Draht & Esel

„Bis Vegesack ist es mit dem E-Bike ein Klacks“

Herbert Bannas ist im Ostertor geboren und aufgewachsen. Seit 22 Jahren hat der 65-Jährige seine Praxis für Physiotherapie in der Brunnenstraße. Er erzählt von seiner Fahrradleidenschaft.
28.10.2018, 10:00
Lesedauer: 3 Min
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„Bis Vegesack ist es mit dem E-Bike ein Klacks“
Von Nina Willborn
„Bis Vegesack ist es mit dem E-Bike ein Klacks“

Herbert Bannas

Christina Kuhaupt
Das erste Mal auf zwei Rädern

Mein erstes Fahrrad war ein altes, gebrauchtes. Es war ein Geschenk von den Nachbarn und für mich damals noch viel zu groß. Also musste der Sattel auf die tiefste Stufe gestellt werden und selbst dabei „radierte“ ich noch mit dem Po. Aber in der Heinrichstraße im Ostertor war ich mit dem Rad der König.

Das aktuelle Fahrrad

Ich fahre seit Juli 2014 ein E-Bike, das Modell Vitality von Kreidler. Mit dem bin ich jetzt schon mehr als 10 000 Kilometer gefahren. In den späten Sechzigern reichte es für mich nicht zu einem damals angesagten Kreidler-Florett-Moped. Deshalb musste es nun nach mehr als 40 Jahren das E-Bike von Kreidler sein. Vor allem, nachdem ich bei meiner Frau, die ihr E-Bike ein halbes Jahr vor mir gekauft hatte, gesehen habe, wie angenehm es sich damit fahren lässt.

Die schönste Tour

Oh, das ist schwierig zu beantworten. Ich habe viele tolle Erlebnisse mit dem Fahrrad gehabt. Eine Reise kann ich jedoch hervorheben: Anfang der 90er Jahre sind meine beiden Jungs und ich mit dem Rad nach Texel gefahren. Wer den Weg nach Texel kennt, weiß, dass fast am Ende der mehr als 30 Kilometer lange geradezu schnurgerade Abschlussdeich wartet. Hier gibt es kaum Möglichkeiten, Wind und Regen auszuweichen. Die Überfahrt dauerte mehr als drei Stunden. Wir waren fix und fertig, aber auch stolz wie Bolle, es geschafft zu haben. Auf der Rückfahrt, der Wind hatte nicht gedreht und es war ein richtiger Schiet-Sommer, sind wir dafür mit Rückenwind in nur 40 Minuten über den Damm geflogen.

Die Vorgängermodelle

Vor meinem E-Bike bin ich Gazelle-Hollandräder und Manufaktur-Trekkingräder gefahren.

Der letzte Diebstahl

Der ist schon lange her, ich schätze mal mehr als 20 Jahre. Davor sind mir aber drei Räder in relativ kurzen Abständen geklaut worden. Das war heilsam, seitdem verwende ich nur noch die dicksten Schlösser.

Die Lieblingsstrecke

Mittlerweile bin ich alle Touren in Bremen und umzu abgefahren. Ich finde, dass jede ihren eigenen Reiz hat. In so einem schönen Sommer wie diesem gehört es einfach dazu, ein Mal in der Woche mit dem Rad zum Eisessen bei Kaemena auf dem Wümmedeich zu fahren. Mit dem E-Bike ist es auch ein Klacks, bis nach Vegesack zu radeln und mit der Ozeana, den Sonnenuntergang im Rücken, zurück nach Bremen zu schippern.

Der ausgefallenste Fahrradschmuck

Als ich ungefähr zehn oder elf Jahre alt war, hatte ich einen Fuchsschwanz am Gepäckträger. Das war damals angesagt. Heute gibt es als maximalen Schmuck eine Werderraute.

Die am häufigsten gefahrene Strecke ...

... war mein früherer Weg zur Arbeit nach Brinkum. Den bin ich zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter gefahren.

Der schlimmste Unfall

Auf Weg nach Brinkum bin ich mal von einem Kleinlasterfahrer übersehen worden. Der bog rechts ab und meine Jacke hat sich dabei an der Ladefläche verhakt. Aufmerksame Passanten haben den Fahrer darauf aufmerksam gemacht, dass ich an seinem LKW hing. Außer einem Schrecken und Hautabschürfungen ist mir nichts weiter passiert. Da habe ich richtig Glück gehabt.

Elektrobike-Fahrer sind …

... im Moment noch häufig ältere Menschen. Als ich damals mein E-Bike gekauft habe, haben mich im Bekanntenkreis viele belächelt. Inzwischen überlegen die auch alle, sich welche zu kaufen, wenn sie längst nicht schon welche haben. Ich denke, dass gerade ältere Menschen mit E-Bikes Lebensqualität zurückgewinnen können, weil sie so leichter ihre Touren machen können und sogar bei gleicher körperlicher Anstrengung weiter kommen als mit normalen Rädern. Ich beobachte aber auch immer mehr jüngere, sportlich fahrende E-Biker.

Ich fahre gerne Fahrrad, weil …

... das Fahrrad das beste Fortbewegungsmittel ist, das ich kenne. Man kommt überall hin. Es stinkt nicht. Es nimmt keinen Platz weg. Fahrradfahren ist cool.

Fahrradfahren in Bremen ist …

... einfach, weil nahezu die meisten Strecken gerade sind. Wir haben kaum Hügel oder gar Berge. Das Fahrradwegenetz finde ich okay. Was ich mir wünschen würde, wäre, dass die Fahrradfahrer untereinander aufmerksamer miteinander umgehen sollten. Und bei den tollen Strecken in und um Bremen herum verstehe ich nicht, warum viele Fahrradfahrer so griesgrämige Gesichter machen.

Die Fragen stellte Nina Willborn.

Info

Zur Person

Herbert Bannas

ist im Ostertor geboren und aufgewachsen. Seit 22 Jahren hat der 65-Jährige seine Praxis für Physiotherapie in der Brunnenstraße. Er lebt mit seiner Frau nach wie vor im Viertel.

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