„Computer können nichts verstehen“

Das Bremer Roboterfußballteam ist im April wieder Europameister geworden. Was kann man aus diesem Spiel lernen?Rolf Drechsler: Beim Fußball werden den Robotern sehr unterschiedliche Sachen abverlangt. Sie müssen Sachen können, wie einen Ball zu stoppen oder zu schießen.
17.04.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Das Bremer Roboterfußballteam ist im April wieder Europameister geworden. Was kann man aus diesem Spiel lernen?

Rolf Drechsler: Beim Fußball werden den Robotern sehr unterschiedliche Sachen abverlangt. Sie müssen Sachen können, wie einen Ball zu stoppen oder zu schießen. Sie müssen auch wahrnehmen, wo sich alle Objekte auf dem Feld befinden. Das ist für Roboter keine einfache Aufgabe.

Wie kann man diese Dinge auf andere Lebensbereiche anwenden?

Das fängt an beim Sehen, also der Bilderkennung. Beim Roboterfußball gibt es noch ein überschaubares Szenario. Es geht darum, dass man sich stückweise aus dieser Modellwelt heraustastet. So könnten sich Roboter zum Beispiel in Fabrikanlagen bewegen. Beim Fußball können die Roboter auch umfallen und müssen sich neu lokalisieren. Solche Navigationshilfen benutzen wir heute an anderen Stellen auch.

Was macht Bremen so erfolgreich in der Robotik?

Wir sind in der Informatik als Ganzes sehr stark. Das ist einer der Wissenschaftsschwerpunkte an unserer Uni. Die Bremer Informatik ist über die Grenzen Deutschlands hinaus sichtbar – gerade in den Bereichen, die man auch für die Robotik braucht, wie die Wahrnehmung, die Steuerung, aber auch die Sicherheit. Das ist ganz wichtig, wenn wir später mit diesen Maschinen interagieren wollen.

Wie weit ist die Technik inzwischen für den Alltagsgebrauch ausgereift?

Einerseits gibt es einen massiven Einsatz von Industrierobotern, zum Beispiel bei Mercedes in der Fertigung. Was bis heute so gut wie nicht existiert, ist die Interaktion mit Menschen. Es wird gerade erprobt, wie man Mensch und Roboter als Team einsetzen kann. Darüber hinaus gibt es auch heute schon Roboter für den Haushalt, wie den Staubsauger-Roboter oder den Rasenmäher-Roboter. Aber was sie können, ist ganz klar beschränkt.

Was fehlt den Robotern noch, damit sie mit Menschen interagieren können?

Sie brauchen eine sehr genaue Wahrnehmung der Situation. Menschen haben ein angeborenes Verständnis dafür, wie sie in vorhergesehenen Situationen reagieren müssen. Das sind Sachen, die wir den Robotern immer klarmachen müssen.

Werden Roboter irgendwann wie Menschen reagieren können?

Roboter werden an vielen Stellen Verhalten zeigen, das uns den Eindruck vermittelt, sie würden verstehen. Roboter oder Computer können bis heute nichts verstehen. Es gibt aber die Möglichkeit, anhand der Analyse von Big Data ein Lernen für die Maschinen abzuleiten, damit sie sich ähnlich verhalten wie Menschen. So lange sie mit Situationen konfrontiert sind, die schon bekannt sind, ist so etwas möglich.

Kürzlich hat ein Algorithmus den Meister im „Go“ besiegt, einem Spiel, das bisher als zu komplex für Computer galt. Dieser Computer konnte bereits lernen.

Das ist es, wo wir jetzt erste Gehversuche machen. Man muss allerdings klar sagen: Auch beim Go gibt es klare Regeln. Es gibt ein fest definiertes Feld, und so ist unsere normale Umwelt eben nicht. Wenn ich morgens zur Arbeit gehe, gehe ich nicht zehn Schritte geradeaus und drei nach rechts. Ich passe mich der Umgebung in einer dynamischen Weise an. Wir sind heute an einem Punkt, wo Maschinen erstaunliche Leistungen erzielen können, allerdings nur in einem vorgegebenen Szenario.

In Bremen wurde auch der Rollstuhl-Roboter „Friend“ für querschnittsgelähmte Menschen entwickelt.

Assistenzsysteme sind ganz wichtig. Sie können Menschen mit einer Form von Behinderung eine neue Autonomie ermöglichen. Auch hier am BAALL, dem Bremen Ambient Assisted Living Lab, haben wir mit autonomen Rollstühlen oder Rollatoren experimentiert. Da können Maschinen den Menschen Arbeit abnehmen.

Wollen wir überhaupt, dass die Maschinen alles für uns übernehmen können?

Wenn wir in Fertigungshallen gehen, sehen wir viele Roboter – wenn wir uns in unserem Alltag umschauen, sehen wir eigentlich gar keine. Wir sehen zwar sehr viel Elektronik, wie zum Beispiel Smartphones, die unser Verhalten verändert haben. Aber wir sind noch weit davon entfernt, dass die Robotik einen signifikanten Einfluss auf unser tägliches Leben hat.

Das Interview führte Alice Echtermann.

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