Anlagenbetreiber schließen sich in Netzwerk zusammen

Das Beste aus dem Klärschlamm holen

Um Know-how zu teilen und gemeinsam agieren zu können, sind Kläranlagenbetreiber in Achim zusammengekommen. Ziel des hier gegründeten norddeutschen Netzwerks ist es, Klärschlamm weiterhin im großen Stil landwirtschaftlich zu nutzen – und nicht verbrennen zu müssen.
29.09.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Tina Hayessen

Um Know-how zu teilen und gemeinsam agieren zu können, sind Kläranlagenbetreiber in Achim zusammengekommen. Ziel des hier gegründeten norddeutschen Netzwerks ist es, Klärschlamm weiterhin im großen Stil landwirtschaftlich zu nutzen – und nicht verbrennen zu müssen.

Appetitlich sieht sie nicht aus, die braune Masse, die flüssig oder auch fest sein kann. Das sollte einen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Klärschlamm voller wertvoller Stoffe steckt, betont Thomas Langenohl von der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA). Nun gibt es zwei Arten, den Klärschlamm, der beim Reinigen von Abwasser entsteht, zu entsorgen.

Wird er in der Landwirtschaft als Dünger verwendet, bleiben die Nährstoffe im Kreislauf der Natur, wird er verbrannt, verpuffen sie einfach. Um möglichst viel Klärschlamm der Region landwirtschaftlich nutzen zu können, hat sich nun ein norddeutsches Netzwerk gegründet. Die Auftaktveranstaltung war in Achim, wo die treibenden Kräfte auch erklärten, was sie und wie sie es erreichen wollen.

„Schon in etwa 30 Jahren könnten die Phosphorreserven zur Neige gehen“, verdeutlicht Langenohl die Bedeutung von Klärschlamm für die Allgemeinheit. Phosphor, das im Klärschlamm steckt, ist ein lebensnotwendiges Nährelement für Pflanzen und Tiere und lässt sich durch nichts ersetzen. Aber natürlich gibt es auch ganz banale Gründe, die landwirtschaftliche Nutzung von Klärschlamm der Verbrennung vorzuziehen.

Thermische Entsorgung nennt sich das übrigens im Fachjargon. Und die kostet Geld. Geht der Klärschlamm an Landwirte, gebe es für diese einen kleinen Obolus obendrauf, erklärt Rainer Könemann (DWA). In Regionen, die weniger Viehhaltung und mehr Ackerbau haben, werde man den Schlamm sogar kostenfrei los.

Niedersachsen, erklären die Netzwerkgründer, sei Vorreiter in der landwirtschaftlichen Nutzung von Klärschlamm, 64 Prozent davon lande auf Feldern, im Bundesschnitt seien es gerade einmal 30 Prozent. Achim sei allerdings nicht Teil dieses erfreulichen Trends im Bundesland, räumt Uwe Schmoecker, Leiter des Eigenbetriebes Abwasserbeseitigung in Achim, ein. „Wir gehören zu denen, die zu hundert Prozent verbrennen müssen“, hält er fest. Denn es gebe Grenzwerte, die zur landwirtschaftlichen Nutzung eingehalten werden müssen – in Achim sei zu viel Kupfer im Klärschlamm.

„Wir können uns durchaus vorstellen, Klärschlamm wieder landwirtschaftlich zu verwerten“, ergänzt Schmoecker. Schließlich sei der Betrag, der jährlich in die Entsorgung des Klärschlamms fließe, „gebührenrelevant“. Hier könne auch das Netzwerk wieder ins Spiel kommen, knüpft Ralf Hilmer (DWA) an die Achimer Situation an. „Wenn Achim eine Lösung findet, können andere über das Netzwerk davon profitieren – oder andersrum.“

Mit rund 70 Teilnehmern, die geschätzt 50 bis 60 Kläranlagen in ganz Norddeutschland repräsentieren, sei die Auftaktveranstaltung in Achim äußerst gut besucht gewesen, bilanziert Könemann. Der nächste Schritt sei, sich in Arbeitsgruppen zusammenzutun und Fragen zu klären wie zum Beispiel, in welchen Fällen sich eine Trocknung und Verfrachtung des Klärschlamms lohnt und welche Betreiber kooperieren könnten.

Das nächste Treffen des Netzwerks Klärschlamm, diesmal für den Bereich Ost- und Südniedersachsen, soll Ende Oktober in Peine stattfinden.

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