Recht BGH: Keine Haftung bei öffentlicher Pferdeauktion

Karlsruhe. Das Risiko liegt beim Pferdenarren: Kommt ein Tier bei einer öffentlichen Versteigerung unter den Hammer, gilt das Prinzip «wie besichtigt und geritten». Schadenersatz wird der Käufer später nur schwer einfordern können.
24.02.2010, 16:30
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Karlsruhe. Das Risiko liegt beim Pferdenarren: Kommt ein Tier bei einer öffentlichen Versteigerung unter den Hammer, gilt das Prinzip «wie besichtigt und geritten». Schadenersatz wird der Käufer später nur schwer einfordern können.

Das geht aus einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe hervor (Aktenzeichen: VIII ZR 71/09). Danach gelten für eine öffentliche Auktion nicht die Regeln eines normalen Kaufvertrags, mit denen der Verbraucher bei Mängeln sein Geld leichter zurück bekommt. Im konkreten Fall heißt das, die Klägerin muss deutliche Nachweise für die monierte Unart ihrer Stute liefern. «Die Beweislast liegt bei der Klägerin», sagte Richter Wolfgang Ball. «Hat sie nicht genügend Nachweise, wird sie verlieren.»

Die Frau, die hobbymäßig eine Gestüt betreibt, hatte das Tier im Januar 2005 bei einer Auktion des Verbandes hannoverscher Warmblutzüchter für knapp 160 00 Euro erstanden. Dieser hatte einen öffentlich bestellten Versteigerer engagiert, was die Veranstaltung laut BGH-Urteil zu einer öffentlichen Auktion machte. Damit waren auch Vorschriften nicht zu beanstanden wie eine Klausel zur Haftung des Verbandes, wonach die Pferde «wie besichtigt und geritten» den Besitzer wechselten.

Nach dem Zuschlag kam die Ernüchterung: Das Pferd zeigte die Unart, häufig sehr lautstark Luft einzuatmen. Das Verhalten - im Fachjargon «Freikoppen» genannt - ist nicht nur unschön, sondern hat spürbare Auswirkungen: Es kann verstärkt zu Koliken kommen, und der Wert des Tieres sinkt. Darum will die Besitzerin ihr Geld zurück: Neben dem Kaufpreis fordert sie vom Zuchtverband Entschädigung für entstandene Kosten - insgesamt bis zu 200 000 Euro.

Hätte sie das Pferd nicht bei einer Auktion, sondern beim Züchter gekauft, wären die Erfolgsausichten nicht schlecht: Zum Schutz des Verbrauchers geht das Gesetz davon aus, dass der Mangel bereits beim Verkauf vorlag, wenn er sich innerhalb der nächsten sechs Monate zeigt. Weil sie sich aber nicht auf die Vorschriften des «Verbrauchsgüterkaufs» stützen kann, muss nun die Pferdebesitzerin beweisen, dass dem so ist. Anhaltpunkte gibt es dafür, meinten die Karlsruher Richter. Darum verwiesen sie den Fall zurück an das Oberlandesgericht Köln, wo nun ein Sachverständiger eingeschaltet werden soll. (dpa)

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