Und Google summte Buzz soll Facebook Konkurrenz machen

Google wildert im Revier von Facebook und Twitter. Ob das gut geht?
12.02.2010, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Annekatrin Liebisch

Google wildert im Revier von Facebook und Twitter. Ob das gut geht?

"Gmail killer", raunte es vor wenigen Tagen durchs Netz. So soll er inoffiziell genannt werden, der Webmaildienst, an dem im Moment bei Facebook angeblich unter dem Projektnamen Titan gearbeitet wird. Gründer Mark Zuckerberg und seine Mitstreiter können sich ein solches Selbstbewusstsein durchaus leisten. Erst kürzlich freute man sich darüber, die 400-Millionen-Nutzer-Marke geknackt zu haben - Google Mail verzeichnet nicht einmal die Hälfte. Doch Hochmut könnte bekanntlich vor dem Fall kommen: Überraschend holte Google zum Gegenschlag aus und stellte nun sein eigenes Social Network vor.

Während es Facebook schaffte, die Webcommunity zum Tuscheln zu bringen, lässt Google sie nun laut summen: "Buzz". Gewohnt kurz und knackig ist der Name, unter dem Google Kontakte knüpfen möchte. Waren die Besitzer einer Gmail-Adresse bisher bereits in der Lage, mit ihren E-Mail-Bekanntschaften zu chatten und Videokonferenzen abzuhalten, können sie nun bald auch Statusmitteilungen verfassen. Die Entscheidung, ob nur eine bestimmte Personengruppe oder alle Welt mitlesen darf, liegt beim Verfasser.

Ansonsten aber übernimmt Google das Ruder. So werden die Menschen, mit denen man am häufigsten chattet oder mailt, automatisch zu Followern. Zudem empfiehlt Buzz seinen Usern Mitteilungen, die für sie interessant sein könnten - Meldungen von Freundesfreunden oder Posts, die von Bekannten diskutiert werden. Gleichzeitig filtert das Netzwerk Beiträge, die der Nutzer wahrscheinlich selbst überspringen würde. Um herauszufinden, welche das sind, muss Buzz vom Anwender trainiert werden - per "Like" und "Not interested"-Button.

Dass Buzz eine Standortanzeige per Google Maps anbietet, überrascht nicht, und auch die Anbindung der 2006 erworbenen Videoplattform YouTube lag nahe. Zudem kooperiert Google mit dem Bilddienst flickr und integriert Tweets, die von Freunden bei Twitter veröffentlicht worden. Zurücktwittern kann man via Buzz allerdings nicht - man denke allerdings darüber nach, diese Funktion nachzurüsten, formulierte Google-Mastermind Sergey Brin vorsichtig auf der Pressekonferenz. Und noch eine weitere Hintertür bleibt offen: Ein Facebook-Anschluss wurde auf Nachfragen auch nicht definitiv ausgeschlossen.

Doch die von Produktmanager Todd Jackson gegebene Antwort "Nothing to announce at this time - but we'll think about it" darf in diesem Fall wohl frei mit "An dem Tag, an dem die Hölle zufriert" übersetzt werden. Sollte Google eines Tages tatsächlich Facebook "verbuzzen", käme das dem offiziellen Eingeständnis einer Niederlage gleich. Google sucht den Konkurrenzkampf. Ob sie eine Chance haben, steht jedoch auf einem anderen Blatt Papier.

Um Facebook tatsächlich gefährlich zu werden, müsste Buzz - die zahlreichen Neuanmeldungen bei Facebook außer Acht gelassen - derzeit über 200 Millionen Nutzer für Googles Mailprogramm dazugewinnen. Doch die Argumente dafür, seine aktuelle E-Mail-Adresse und den Facebook-Account verkümmern zu lassen, sich bei Gmail anzumelden und alle Netzwerk-Geschichten künftig dort abzuwickeln, sind nicht besonders gut ausgearbeitet: Schließlich lassen sich auch bei der rivalisierenden Community-Plattform Videos einbetten, Links hinzufügen und Fotos hochladen - von Chats, Statusanzeigen und Nachrichten ganz zu schweigen. Und so lächerlich es klingen mag: Facebook bietet Spiele an. Ein simples Angebot, mit dem Facebook jedoch für eine Menge Internet-Nutzer attraktiver ist als beispielsweise Twitter oder die deutschen VZ-Plattformen.

So mag Buzz unglaublich praktisch für die User sein, die Google Mail bereits seit Langem nutzen und ein entsprechendes Netzwerk aufgebaut haben. Um Außenstehende für das Produkt zu begeistern, bedarf es wohl eines größeren Köders. Doch zumindest demonstriert Google dem "Gmail killer", dass er kein wehrloses Opfer vorfinden wird.

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