Corona-Pandemie

Die wichtigsten Fakten zur Delta-Variante

Die Delta-Variante des Coronavirus ist nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt auf dem Vormarsch. Was genau macht die Mutation so gefährlich, welcher Schutz ist möglich? Ein Überblick.
24.06.2021, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Die wichtigsten Fakten zur Delta-Variante
Von Malte Bürger
Die wichtigsten Fakten zur Delta-Variante
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In Indien tauchte sie zuerst auf, längst ist sie auch in Europa keine Unbekannte mehr: die Delta-Variante des Coronavirus. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärte, dass es nicht die Frage sei, ob, sondern wann die Delta-Variante das Infektionsgeschehen in Deutschland dominieren werde. Aber was genau sind die Besonderheiten der Mutation?

Welche Varianten gibt es bislang?

Die zuerst in Großbritannien aufgetauchte Variante B.1.1.7 gilt als Alpha-Version, die in Südafrika nachgewiesene Variante B.1.351 trägt den Beta-Zusatz. In Brasilien tauchte die Variante P1 auf und wird als Gamma bezeichnet. Die Delta-Variante aus Indien hat die Kennung B.1.617.2.

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Wie sehen die Symptome aus?

Die Delta-Variante besitzt schon deshalb eine Art Sonderstellung, weil sich die Symptome von denen anderer Mutationen unterscheiden. Infizierte klagen häufig über Kopfschmerzen, eine laufende Nase sowie eine raue Kehle. Wie bei anderen Corona-Typen auch kann es zu Fieber kommen. Deutlicher Unterschied: Der bislang als typisch geltende Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns ist nach bisherigen Erkenntnissen bei der Delta-Variante möglich, aber nicht gängig. gerade für jüngere Menschen ergibt sich so das Risiko, dass sich eine Covid-19-Infektion wie eine normale Erkältung anfühlt, in Wahrheit aber viel gefährlicher ist. Experten raten Betroffenen daher, dass sie sich im Erkrankungsfall definitiv testen lassen sollten.

Wie groß sind die Gefahren?

Die Delta-Variante gilt als die bislang ansteckendste – auch und sogar im Vergleich zum Alpha-Typ. Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) ist das Risiko, Angehörige des eigenen Haushaltes anzustecken, etwa 60 Prozent höher. Für Menschen, die also bislang gar nicht oder lediglich einmal geimpft sind, besteht eine viel größere Gefahr einer Infektion. Darüber hinaus erklärte Virologin Sandra Ciesek kürzlich im NDR-Podcast "Coronavirus-Update": "Man vermutet, dass die Delta-Variante sich schneller überträgt oder leichter übertragen wird als die Alpha-Variante." Und weiter: "Ein bisschen unklar ist noch - aber die Befürchtung besteht aus frühen Daten aus England und Schottland -, dass eine Infektion mit der Delta-Variante auch zu einem erhöhten Risiko für eine Hospitalisierung, also für eine Krankenhausaufnahme führt."

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Welche Prognosen gibt es zur Ausbreitung?

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach geht davon aus, dass vollständig Geimpfte keine Probleme mit der Delta-Variante haben werden. Im September seien voraussichtlich rund 80 Prozent der deutschen Bevölkerung geimpft und die Herdenimmunität so erreicht, sagte er Mitte Juni in der ARD. Basierend auf einer Studie der Universität Oxford rechnet der SPD-Politiker aus Gründen der Saisonalität damit, dass das Risiko einer Ansteckung im Sommer viel geringer sei – weshalb er beunruhigt auf den kommenden Herbst und eine große Gruppe der Ungeimpften in Deutschland blickt. „Meine große Sorge ist aber, dass unsere Kinder nicht geschützt sind“, sagte Lauterbach. „Ein Prozent der infizierten Kinder wird im Krankenhaus behandelt werden müssen“, prognostizierte er. Auch langfristige Folgen einer Infektion könnten Kinder treffen.

Wie kann man sich am besten schützen?

Nach bisherigen Erkenntnissen der PHE-Datenanalyse sind vor allem jene Menschen gut gegen schwere Infektionen mit der Delta-Variante geschützt, die vollständig mit Biontech/Pfizer oder Astra-Zeneca geimpft wurden. Das Risiko eines Krankenhausaufenthaltes könne so um mehr als 90 Prozent minimiert werden, heißt es. In diesen Fällen soll der Schutz vergleichbar mit dem vor der Alpha-Variante sein. Wer jedoch gar nicht oder nur einmal geimpft ist, ist einem deutlich höheren Risiko ausgesetzt. Vor allem eine einmalige Dosis von Astra-Zeneca biete laut Datenerhebung einen deutlich verminderten Schutz vor dem Delta-Typen. Das Robert-Koch-Institut und viele Ärztinnen und Ärzte empfehlen deshalb, trotz diverser Lockerungen auch weiterhin nicht auf das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes zu verzichten. Auch alle zusätzlichen Hygiene- und Abstandsregeln sollten weiter befolgt werden. Auf Reisen in Länder, die besonders von der Delta-Variante betroffen sind, soll verzichtet werden.

Wie ist die Lage in Deutschland?

Trotz weiter rückläufiger Sieben-Tage-Inzidenz wächst in Deutschland der Anteil der Delta-Variante deutlich. Er verdoppelte sich in einer Stichprobe im Vergleich zur Vorwoche fast auf nun 15,1 Prozent, wie aus einem Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) vom 23. Juni hervorgeht. Die Angabe bezieht sich auf die Woche vom 7. bis 13. Juni.

Die Werte für die Woche zuvor wurden wegen Nachmeldungen rückwirkend von etwa sechs auf acht Prozent korrigiert. In den Daten ist damit nun in der dritten Woche in Folge eine ungefähre Verdopplung des Delta-Anteils abzulesen: von 4 auf 8 auf 15 Prozent. Delta ist nach RKI-Angaben in den vergangenen vier Wochen in allen Bundesländern nachgewiesen worden. Zu rund 1440 Fällen lägen in diesem Zeitraum Informationen aus dem Meldesystem vor. Die absolute Zahl an wöchentlichen Delta-Fällen habe seit der 21. Meldewoche zugenommen, von circa 270 auf rund 470 in der 23. Meldewoche.

Zu Ansteckungen kommt es laut RKI überwiegend in Deutschland. Die meisten Übertragungen hätten in privaten Haushalten stattgefunden, zudem habe es größere Ausbrüche mit mehr als fünf Personen am Arbeitsplatz und in Schulen mit bis zu 24 Menschen gegeben. Die meistgenannten Länder im Zusammenhang mit Einschleppungen seien Afghanistan (19 Fälle), Russland (16) und Italien (14). Etwa neun von zehn Delta-Infizierten sind demnach unter 60 Jahre alt.

Wie genau sich das Virus im Land Bremen ausbreitet, ist noch unklar. Das Gesundheitsressort kann bislang keine detaillierten Aussagen dazu machen, da Infektionen nicht grundsätzlich auf Mutanten geprüft werden. In diesem Bereich will das Land nun aber nachbessern, um weitere Erkenntnisse zu erhalten. Gesichert ist jedoch, dass es seit Mai 17 Fälle im Land Bremen gegeben hat.

(mit dpa)

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