Internet Aigner trifft sich mit Facebook - weiter Bedenken

Berlin. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) lässt mit ihrer Kritik am Online-Netzwerk Facebook nicht locker, obwohl ein schlichtendes Gespräch geplant ist. Nach ihrer Kritik an Datenschutzlecks schrieb Facebook ihr nun einen Brief.
08.04.2010, 18:50
Lesedauer: 2 Min
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Berlin. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) lässt mit ihrer Kritik am Online-Netzwerk Facebook nicht locker, obwohl ein schlichtendes Gespräch geplant ist. Nach ihrer Kritik an Datenschutzlecks schrieb Facebook ihr nun einen Brief.

Darin weist das Netzwerk Vorwürfe zurück und schlägt ein Treffen vor. Neue Kritik kommt jedoch vom Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar. «Die Bedenken der Ministerin sind nicht ausgeräumt», sagte ihr Sprecher Holger Eichele am Donnerstag. «Im Gegenteil. Es gibt weiter eine große Anzahl offener Fragen. Deshalb kommen wir gerne auf das Gesprächsangebot von Facebook zurück.» Die Ministerin werde die Unternehmensspitze zu einem Treffen nach Berlin einladen.

Aigner fordert, dass Daten der Facebook-Mitglieder nur nach Einwilligung weitergegeben werden und droht mit dem Ende ihrer persönlichen Mitgliedschaft. Das Online-Sozialnetzwerk, bei dem man sich in Wort und Bild mit Freunden austauschen kann, hat weltweit rund 400 Millionen Nutzer. In Deutschland sind es rund 7,5 Millionen. Die Netzwerke StudiVZ, MeinVZ und SchülerVZ kommen zum Vergleich zusammen auf rund 16 Millionen registrierte Mitglieder.

Facebook: Sind führend bei Datenkontrolle

Eine Facebook-Sprecherin sagte, das Unternehmen begrüße die Bereitschaft, sich zu treffen. Manager Richard Allan schrieb Aigner nach Angaben der Sprecherin, man halte den Schutz persönlicher Daten wie die Ministerin für grundlegend. Das Unternehmen sei bei der Datenschutzkontrolle führend in der Branche. Einmalig in diesem Geschäftszweig sei auch, dass Facebook seine Nutzer nach ihrer Meinung zu Änderungen der Datenschutzrichtlinien frage. Aigner hatte die Firma aufgefordert, persönliche Daten von Nutzern nicht ohne deren Einwilligung automatisch an Dritte zu kommerziellen Zwecken weiterzuleiten.

Allan versicherte, die Pläne liefen nicht auf einen massenhaften Austausch von Daten für kommerzielle Zwecke hinaus. Es sei ein begrenzter Vorschlag, mit wenigen, vorab genehmigten Partner-Internetseiten zusammenzuarbeiten, auf denen die Facebook-Nutzer dann personalisierte Angebote bekommen könnten.

E-Mail-Daten missbraucht?

Nach einem Treffen mit Allan kritisierte der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar am Donnerstag, Facebook nutze unerlaubt Daten von Nicht-Mitgliedern, nachdem die eigenen Mitglieder eingeladen würden, persönliche Kontakte von ihrem privaten E-Mail-Anbieter oder aus dem Handy zu öffnen. Allan entgegnete in einer Mitteilung vom Donnerstag, er wolle diese Frage gerne weiter diskutieren.

Der Austausch persönlicher Kontakte zwischen den verschiedenen Diensten und Geräten sei «ein übliches Verfahren in der gesamten Internet- und Telekommunikationsindustrie». «Wir sind überrascht, dass Herr Caspar der Ansicht ist, dass solche Services, die für mehr als ein Jahrzehnt eingesetzt wurden, illegal seien.» (dpa)

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