Ladeleistung von 500 kW ist Rimac weiter als die Infrastruktur, so dass Käufer noch ein wenig warten müssen, bis sie tatsächlich 80 Prozent in 19 Minuten nachladen können.

Fazit: Teurer Innovationsbringer für die E-Mobilität

Zwar dürfte der Rimac Nevera in erster Linie solvente Sportwagenfans ansprechen. Doch als Faszinationsobjekt wirbt er auch für die Elektromobilität insgesamt. Zudem macht er vor, wie sich künftig auch bezahlbarere Autos für die elektrische Revolution rüsten könnten.

Datenblatt: Rimac Nevera

© dpa-infocom, dpa:210712-99-350659/11

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