Brandenburgische Wölfe rücken an die Hauptstadt heran

Berlin·Groß Schönebeck. Die Aufregung ist groß: „Nur 38 Kilometer vor Berlin!“, lautete eine der reißerischen Schlagzeilen vor wenigen Tagen. In der Nähe von Beelitz, im südwestlichen Umland von Berlin haben Wölfe fünf Schafe getötet.
12.10.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Peter Gärtner

Die Aufregung ist groß: „Nur 38 Kilometer vor Berlin!“, lautete eine der reißerischen Schlagzeilen vor wenigen Tagen. In der Nähe von Beelitz, im südwestlichen Umland von Berlin haben Wölfe fünf Schafe getötet. Nach Angaben des Potsdamer Umweltministeriums wurden in Brandenburg in diesem Jahr insgesamt 22 Schafe von den streng geschützten Raubtieren gerissen. 2012 waren es noch 50, 2011 sogar 87. Für alle geschädigten Tierhalter sieht der Wolfsmanagementplan des Landes eine Entschädigung vor, wenn alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden sind. Dazu gehören beispielsweise Elektrolitzenzäune, die die Schafe schützen sollen.

Seit der Wolf nach Deutschland zurückgekehrt ist, häufen sich Beschwerden und Ängste. Das märchenhafte Bild vom bösen Wolf und Schauergeschichten von ausgehungerten Tieren sind offenbar tief im kollektiven Gedächtnis verankert. Von den rund 120 Wölfen leben allein in der Mark inzwischen sieben Rudel, mit insgesamt gut 90 Tieren. Durch Fotofallen und die Auswertung von Losungen ist das Ministerium ziemlich umfassend über den Rückkehrer informiert. So weiß man auch, dass nur 0,6 Prozent der Wolfsnahrung aus Schafen und anderen Nutztieren besteht.

Doch die Statistik beruhigt nicht immer. In Gebieten, wo seit Jahren wieder Rudel leben, haben manche Bewohner schlichtweg Angst, in den Wald zu gehen. Jäger mögen den Wolf, der hier 150 Jahre lang ausgerottet war und sich vor allem von Rot-, Dam- und Schwarzwild ernährt, schon aus Konkurrenzgründen nicht. Bauern sehen ihn als Feind an, der nachts ihre Schafe holt. „Er hat uns überhaupt nicht gefehlt“, erklärte jetzt Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbunds Brandenburg, der Wölfe von Gebieten mit Weidehaltung ganz fernhalten möchte. Am liebsten würde er die Raubtiere in Berlin und Potsdam ansiedeln – „da ist die Akzeptanz ja bekanntlich am größten“.

Tatsächlich war der Wolfsbeauftragte Brandenburgs bereits bei seinen Naturschutz-Kollegen in der Hauptstadt. Man will vorbereitet sein. Wölfe legen täglich rund 50 Kilometer zurück, die Reviere der Rudel umfassen bis zu 350 Quadratkilometer.

Langsam wird es eng in Brandenburg. Gut möglich, dass sich einige Jungwölfe, die in den nächsten Monaten das elterliche Rudel verlassen, in den Wäldern am Rand von Berlin und Potsdam ein Revier suchen. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Meister Isegrim ein echter Hauptstädter sein wird.

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