Freimark-Partys in Halle 7 Der Schmelztiegel

Bremen. In der Halle 7 geht es erst dann richtig los, wenn auf dem Freimarkt die Lichter ausgehen. An guten Tagen kommen mehr als 5000 Besucher, an schlechten sollen es immerhin noch 1000 sein.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Der Schmelztiegel
Von Jörn Hüttmann

Bremen. In der Halle 7 geht es erst dann richtig los, wenn auf dem Freimarkt die Lichter ausgehen. An guten Tagen kommen mehr als 5000 Besucher, an schlechten sollen es immerhin noch 1000 sein. Es ist ein bunter Mix von Leuten, die dort zusammenkommen: Dirndl- und Lederhosenträger treffen auf konventionelle Freimarktgänger, tanzen zusammen mit kreischenden Fans – an diesem Mittwoch zu den Atzen.

Stephan Hollweg und Jonas Mumperow liegen sich in den Armen. „Wir rocken heute den Club.“ Es ist ihr Tag, sie feiern beide 19. Geburtstag. Die Jungs haben ihre gesamte Klasse eingeladen. Erst ins Bayernzelt, dann in die Halle 7 – wegen der Atzen, die später noch spielen werden. Die Schülergruppe von der Bremer Waldorfschule macht einen kleinen Teil der bunt gemischten Gästeschar aus, die Theo Bührmann und sein Team jeden Tag in der Halle 7 empfangen, sobald die Buden auf dem Freimarkt schließen.

„Unser Publikum wechselt an den verschiedenen Tagen, das ist ganz klar“, sagt Bührmann. An den Wochenenden seien die Gäste etwas älter. „Damit meine ich meine Zielgruppe – Anfang 30.“ In der Woche ist das Programm eher auf eine jüngere Klientel zugeschnitten. „Da haben wir zum Beispiel die Abi-Lounge oder eben die Atzen, die ziehen ihr eigenes Publikum.“

Die 21-jährige Jana Alina Bergmann und der 26 Jahre alte Benjamin Fromm sind wegen der Berliner Atzen in die Halle 7 gekommen. Voller Vorfreude warten die zwei aus Osterholz-Scharmbeck auf eine Mischung aus deutschsprachigem Hip-Hop, Ballermann-Hits und Electrobeats: „Die machen gute Musik und gute Laune“, sagt Jana Alina, „Standard halt.“

Bührmann und sein Team kennen ihr Publikum. Die Atzen haben sie schon zum dritten Mal nach Bremen geholt. Seit Bührmann die Halle 7 übernommen hat, sind er und seine Leute während des Freimarktes jeden Abend in der Messehalle. „Halle 7 ist die Party, wo man hingehen kann, um Leute kennenzulernen und vielleicht auch nicht allein nach Hause zu gehen“, sagt Bührmann.

Wie ein Treffen mit Freunden

An einer der vielen Bars in der großen Messehalle räumt Tara Thiam Getränke ein. Die 25-Jährige bereitet sich auf einen möglichen Ansturm von Gästen vor. Sie könnten kommen, wenn auf dem Freimarkt Feierabend ist. „Ab 23 Uhr merkt man schon, dass viele Leute mit Dirndln aus dem Bayernzelt rüberkommen.“ Thiam kennt das Spiel. Den Sommer über arbeitet sie auf Ibiza, im Winter in der Schweiz. „Und seit vier Jahren bin ich auch bei der Halle 7 dabei.“ Die 14 Tage Bremen sind für sie wie ein Treffen mit guten alten Freunden. Bei der Arbeit wird mit den Gästen gefeiert, danach mit den Kollegen. „Die Stimmung ist der Wahnsinn.“

An Spitzentagen kommen mehr als 5000 Menschen in die Halle 7, sagt Theo Bührmann, in der Woche träfen sich hier noch rund 1000 Leute pro Abend beziehungsweise Nacht. „Die verlaufen sich dann aber schnell in der großen Halle.“ Viele der Gäste kommen von außerhalb. Deshalb habe man den Bahnstreik auch in der Partyhalle zu spüren bekommen. „Die Leute sind zwar zum Freimarkt gegangen, aber früher nach Hause gefahren.“ In den letzten Jahren werde die Halle 7 auch international immer beliebter, ergänzt Timo Bahr, der zu Bührmanns Team gehört. „Am Wochenende waren zum Beispiel sechs Gruppen aus Dänemark und Schweden zu Besuch, die sonst immer zum Oktoberfest gefahren sind.“

Lesen Sie auch

Nun müssen aber bald die Berliner Rapper dran sein. Die Halle ist mit 1500 Leuten zwar nicht voll, aber vor der Bühne drängen sich die Leute. In der ersten Reihe warten Teenies mit Atzen-Mützen und Freimarktgänger unter den wachsamen Augen der Security-Leute. Die Männer und Frauen in den roten Jacken scheinen überall zu sein. Sie bewachen die Bühne, tasten am Eingang die Besucher ab und auch in der Menschenmenge tauchen die roten Jacken immer wieder auf. Mit wie vielen Leuten sie im Einsatz sind, ist von ihnen nicht zu erfahren. Auch Bührmann weiß es nicht genau. Mit dem Barpersonal zusammen seien es sonnabends vielleicht 200 Leute. Bührmann ist mit dem Sicherheitspersonal zufrieden: „Wir haben nie größere Probleme. Aber man muss sich bewusst sein, dass wir hier keine Milch verkaufen.“ Die Stärke der Sicherheitsleute liege vor allem darin, früh deeskalierend einzuschreiten. Das bestätigt die Polizei: Es seien keine besonderen Vorfälle aus der Halle 7 bekannt.

Als die Atzen die Bühne stürmen, hat sich Jonas Mumperow bis in die erste Reihe vorgearbeitet. „Da war die Stimmung sehr gut. Die Leute sind abgegangen. Auch die Band selbst hatte richtig Bock“, sagt er später. Es sei ein perfekter Abend gewesen. „Ich habe Wiederholungsbedarf.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+