Pekings Militärs beschleunigen Flugkörper auf mehr als 6100 Kilometer pro Stunde

China testet superschnelle Angriffswaffe

Das chinesische Militär hat nach eigenen Angaben erfolgreich einen Hyperschallflugkörper getestet. Damit ist die Volksrepublik das zweite Land der Welt, das über diese hochkomplexe Technologie verfügt. Diese könnte es ermöglichen, innerhalb einer Stunde jedes Angriffsziel auf dem Planeten zu erreichen.
16.01.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
China testet superschnelle Angriffswaffe
Von Felix Lee
China testet superschnelle Angriffswaffe

Die USA verfügten zuerst über Flugkörper, die den Hyperschallbereich erreichen können – hier ein Testmodell aus dem Jahr 2009.

ZUMA PRESS, INC., action press

Das chinesische Militär hat nach eigenen Angaben erfolgreich einen Hyperschallflugkörper getestet. Damit ist die Volksrepublik das zweite Land der Welt, das über diese hochkomplexe Technologie verfügt. Diese könnte es ermöglichen, innerhalb einer Stunde jedes Angriffsziel auf dem Planeten zu erreichen.

Vor nicht allzu langer Zeit hatten ausländische Militärexperten Chinas Waffenarsenal noch belächelt. Die Raketen, die die Volksbefreiungsarmee auf Militärparaden präsentierte, wirkten marode und galten technisch als veraltet. Inzwischen aber haben die Chinesen gewaltige Fortschritte gemacht – und sich zu einem ernsthaften Konkurrenten der USA entwickelt.

Das US-Verteidigungsministerium berichtet nun zuerst davon, dass das chinesische Militär vor einer Woche einen auch zum Transport von Nuklearwaffen geeigneten Flugkörper getestet hat, der dabei angeblich Hyperschallgeschwindigkeit erreicht haben soll. Eine Langstreckenrakete habe das Vehikel zunächst ins All gebracht. Dort habe es sich von dem Träger gelöst und sei anschließend mit Hyperschallgeschwindigkeit über die Erde hinweggerast. Von Hyperschallgeschwindigkeit spricht man bei mindestens fünffacher Schallgeschwindigkeit – mehr als 6175 Kilometer pro Stunde.

„Weil wir routinemäßig die ausländischen Militäraktivitäten beobachten, haben wir von dem Test erfahren“, berichtete Pentagon-Sprecher Jeffrey Pool gegenüber US-Medien. Zugleich kritisierte er die Informationspolitik der Chinesen: „Um Fehleinschätzungen zu vermeiden, würden wir uns von China mehr Transparenz wünschen.“ Peking bestätigte gestern Abend nach anfänglicher Zurückhaltung dann doch, dass es einen Hyperschallflugkörper getestet hat.

Flugkörper, die sich mit Hyperschallgeschwindigkeit bewegen, gelten derzeit als die schnellsten überhaupt denkbaren Waffenträger. Wenn die Technik erst einmal ausgereift ist, sollen sie nach Vorstellung von Militärs binnen einer Stunde jeden Ort der Erde erreichen können. Während Langstreckenraketen frühzeitig vom gegnerischen Radar erfasst und ihre Zielgebiete schnell errechnet werden können, ist eine Abwehr von mit Hyperschallgeschwindigkeit angreifenden Flugkörpern kaum noch möglich: Diese sind so schnell, dass man sie mit Raketen nicht mehr abschießen kann.

Bis zum Test Chinas war es nur den USA selbst gelungen, Flugkörper im Hyperschallbereich erfolgreich zu testen. Dies gilt auch deswegen als kompliziert, weil beim bislang üblichen Verfahren – dem Start von einer ins All geschossenen Trägerrakete aus – die Vehikel beim Eintritt in die Erdatmosphäre extrem hohen Temperaturen ausgesetzt sind. Zudem ist es angesichts der hohen Geschwindigkeit schwierig, die Flugkörper überhaupt auf Kurs zu halten. Mit der Bestätigung des erfolgreichen chinesischen Hyperschalltests hat die Volksrepublik in weniger als drei Jahren mit den USA, denen erste Tests im Herbst 2011 geglückt waren, technisch gleichgezogen. Auch Russland und Indien bemühen sich seit Jahren intensiv um die Hyperschalltechnik, können bislang aber keine Erfolge vorweisen.

Mit dem Test verstößt die Führung in Peking allerdings einmal mehr gegen ihre eigene Doktrin, die der Reformpolitiker Deng Xiaoping zu Beginn der chinesischen Öffnungspolitik zu Anfang der Achtzigerjahre vorgegeben hatte: Damals hatte Deng der Weltöffentlichkeit zugesichert, dass die Volksrepublik sich auf keinerlei Rüstungswettlauf einlassen werde und lediglich auf Selbstverteidigung setze. Offiziell gilt diese Doktrin bis heute.

Waffentaugliche Flugkörper im Hyperschallbereich sind jedoch von ihrer Natur her Offensivwaffen und dienen ganz allein dem Angriff. Schon seit einiger Zeit beobachten Militärexperten aus aller Welt eine Kehrtwende in der chinesischen Verteidigungspolitik. Über eigene Atom-U-Boote, Spionagesatelliten und Interkontinentalraketen verfügt die chinesische Volksbefreiungsarmee bereits. Ein eigenes Navigationssystem in Konkurrenz zum US-kontrollierten GPS hat China vor einem Jahr in Betrieb genommen. Jetzt hat der Rüstungswettlauf den Hyperschallbereich erreicht.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+