In Madrid werden Vögel mit Akupunktur behandelt

Das Federkleid und die Nadelstiche

Alternative Heilmethoden gibt es nicht nur für Menschen. Auch in der Tiermedizin werden Homöopathie und Akupunktur eingesetzt – vor allem allerdings bei Säugetieren. Aber auch für Vögel ist Akupunktur anwendbar: Mit Erfolg, wie auf der Krankenstation für Eulen in Madrid.
11.01.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von ROLAND LLOYD PARRY

Alternative Heilmethoden gibt es nicht nur für Menschen. Auch in der Tiermedizin werden Homöopathie und Akupunktur eingesetzt – vor allem allerdings bei Säugetieren. Aber auch für Vögel ist Akupunktur anwendbar: Mit Erfolg, wie auf der Krankenstation für Eulen in Madrid.

Der kleine Patient reißt seine gelben Augen weit auf, während vier dünne Nadeln in seine Füße gestochen werden, doch aus seinem Schnabel kommt kein Laut. Auf dem Behandlungstisch der Akupunkteurin Edurne Cornejo liegt eine Eule. Vor zwei Monaten verletzte sich der Steinkauz am Rücken, als er sich in den Schornstein einer Fabrik in Madrid verirrte. Der 25 Zentimeter große Vogel kennt die Prozedur bereits, es ist die zehnte Behandlung mit den Nadeln. Weltweit werden nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für Akupunktur-Tierärzte immer mehr Tiere mit dieser traditionellen chinesischen Methode behandelt. Die Therapeuten empfehlen sie bei Muskel- und Gelenkproblemen – wie bei der Eule –, aber auch bei Atem-, Nerven- und Darmbeschwerden. „Die Akupunktur stimuliert die Selbstheilungskräfte des Organismus und hat keine Nebenwirkungen“, sagt Cornejo.

Als ihr kleiner Patient das erste Mal kam, „konnte er nicht einmal mehr stehen“, erinnert sich die Veterinärin. „Dann begann er in kleinen Schritten zu laufen, und jetzt fliegt er wieder.“ Cornejo hat sich auf Akupunktur bei Hunden und Katzen spezialisiert. Zudem arbeitet sie als Freiwillige im Eulen-Rettungszentrum Brinzal, wo jährlich Hunderte verletzte Vögel behandelt werden. Madrid liegt auf einem Bergplateau, auf dem es vor Eulen nur so wimmelt. Etwa 80 Eulen – Uhus, Waldkauze und andere Arten – beherbergt das Zentrum zurzeit. In Volieren erholen sie sich von ihren Verletzungen oder üben wieder zu fliegen. Auf Tabletts liegen tote Hühner bereit für die Raubvögel. Lebendige Mäuse winden sich in den Händen des Personals – das Mittagessen für die Eulen. Die Krankenstation für Eulen gibt es seit 1989, mit Akupunktur werden die Tiere dort seit sechs Jahren behandelt.

70 Prozent der etwa 1200 Tiere, die jedes Jahr in das Zentrum gebracht werden, erholten sich wieder und könnten in die Freiheit entlassen werden, sagt Patricia Orejas, die Koordinatorin des Zentrums. Einige Tiere gewöhnten sich jedoch so sehr an die Menschen, dass sie sich nicht mehr in der Wildnis zurechtfinden könnten. Eine solche Eule ist Eire, ein sieben Jahre alter Waldkauz. Er sitzt auf einem Ast in der Voliere und blinzelt den Besucher mit seinen großen dunklen Augen an. Eire wurde als Vogelbaby gefangen und als Haustier gehalten.

Als der Waldkauz in das Zentrum gebracht wurde, war es bereits zu spät, um ihn wieder fit für die Freiheit zu machen. Für andere Eulen haben Orejas und ihr Team ein Training entwickelt. Sie zeigen ihnen Ratten oder Nachbildungen von Falken, um ihnen beizubringen, wer ihre Feinde sind. Wenn es gut läuft, sind die nachtaktiven Vögel nach ein paar Monaten zurück in den Wäldern. Orejas öffnet eine große Voliere, in der eine Gruppe Uhus sie vom anderen Ende aus misstrauisch beäugt. Einer breitet seine Flügel aus – Spannweite 1,80 Meter – und fliegt auf den Eingang zu. Plötzlich macht er kehrt und begibt sich in sichere Distanz. „So soll es sein“, sagt Orejas. „Dass sie vor uns davonfliegen.“

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