Viele Streaming-Nutzer klagen über Empfangsstörungen – und haben Angst vor illegalen Angeboten

Ärgernis statt Unterhaltung

Bremen. In Deutschland gibt es rund 57 Millionen Internetnutzer. Dabei nutzen etwa vier von fünf Usern irgendeine Art von Streaming-Angebot, sei es für Musik oder Filme, kostenlos oder kostenpflichtig.
26.05.2016, 00:00
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Bremen. In Deutschland gibt es rund 57 Millionen Internetnutzer. Dabei nutzen etwa vier von fünf Usern irgendeine Art von Streaming-Angebot, sei es für Musik oder Filme, kostenlos oder kostenpflichtig. Dass sich Streaming-Angebote einer wachsenden Beliebtheit erfreuen, ist nichts Neues. Neu ist allerdings, dass rund ein Viertel der Nutzer von Streaming-Angeboten schon einmal Probleme dabei hatte. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Die Umfrage ist Teil einer Untersuchung im Rahmen des Projekts Marktwächter Digitale Welt, das zu mehr Orientierung und Transparenz führen soll.

Die Probleme, die die Untersuchungsteilnehmer nennen, reichen von ruckelnden Bildern bis hin zum Thema Urheberrecht. Empfangsstörungen sind der am häufigsten genannte Kritikpunkt. 35 Prozent der Nutzer, die Probleme beklagten, beschwerten sich über Störungen. „Man weiß ja selbst, dass es manchmal zum Ruckeln oder zu Abbrüchen kommt, wenn man auf Bewegbildinhalte zugreifen will“, sagt Sebastian Schmidt, Teamleiter Marktwächter Digitale Welt (Schwerpunkt Digitale Güter) bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Oft ist es aber schwer gleich herauszufinden, ob das Problem lokal am Netzwerk, am DSL-Anschluss oder am Dienstanbieter selbst liegt.“

Auch wenn damit sicher nicht alle Empfangsprobleme beseitigt sind, lohnt sich laut Schmidt ein Blick auf die Seiten der Anbieter. Denn seit der Umsetzung der EU-Richtlinie über Verbraucherrechte 2014, sind Anbieter digitaler Inhalte dazu verpflichtet, über die wesentlichen Merkmale und Anwendungsmöglichkeiten des Produkts zu informieren und anzugeben, welche technischen Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um das Angebot überhaupt nutzen zu können. Es lohne sich auch immer ein genauer Blick in das Widerrufsrecht, sagt Schmidt. Denn obwohl Verbrauchern in der Regel ein 14-tägiges Widerrufsrecht ab Vertragsabschluss zusteht, erlischt dieses bei digitalen Inhalten oftmals schon dann, wenn mit dem Streaming begonnen wird.

Ein weiteres Problem ist, dass viele Nutzer betonten, wie schwer es ihnen noch immer falle, zwischen legalen und illegalen Angeboten zu unterscheiden. „Wenn ich bei einem Anbieter, wie zum Beispiel Maxdome bin, dann weiß ich, dass es sich um ein legales Angebot handelt“, sagt Schmidt. „Aber es gibt auch Internetseiten, auf denen ich ohne extra Zugang oder Bezahlschranke Inhalte streamen kann.“ Unwissenheit sei laut des Experten oft ein Problem mit weitreichenden Folgen: Noch immer kämen viele Menschen in die Verbraucherzentralen, weil sie abgemahnt wurden.

Streaming vs. Upload

Bei der Frage, ob ein Angebot legal oder illegal ist, gilt laut Anna Verena Rohner, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Urheber- und Medienrecht in Bremen, immer erst einmal zwischen reinem Streaming, einem Download und einem Upload zu unterscheiden. „Das Anschauen selbst ist keine Urheberverletzung“, betont die Expertin. „Das Problem ist aber, dass der Nutzer oft nicht bemerkt, was technisch im Hintergrund passiert, während er Inhalte konsumiert.“

Am wenigsten eindeutig ist laut Rohner das Thema Download. Wer etwas herunterlädt, unternimmt eine Vervielfältigungshandlung. Ob dabei eine Urheberverletzung begangen wird, hängt laut Rohner von verschiedenen Faktoren ab: „Ein Download ist nicht erlaubt, wenn die heruntergeladene Vorlage an sich rechtswidrig ist oder rechtswidrig ins Internet gestellt wurde“, sagt die Fachanwältin. „Hier hat man als Nutzer allerdings einen gewissen Schutz, weil diese Rechtswidrigkeit offensichtlich sein muss“, sagt die Expertin. Wichtiger sei es, ungewollte Uploads zu vermeiden.

