Wissen: Befragung zum Thema Parken Mutlos zur Lücke

Autos und der urbane Raum: Das ist – nicht nur in Bremen – eine heikle Beziehung. Individualverkehr erfordert Fläche, vor allem auch dann, wenn Fahrzeuge nicht genutzt werden. Eine Studie zeigt: Das stresst.
15.05.2021, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Mutlos zur Lücke
Von Oliver Matiszick

Zu den Themen, die Autofahrer stets heftig bewegen, zählt ja seit jeher der Stillstand ihres Fahrzeugs. Klingt seltsam, ist aber so. Entweder geht es dabei um schlecht geplante Verkehrsflüsse oder aber um Staus. Viel öfter aber steht das Parken im Fokus der Diskussionen. Die Emotionalität, mit der in den Leserbriefspalten und auf der Homepage des WESER-KURIER etwa die Pläne zur Einführung höherer Gebühren für das Anwohnerparken in Bremer Quartieren kommentiert werden, spricht für sich.

Dabei ist es nur ein Teilaspekt des Grundproblems: Wenn das Auto nicht für den Transport von A nach B genutzt wird, muss es ja irgendwo hin. Ob nun nach Feierabend im Wohngebiet, tagsüber während der Arbeitszeit von Pendlern oder beim Besuch der Innenstadt. Und genau dieser Umstand löst bei denen, die keine Garage oder einen Stellplatz ihr Eigen nennen können, zunehmend Stress aus. Auch das zählt zu den Ergebnissen einer aktuellen Studie rund um das Thema Parken.

Immer ein Thema: Ist der Parkplatz groß genug?

Beauftragt hatte die Befragung „Park now“, ein Anbieter für digitale Parklösungen per App, an dem auch die Hersteller BMW und Daimler AG beteiligt sind. 501 Frauen und 491 Männern im Alter von 18 bis 65 Jahren haben daran im März online teilgenommen.

Das, was die Parkplatzsuche demnach anstrengend macht, geht über die grundlegende Frage nach der Verfügbarkeit deutlich hinaus. Denn ist eine Lücke am Straßenrand oder ein freies Parkhaus gefunden ist, geht es um die Größe der Fläche. Hier ergeben zwei Faktoren eine ungute Kombination. Einerseits werden die Autos – und wir reden hier nicht vom urbanen Feindbild SUV, sondern von jeder Klasse, angefangen bei Kleinwagen – seit Jahren sicherer, komfortabler und damit größer. Andererseits entspricht die Größe der angeboten Parkflächen oft genug jahrzehntealten Vorgaben. 30 Prozent halten die Stellplätze in Parkhäusern so für zu schmal, jeder Vierte findet zudem, dass die Kurven dort zu eng gehalten sind.

Am Steuer halten sich alle für meisterhaft? Von wegen 

Insgesamt fühlt sich rund ein Drittel der Befragten daher gestresst, wenn das Fahrzeug in eine Parklücke manövriert werden muss – ein kleiner, aber ärgerlicher Schaden ist schließlich schnell produziert. Klar, fast jeder Neuwagen verfügt inzwischen über akustische und/oder ­visuelle Einparkhilfen, teilweise sogar ­automatisierte Assistenzsysteme. Aber es fahren nun einmal nicht alle Menschen moderne Autos.

Das geht so weit, dass zwölf Prozent der Befragten lieber ihr Auto stehen lassen und mit Rad, Bus oder Bahn fahren, weil sie befürchten, dass die Parkplätze am Zielort zu klein sein könnten. Randnotiz: Entgegen gängiger Vorurteile halten sich die meisten Autofahrer nicht für meisterhafte Lenkradartisten. Nur 38 Prozent der Befragten schätzen ihre Einparkkünste demnach als gut ein.

Bitte nicht nachmachen: Einparken nach Gehör

Dazu passt: Zwölf Prozent gaben zu, schon einmal ihr Auto beim Parken beschädigt zu haben. Das kann passieren, geht aber wenigstens auf die eigene Rechnung. Weniger gut: Fünf Prozent haben zumindest schon mal ein fremdes Auto beschädigt, ohne dies zu melden. Der Wert deckt sich mit folgender Ein­stellung: Fünf Prozent der Befragten halten es für unproblematisch, nach Gehör und Gefühl einzuparken. Heißt: andere Fahrzeuge bei engen Lücken ruhig an der Stoßstange zu touchieren.

Auch hier gilt, dass Nach­machen keine gute Empfehlung ist. Als Autos noch robuste Stoßstangen im Wortsinn hatten, war das kein Thema. Bei den lackierten Stoßfängern der Gegenwart wird der Parkrempler jedoch ziemlich schnell richtig teuer. Und da kommt dann nicht ­einmal mehr eine erhöhte Gebühr für das Anwohnerparken mit.

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