Freie Berufe: Ärzte & Apotheker Der Grippewelle ein Schnippchen schlagen

Kontrollbesuche beim Arzt wie die Überprüfung der Zähne oder der sogenannte Check-up-35 stehen bei den meisten Menschen regelmäßig auf dem Programm. Doch an die empfohlenen Impfungen denkt nicht jeder.
22.01.2019, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Bianca Kläner

Kontrollbesuche beim Arzt wie die Überprüfung der Zähne oder der sogenannte Check-up-35 stehen bei den meisten Menschen regelmäßig auf dem Programm. Doch an die empfohlenen Impfungen denkt nicht jeder. Daher sollte man zum nächsten Besuch beim Hausarzt seinen Impfpass mitnehmen, damit der Mediziner überprüft, was aufgefrischt werden muss.

Wie der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) mitteilt, ist die einst weltweit fast ausgerottete Kinderlähmung (Polio) inzwischen in zehn sogenannten Entwicklungsländern wieder auf dem Vormarsch. Doch nicht nur in fernen Staaten haben Infektionskrankheiten eine Renaissance, sondern auch in der Bundesrepublik: In jüngster Zeit schlugen Behörden und Ärzte Alarm, weil die Zahl der Masern­erkrankungen bei Kindern und Erwachsenen sprunghaft in die Höhe kletterte. Nach Erhebungen des ­Robert-Koch-Instituts (RKI) soll es in Deutschland im vergangenen Jahr insgesamt 929 Masern­erkrankungen gegeben haben, 2016 waren es noch 325. Experten nennen Impfskepsis und Gleichgültigkeit als Hauptgründe.

Ihre Gegner erachten die Immunisierungen als überflüssig und meinen, diese dienten nur dem Umsatz der Pharmaunternehmen, könnten krank machen oder sogar töten. Das RKI weist darauf hin, dass etwa Masern „keine harmlose Kinderkrankheit“ sind und Betroffene mitunter sogar im Krankenhaus behandelt werden müssen. Als schwerste Komplikation von Masern kann eine Gehirnentzündung auftreten. Bei Immunisierungen kann es zwar zuweilen zu Reaktionen zum Beispiel in Form von Rötungen an der Einstichstelle kommen, doch wirkliche Impfkomplikationen oder gar bleibende Schäden seien nachgewiesenermaßen sehr selten, erläutert der BPI.

Schutz aktuell halten

Empfehlungen erhalten Bürger bei der Ständigen Impfkommission des RKI. Diese rät momentan allen Personen ab 60 Jahren zur Gürtelrose-Schutzimpfung mit einem sogenannten Totimpfstoff als Standardimpfung. Für Menschen mit einer Grundkrankheit oder Immunschwäche empfiehlt die Kommission die Impfung bereits ab einem Alter von 50 Jahren (Indikationsimpfung). Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen wird die Immunisierung aber erst, wenn der Gemeinsame Bundesausschuss über die Aufnahme in die Schutzimpfungsrichtlinie entschieden hat.

In Deutschland erkranken dem RKI zufolge jährlich mehr als 300 000 Personen an Herpes zoster, wie Gürtelrose auch genannt wird. Von ihnen entwickeln etwa fünf Prozent eine Komplikation in Form einer Postherpetischen Neuralgie. Am häufigsten sind ältere Menschen betroffen, und auch Patienten mit einem geschwächten Immunsystem haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Ausgelöst wird Gürtelrose durch das Varizella-zoster-Virus. Wie das RKI erläutert, verursacht es bei Erstkontakt, meist im Kindesalter, Varizellen (Windpocken). Was nicht jeder weiß: Nach Abklingen der Varizellen bleibt das Virus lebenslang in den Nervenzellen und kann zu einem späteren Zeitpunkt Herpes zoster verursachen. Typisch für Gürtelrose ist der brennende Schmerz, gefolgt von einer zumeist halbseitigen, bandartigen Ausbreitung von Bläschen in dem zum betroffenen Nerv gehörenden Hautareal. Am häufigsten treten die Symptome an Rumpf und Brustkorb auf. Ist der Hautausschlag abgeheilt, kann ein Nervenschmerz (Postherpetische Neuralgie oder Postzosterschmerz) in der vormals betroffenen Hautregion noch mehrere Monate bis Jahre anhalten und die Lebensqualität erheblich einschränken.

Rechtzeitig vorbeugen

Auch jetzt kann man sich noch gegen Grippe impfen lassen. Die saisonale Erkrankungswelle begann in den vergangenen Jahren laut dem AOK-Bundesverband meist im Januar oder Februar. Während einer solchen Hochzeit erkranken in Deutschland zwischen zwei und zehn Millionen Menschen an Influenza; in der vergangenen Saison gab es nach Angaben des RKI rund neun Millionen grippebedingte Arztbesuche. Eine Virusgrippe ist nicht mit Erkältung gleichzusetzen, sondern eine ernst zu nehmende Erkrankung, weswegen die Ständige Impfkommission vor allem chronisch Kranken, Menschen ab 60 Jahren und Schwangeren dazu rät, sich impfen zu lassen. Auslöser der Grippe sind Influenzaviren, übertragen durch die sogenannte Tröpfchen- oder die sogenannte Schmierinfektion.

„Grippeviren sind sehr ansteckend“, sagt Dr. Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband. „Typische Krankheitszeichen sind plötzliches hohes Fieber über 38,5 Grad Celsius, trockener Reizhusten sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Die Betroffenen fühlen sich sehr schwach.“ Influenza könne in unkomplizierten Fällen etwa fünf bis sieben Tage, je nach körperlicher Verfassung aber auch länger dauern. Zwar sind Komplikationen – etwa eine Lungenentzündung, in Ausnahmefällen auch eine Herzmuskel- oder Gehirnentzündung – selten, jedoch insbesondere bei immungeschwächten Menschen möglich. Nach der Impfung dauert es rund zwei Wochen, bis der Körper einen ausreichenden Schutz vor Ansteckung aufgebaut hat. Die Wirkdauer der Immunisierung beträgt sechs bis zwölf Monate.

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