Ein zweifelsfrei illegales Beispiel stellen sogenannte Torrent-Netzwerke dar. Hier lädt der Nutzer etwas herunter und gleichzeitig erfolgt der Upload der Datei. „Wenn ich Inhalte im Internet öffentlich zugänglich mache und sie anderen zur Verfügung stelle, begehe ich damit eine klare Rechtsverletzung“, erklärt Rohner. Leider sei dies für den Nutzer aber nicht immer sichtbar. So gibt es laut Rohner durchaus auch vermeintliche Streaming-Seiten, bei denen die Gefahr besteht, dass Nutzer beim Ansehen der Inhalte unbewusst gleichzeitig einen Upload des entsprechenden Angebots betreiben. Wenn dann irgendwann eine Abmahnung wegen einer Urheberrechtsverletzung durch Filesharing ins Haus flattert, seien die Betroffenen sich häufig keiner Schuld bewusst.

In einem solchen Fall sollten Verbraucher laut Rohner erst einmal kontrollieren, ob die Abmahnung berechtigt ist. Als Anschlussinhaber muss ich überprüfen, wie es zu dieser Rechtsverletzung in meinem Haushalt gekommen sein kann. Nicht in allen Fällen haftet der Anschlussbesitzer für ein Vergehen. Zum Beispiel, wenn dieses von erwachsenen Familienangehörigen im gleichen Haushalt begangen wurde und der Anschlussinhaber davon keine Kenntnis hatte. Allgemein muss hier jeder Fall für sich betrachtet werden.

Wenn der Betroffene das Teilen der Inhalte eingestehen muss, muss er eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgehen, in der er sich gegenüber der Gegenseite verpflichtet, dies nicht zu wiederholen und eine hohe Vetragsstrafe zu zahlen, sollte es zu einem erneuten Verstoß kommen. Außerdem muss der Betroffene sich auf Anwaltskosten und Schadensersatz in Höhe von 600 bis 1000 Euro einstellen. Je nach Umfang des Vergehens können die Kosten auch weitaus höher liegen. Auf jedem Fall sollten Abgemahnte sich auch immer selbst einen Anwalt zur Hilfe nehmen, bevor sie irgendetwas unterschreiben oder zahlen, rät Rohner. „Besser ist es aber noch, sich im Zweifel schon vor der Nutzung bedenklicher Angebote bei Verbraucherschützern oder Juristen schlau zu machen oder sich an die Angebote eindeutig seriöser Anbieter zu halten, um gar nicht erst eine Abmahnung zu bekommen.“

Preise und Umfang

Die Untersuchung der Verbraucherzentrale zeigt jedoch, dass nicht alle Nutzer mit dem bestehenden Angebotsumfang der großen Anbieter zufrieden sind. „Insgesamt ist die Attraktivität, bei kostenpflichtigen Onlinediensten gerade im Bezug auf Filme und Serien hoch, es gibt aber auch Kritik an der inhaltlichen Ausrichtung“, betont Sebastian Schmidt. „Nutzer bemängeln, dass es an filmischen Topproduktionen fehlt und die Kataloge eher ältere Filmklassiker oder „B-Ware“ enthalten.“ Oftmals fehle es den Nutzern auch an Transparenz. Bei vielen Anbietern ändert sich die Auswahl mit der Zeit, sodass Filme auch ohne Ankündigung wieder aus dem Sortiment herausgenommen werden können. „Das ist natürlich ärgerlich für den Verbraucher“, sagt Schmidt. Hinzu kommt Ärger über Aspekte der Mitgliedschaft oder über Preiserhöhungen. Gerade, dass bei einigen kostenpflichtigen Anbietern trotz Abo bestimmte Inhalte wie besondere Blockbuster noch zusätzlich bezahlt werden müssen, stellt nach Ansicht von Schmidt für viele Nutzer ein Ärgernis dar.

Die meisten Anbieter von kostenpflichtigen Diensten geben ihren Nutzern die Möglichkeit, das Angebot kostenlos zu testen. „Dies empfiehlt sich in jedem Fall, um zu sehen, ob mein Lieblings-Genre und die Filmqualität, die ich mir wünsche, auch dabei ist“, betont Schmidt. Außerdem lohne sich eine Recherche in Technik-Fachportalen im Netz. Dort werden immer mal wieder Anbieter-Vergleiche durchgeführt.

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