Niederländischer Konzern plant private Mars-Raumfahrt

Big Brother auf dem Mars

Niederlande . Ein echtes TV-Erlebnis kommt da in den nächsten Jahren auf uns zu: Eine niederländische Firma will den Mars besiedeln. Und jeder soll am Leben der neuen Marsbewohner Teil haben können, denn die sollen rund um die Uhr beobachtet werden.
13.06.2012, 14:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Désirée Stelzner
Big Brother auf dem Mars

Der Mars könnte schon bald die neue Heimstätte einiger mutiger Astronauten werden.

dpa

Niederlande . Es klingt wie aus einem Film, doch das niederländische Start-Up Mars One scheint sein Projekt nicht nur ernst zu meinen, sondern betreibt es auch mit der nötigen Seriosität. Der erste bemannte Mars-Flug soll komplett privatfinanziert werden und schon 2022 in die Realität umgesetzt werden.

Dabei setzen die Niederländer auf private Raumfahrtunternehmen, weltbekanntes Know-How in der Technik und erprobte Medienexperten. Schließlich soll der Großteil der benötigten finanziellen Mittel durch Marketing erwirtschaftet werden. So verwundert es nicht, dass mit Paul Römer der Entwickler von „Big Brother“ ins Boot geholt wurde.

In Planung ist das Projekt bereits seit 2011, das geschah allerdings noch im Geheimen. Nun weihte der Konzern die Weltöffentlichkeit in ihre Pläne ein. Laut eigenen Angaben haben die Niederländer schon mit vielen Raumfahrtunternehmen Kooperationen abgesprochen, so dass der Produktion aus technischer Sicht kaum noch etwas im Wege steht.

Schon kommendes Jahr beginnt die Suche nach den Astronauten. Bisher wird mit etwa 40 Freiwilligen gerechnet, die dann bis zum eigentlichen Start der Mission in einem originalgetreuen Nachbau der Marsstation ausgebildet werden sollen. Das alles natürlich unter den Augen der Weltöffentlichkeit. Die dauerhafte Beobachtung soll auch schon in dem Stadium beginnen.

Parallel zur Ausbildung der Weltraumreisenden sollen auf dem Mars die ersten Behausungen errichtet werden. 2016 ist der erste unbemannte Flug geplant, der die Ausrüstung liefert. Nach der Planung ist bis 2021 das Lager von Robotern aufgebaut worden, bevor es dann 2022 für die ersten vier Astronauten auf die Reise geht. Danach soll die Crew alle zwei Jahre erweitert werden. Ein Rückfahrtticket gibt es dabei übrigens nicht. Wer sich für den Umzug auf den Mars entscheidet, tut das für immer.

Für dieses ehrgeizige Projekt veranschlagt Mars One rund sechs Milliarden US-Dollar. Was erst einmal viel klingt, erscheint angesichts der Kosten ähnlicher Projekte wie ein Taschengeld. So umfasst das Budget des Raumfahrtprogramms der NASA, welches unter Georg W. Bush vorgestellt wurde, mehr als das 15-fache dieser Summe.

Begeisterte Unterstützer gibt es allemal. Neben Raumfahrtexperten wie Dr. Gerard Blaauw, dem Vorsitzenden der niederländischen Raumfahrtbehörde und Prof. Dr. Ing. Boudewijn Ambrosius, der seit mehr als 40 Jahren an der TU in Delft lehrt, hat sich mit Prof. Dr. Gerard ’t Hooft sogar ein Physik-Nobelpreisträger für das Projekt ausgesprochen. Ob dieses Engagement reicht, wird man spätestens 2022 wissen, wenn die ersten glücklichen Marsbewohner aus dem heimischen Fernseher winken.

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