Die Gefahr aus der Tube gehört gesetzlich verboten

An Ihre Haut kommen nur Wasser und Plastik. Plastik? Ja, genau, Kunststoff.
19.05.2017, 00:00 Uhr
Lesedauer: 2 Min
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Von Sweelin Heuss

An Ihre Haut kommen nur Wasser und Plastik. Plastik? Ja, genau, Kunststoff. Glauben Sie nicht? Stimmt aber. Greenpeace-Untersuchungen haben ergeben: Die Produkte aller konventionellen Kosmetikhersteller enthalten feste und flüssige Kunststoffe, sogar wenn Mikroplastik-frei drauf steht. Wie kann das sein?

Was Mikroplastik ist und was nicht, definieren die Firmen selbst. Sie haben mit der Politik einen freiwilligen Verzicht ausgehandelt, der weder Verbraucher noch Umwelt schützt. Beiersdorf etwa nennt Nivea seit 2016 Mikroplastik-frei, meint damit aber nur Plastikpartikel aus Polyethylen, also die Minikörnchen im Peeling. Sie wurden aus Produkten verbannt, die man sofort wieder abwäscht. In Cremes sind aber weiterhin Plastikpartikel aus Nylon. Und flüssige, gel- und wachsartige Kunststoffe sowieso – sie dienen etwa als Bindemittel, Füllstoff oder Filmbildner.

Mikroplastik gefährdet Umwelt und Gesundheit. Es gelangt über Abwässer in Flüsse und Meere, bindet dort auch Schadstoffe an sich. Meeresbewohner vom kleinsten Plankton über Muscheln bis zum Kabeljau nehmen die Plastikpartikel samt Giftfracht in sich auf. Entzündungen im Darm der Tiere sind nur eine von vielen möglichen Folgen. Über Fisch und Meeresfrüchte gelangen sie auch auf unseren Teller.

Wie nicht-feste Kunststoffe in Natur und Mensch wirken, ist wenig erforscht. Von einigen weiß man aber bereits, dass sie akut giftig für Wasserorganismen oder auch gesundheitsschädlich für den Menschen sind. Grundsätzlich muss das Vorsorgeprinzip gelten: Wenn die Umweltschäden nicht abzuschätzen sind, sollte die Industrie die Finger davon lassen.

Greenpeace fordert daher ein gesetzliches Verbot von Mikrokunststoffen in allen Produkten, die ins Abwasser gelangen. Das betrifft Körperpflege- und Kosmetikprodukte sowie Wasch- und Reinigungsmittel. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) darf sich nicht länger auf den freiwilligen Verzicht der Kosmetikindustrie verlassen, wenn sie die Meere, ihre Bewohner und uns wirklich schützen will.

Alle Kosmetikhersteller sind aufgefordert, vor 2020 auf kunststofffreie Produkte umzustellen. Dass es geht, zeigt die zertifizierte Naturkosmetik sehr erfolgreich. Auch Verbraucher können etwas ändern: Hinter Polyethylene, Cyclomethicone oder Polyquaternium auf der Verpackung verbergen sich Inhaltsstoffe, die nicht auf den Körper und ins Abwasser gehören. Deshalb schauen Sie beim Einkaufen genauer hin – zum Beispiel mit dieser Checkliste: www.greenpeace.de/einkaufshelfer-mikroplastik.

Zur Person

Unsere Gastautorin ist seit Oktober 2016 Greenpeace-Geschäftsführerin. Zuvor arbeitete sie bei der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, dem größten norddeutschen sozialen Dienstleistungsunternehmen mit Sitz in Hamburg, als Bereichsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising.
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