Draht & Esel „Das ist ein Stück weit Urlaub“

Ulrike Hauffe liebt es, mit ihrem Rad durch Bremen zu fahren. Eine ganz spezielle Strecke vergleicht die ehemalige Landesfrauenbeauftragte mit Urlaub.
05.08.2018, 12:00
Lesedauer: 3 Min
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„Das ist ein Stück weit Urlaub“
Von Marlo Mintel

Das erste Mal auf zwei Rädern

An meine erste Fahrt kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Mein erstes Fahrrad, ein rotes, habe ich zu Weihnachten bekommen. Das war im Jahr 1965.

Das aktuelle Fahrrad

Ein super gutes Rad, auch wenn es schon 13 Jahre alt ist. Ich habe es mir beim Fahrradladen Dalladas in der Neustadt zusammenstellen lassen. Fred Dalladas, der Inhaber, ist mir empfohlen worden. Ihm habe ich gesagt, wie ich mir mein Fahrrad vorstelle. Ich habe sehr lange Beine und stoße immer mit meinen Knien an die Gabel vorne. Ich brauche ein Rad, das so stabil ist, dass ich hinten in den Gepäcktaschen auch zwei volle Aktenordner unterbringen kann. Er hat mir ein solches stabiles Fahrrad gebaut. Ich fahre es täglich, außer wenn ich in Berlin bin.

Die schönste Tour

Den Weser-Radweg finde ich toll. Den sind wir von Hannover-Münden bis nach Bremen gefahren – knapp eine Woche. Wir haben uns sehr viel Zeit gelassen. Die Strecke hat mir total gut gefallen, weil sie sehr abwechslungsreich ist. Man kann Berge hochfahren, die Fähre nutzen. Und die netten, kleinen Innenstädte, die man durchfährt, haben ein besonderes Flair.

Die Vorgängermodelle

Vorher hatte ich ein Fahrrad mit sieben Gängen, das ich mir in Oldenburg gekauft habe. Kein schnörkeliges Gefährt. Ich bin es lange gefahren, bis es nicht mehr ging. Das Fahrrad ist fast dasselbe wie mein jetziges, ein Tourenrad ähnlicher Art.

Der letzte Diebstahl

Zum Glück wurde mir mein Fahrrad noch nie gestohlen. Aber mal ein Reifen (lacht). Ich hatte mein Büro in der Knochenhauerstraße. Nachts bin ich zu meinem Fahrrad gegangen. Dort war ein Reifen aufgebaut. Daneben stand ein anderer Reifen, ein dickerer als meiner. Man hat offensichtlich mein Reifen gebraucht und hat mir netterweise einen nicht funktionsfähigen eines Geländerads da gelassen. Den konnte ich leider nicht nutzen. Aber immerhin war es eine nette Geste (lacht). Zu Fuß habe ich das Fahrrad, wie soll man es sonst mit einem Reifen nutzen, in die Reparatur zu Herrn Dalladas gebracht.

Die Lieblingsstrecke

Die ist an der Lesum. Ich habe früher in Bremen-Nord gewohnt. Wenn man Richtung Vegesack fährt, ist die Strecke einfach wunderschön. Da fahre ich heute noch gerne entlang. Das ist einfach kuschelig und nett, eine ganz besondere Atmosphäre. Die meisten fahren am liebsten durch das Blockland. Ich freue mich immer, wenn ich durch das Blockland bin und dieses letzte Stück bis nach Vegesack fahren kann. Von Burg bis Vegesack ist es mit dem Rad einfach klasse.

Der ausgefallenste Fahrradschmuck

So etwas habe ich nicht. Vielleicht meine Daumenklingel. Die ist aber nicht so spektakulär.

Die am häufigsten gefahrene Strecke

Direkt an der Weser. Das ist ein Privileg. Ich wohne in der Nähe des Weserstadions. Am Deich fahre ich die Weser längs bis zum Martinianleger und dort die Rampe hoch Richtung Innenstadt. Diese Strecke fahre ich total gerne. Das ist ein Stück weit Urlaub, obwohl es der tägliche Weg zur Arbeit war.

Der schlimmste Unfall

Den hatte ich 2006 im Viertel – ein wirklich schlimmer Unfall. Ich bin stadtauswärts gefahren, Richtung Peterswerder, ungefähr auf der Höhe der Helenenstraße. Links vom Eingang der Helenenstraße ist eine große Plakatwand. Da stand ein Mann. Er machte Fotos von der Wand. An der Stelle führt der Fahrradweg auf den Bürgersteig, und die Straße macht einen Knick. Ich näherte mich dem Mann, der nach hinten trat. Ich konnte nicht mehr ausweichen und flog auf die Schienen. Wäre eine Straßenbahn gekommen, hätte die nicht mehr ausweichen können. Ich habe einen sehr komplizierten Oberarm- und Schultergelenkbruch davongetragen. Noch heute habe ich eine Narbe, die vom Ellenbogen bis zum Schlüsselbein reicht.

Ich fahre gern Fahrrad, weil …

… ich die Zeiten und die Route selbst bestimmen kann. Ich kann dorthin fahren, worauf ich Lust habe. Mir macht das Radfahren auch Spaß, weil ich mir Rennen mit der BSAG liefern kann. Ich will immer schneller sein als die Straßenbahn. Das gelingt mir fast immer. Zum Verständnis: Ich war Aufsichtsrätin der BSAG (lacht).

Fahrradfahren in Bremen ist …

… lustvoll. Ich ärgere mich über schlechte Fahrradwege. Aber es ist normal, wenn es viele Wege gibt, dass einige davon marode sind. Ich liebe es, durch Einbahnstraßen gegenläufig zu fahren. Das ist in Bremen erlaubt. Ich mag die Luft, die diese Stadt hat. Es lädt zum Radfahren ein. In Bremen Fahrrad zu fahren ist eigentlich ein Genuss.

Die Fragen stellte Marlo Mintel

Info

Zur Person

Ulrike Hauffe

war über Jahrzehnte die Stimme der Gleichberechtigung in dieser Stadt.
Die ehemalige Landesfrauenbeauftragte trägt den Titel „Bremer Frau
des Jahres 2018“. Die 67-Jährige ist stellvertretende Vorsitzende des Ver-
waltungsrates der Barmer Ersatzkasse in Berlin.

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