Arbeitnehmerkammer diskutiert über Roboter am Krankenbett

Nein, über Datenschutz will Josef Hilbert heute nicht sprechen. Das sagt der geschäftsführende Direktor des Instituts Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule gleich zu Anfang.
18.12.2015, 00:00
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Von Tobias Meyer

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ein, über Datenschutz will Josef Hilbert heute nicht sprechen. Das sagt der geschäftsführende Direktor des Instituts Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule gleich zu Anfang. Im Vordergrund seines Vortrags steht vielmehr eine Vision: die Digitalisierung des Gesundheitssystems. Roboter am Krankenbett, so steht es im Programmheft zur Jahrestagung der Arbeitnehmerkammer, darum soll es am Donnerstag gehen.

Mehr als sechs Millionen Menschen arbeiten in der Gesundheitsbranche, in den nächsten 20 Jahren sollen noch mal bis zu eine Million neue Jobs entstehen. Doch es mangelt an Fachkräften. Mehr noch als die Industrie sei die Gesundheitsbranche für die Digitalisierung geeignet, betont Hilbert: Wo gelernte Kräfte fehlen, könnten etwa Roboter zum Einsatz kommen.

Einer von denen rollt jetzt über die Leinwand: Care-O-Bot heißt er, ein freundliches Wesen – soweit man das über eine Maschine sagen kann: Er zwinkert mit seinen pixeligen Augen, und dann rollt er im Video zu einer Dame, um ihr eine Rose zu überreichen. Die menschliche Maschine – das ist zumindest technisch keine weit hergeholte Spinnerei mehr, sondern Realität. Der Care-O-Bot wird am Fraunhofer-Institut in München entwickelt.

Allerdings: Bis die Roboter etwa in der Pflege eingesetzt werden können, wird wohl noch viel Zeit vergehen, betont Hilbert. So würden sich viele Kliniken und Ärzte noch immer schwer damit tun, die Möglichkeiten der neuen Technologien auszuschöpfen. Auch Operationsroboter, die eigenständig arbeiten, „waren in den vergangenen Jahren eine Riesenenttäuschung“. „Insgesamt müssen wir viel mehr Geld für Forschung und Entwicklung ausgeben“, sagt Hilbert. Das gelte auch für die Entwicklung von Software, mit der sich auf Knopfdruck Gesundheitswissen für Ärzte, aber auch Patienten abrufen lasse.

Aktuell kommt die Technologie vor allem aus Amerika: Google, Apple, IBM – alle haben das Thema für sich entdeckt, investieren Millionensummen, und selbst im Silicon Valley spricht man mittlerweile vom Zukunftsmarkt Silver Economy. Geld verdienen lässt sich aber vor allem mit den Daten, sagt Grit Genster, die bei der Gewerkschaft Verdi für Gesundheitspolitik zuständig ist. „Gesundheitsdaten sind beliebt bei Hackern und mittlerweile zehnmal teurer als Kreditkartendaten.“ Es sei deshalb wichtig, dass die Datenhoheit künftig bei den Versicherten läge und nicht bei den großen Konzernen oder Krankenkassen.

Am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Bremen arbeite man bereits an einer Modellwohnung, in der Assistenzsysteme für Pflegebedürftige zum Einsatz kommen können, berichtet Rolf Drechsler, am DFKI zuständig für cyber-physische Systeme. „Wir haben es hier mit einer technologischen Evolution zu tun“, sagt er. Drechsler glaubt, dass noch viele Schritte zu gehen sind. Und dann müsse man auch über Datenschutz reden.

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