App der Woche

Ohne Spione unterwegs im Internet

App der Woche: Der Duck-Duck-Go Privacy-Browser schützt Daten vor Cookies und Werbe-Trackern. Wie er funktioniert und was die Unterschiede zu anderen Browsern sind.
10.10.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Ohne Spione unterwegs im Internet
Von Lisa Urlbauer
Ohne Spione unterwegs im Internet
Alex Ehlers/dpa

Google dominiert das Internet. Über 92 Prozent der Suchanfragen, die deutsche Nutzerinnen und Nutzer im September dieses Jahres gestellt haben, liefen über den Internetriesen. Dabei sammelt das Unternehmen alles an Daten, was es in die Finger bekommen kann, auch über seinen Browser Chrome. Konkurrent Duck-Duck-Go will das anders machen – und stellt Privatsphäre in den Vordergrund: Das Unternehmen verspricht, bei Nutzung der eigenen Suchmaschine und des eigenen Browsers keine Daten zu sammeln und Nutzer vor Werbe-Trackern zu schützen.

Auch wenn weniger als ein Prozent der deutschen Suchanfragen über Duck-Duck-Go laufen – der Suchmaschinenanbieter landet auf Platz drei hinter Google und dem Microsoft-Produkt Bing. Den Duck-Duck-Go Privacy-Browser gibt es auch für das Smartphone: als kostenfreien Download für Android und iOS.

Die Seite von Duck-Duck-Go erinnert an den Aufbau anderer Browser: Suchleiste, Lesezeichen, Tabs. Links neben der URL-Leiste vergibt Duck-Duck-Go eine Note für die Datensicherheit der jeweiligen Website, abhängig davon, wie viele Tracker genutzt werden und ob die Seite verschlüsselt ist – von A für sehr gut bis F wie sehr schlecht. Der Duck-Duck-Go Privacy-Browser verbessert die Datensicherheit, indem die Tracker auf den Webseiten und damit auch die Werbeanzeigen blockiert werden. Unter den Einstellungen können Nutzer die Datenschutzanforderungen an die Webseiten anpassen – und so bei Bedarf zum Beispiel das Tracking zulassen.

Im Gegensatz zu anderen Anbietern löscht der Browser bei jedem Schließen die Nutzerdaten. Daten und offene Tabs können außerdem mit einem Klick auf das Flammensymbol in der unteren Leiste entfernt werden. Gleichzeitig gibt es auch die Möglichkeit, einen „Feuerschutz“ einzustellen – sodass Cookies, mit denen Nutzer auf bestimmten Webseiten eingeloggt werden, erhalten bleiben. Außerdem können Nutzer die App zusätzlich sichern, sodass sie nur über Gesichtserkennung, Fingerabdruck oder den Passcode des Smartphones geöffnet werden kann.

Weil die Suchmaschine die Daten aus dem Browserverlauf ihrer Nutzer nicht herausliest, gibt es auch keine personalisierten Suchergebnisse. Duck-Duck-Go kann also nicht vorhersagen, woran der Nutzer am meisten interessiert sein könnte, sondern zeigt allen Anwendern dieselben Suchergebnisse. Dadurch kann Duck-Duck-Go ungenauer als Google oder andere Anbieter wirken – dafür spioniert der Software-Hersteller seine Nutzer offenbar nicht aus. Der Standort der Suchergebnisse kann allerdings angepasst werden.

Google bietet Nutzern seine Dienste und Sucherergebnisse kostenfrei an. Sein Geld verdient der Internetkonzern mit Werbeeinnahmen. Forschungen der Princeton University zufolge sind Googles Tracker auf 75 Prozent der führenden eine Million Webseiten. Auch Duck-Duck-Go verdient Geld über Werbung. Jedoch wird diese nicht basierend auf dem Nutzerverhalten ausgespielt, sondern lediglich anhand der jeweiligen Suchanfrage. Ganz ohne Werbe-Tracking und Cookies, sagt der Softwarehersteller.

Allerdings ist auch der Duck-Duck-Go Privacy-Browser nicht ganz fehlerfrei: So wurde im Juli öffentlich, dass der Hostname besuchter Websites vom Browser an einen Server des Software-Herstellers gesendet wird, weil der Browser die Favicons von Webseiten, die kleinen Bilder neben der Suchleiste, abfragt. Persönliche Daten sollen dabei nicht gesammelt werden und das Unternehmen verspricht, die Informationen zukünftig lokal im Browser zu speichern.

Der Vorfall zeigt: Privatsphäre im Netz ist ein komplexes Thema. Und es geht um weit mehr, als Tracker zu blockieren und die offensichtliche Datensammlung zu vermeiden.

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